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30.03.2023

06:53

Ukraine – Die Lage am Morgen

Kreml erwartet langen Konflikt – US-Generalstabschef über schrumpfende Munitionsbestände besorgt

Der ukrainische Staatschef Selenski wünscht sich einen dringend benötigten Sieg der Demokratie gegen die Tyrannei. Spanien will der Ukraine Panzer liefern, aber keine Kampfjets.

Der Krieg in der Ukraine kostet eine große Menge Munition. dpa

Ukraine-Krieg

Der Krieg in der Ukraine kostet eine große Menge Munition.

Kiew Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat nach seiner Teilnahme am virtuellen Weltgipfel für Demokratie betont, dass die Demokratie unbedingt und schnellstmöglich einen Sieg brauche. Russland bereitet sich unterdessen auf einen langen Krieg gegen die Ukraine und den Westen vor.

Selenski: Demokratie braucht einen Sieg

„Und wir alle zusammen – Ukrainer, alle Europäer, unsere amerikanischen Verbündeten, unsere Freunde auf allen Kontinenten – in Afrika, Asien, Lateinamerika, Australien – werden alles tun, um diesen Sieg näher zu bringen“, sagte Selenski am Mittwoch in seiner abendlichen Videoansprache. „Den Sieg der Ukraine, den Sieg der Freiheit, den Sieg für die regelbasierte internationale Ordnung.“

Die USA richteten den virtuellen Gipfel gemeinsam mit Costa Rica, den Niederlanden, Südkorea und Sambia aus. US-Präsident Joe Biden hatte schon im Dezember 2021 zu einem virtuellen Treffen dieser Art geladen. Selenski unterstrich Bidens führende Rolle in der Konsolidierung der demokratischen Welt. „Und diese Einigkeit reicht, wie wir sehen, aus, um für die Freiheit zu kämpfen“, sagte er. „Aber um den Kampf gegen die Tyrannei zu gewinnen, brauchen wir mehr Einigkeit.“

Kreml erwartet langen Konflikt mit dem Westen um Ukraine

Russland stellt sich nach Kremlangaben auf einen langen Krieg mit dem Westen um die Ukraine ein. „Das ist eine Konfrontation mit feindlichen Staaten, mit unfreundlichen Ländern, das ist ein hybrider Krieg, der von ihnen gegen unser Land losgetreten wurde. Das ist für eine lange Zeit“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch. „Hier brauchen wir Härte, Selbstüberzeugung, Zielstrebigkeit und Geschlossenheit um den Präsidenten.“

Der russische Politiker erwartet einen langen Konflikt mit der Ukraine. dpa

Kremlsprecher Dmitri Peskow

Der russische Politiker erwartet einen langen Konflikt mit der Ukraine.

Kiews Luftwaffensprecher: Brauchen moderne Jets

Die Luftstreitkräfte der Ukraine benötigen nach den Worten ihres Sprechers Juri Ihnat „dringend“ moderne Kampfflugzeuge. „Uns helfen weder die polnischen noch tschechischen Migs, ebenso wie Mirages oder Tornados“, sagte Ihnat am Mittwoch im ukrainischen Fernsehen.

Die von den Nachbarn erhaltenen Migs seien zwar eine willkommene und notwendige Verstärkung, doch benötige die Ukraine vielmehr Mehrzweckkampfflugzeuge der vierten Generation, wie etwa die amerikanische F-16. Da die Ausbildung von Piloten und Bodenpersonal an diesen Maschinen „kein einfacher Prozess“ sei, wäre eine Entscheidung „möglichst gestern“ nötig.

US-Generalstabschef über schrumpfende Munitionsbestände besorgt

US-Generalstabschef Mark Milley sieht das Militär wegen Lücken in den Munitionsbeständen nicht für einen potenziellen großen Krieg gerüstet. Man habe bei der Aufstockung der Vorräte noch „einen langen Weg“ vor sich, räumte Milley bei einer Anhörung vor dem Repräsentantenhaus-Ausschuss zu Belangen rund um die US-Streitkräfte am Mittwoch ein. Dort stellten sich der Generalstabschef und Verteidigungsminister Lloyd Austin Fragen von Abgeordneten nach den Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Pentagonbestände. Die USA liefern der Ukraine einen Großteil der Munition, die sie für ihren Abwehrkampf gegen die russischen Angriffstruppen benötigt.

Milley sagte, der Ukraine-Krieg verdeutliche, wie hoch der Verbrauch von Munition in jedem großen Konflikt sei. „Wenn es einen Krieg auf der Koreanischen Halbinsel gäbe oder einen Großmachtkrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Russland oder den Vereinigten Staaten und China, wären die Verbrauchswerte auf einem extrem hohen Niveau“, erklärte er im Hinblick auf den Munitionsverbrauch. „Daher bin ich besorgt.“ Dies gelte auch für den Verteidigungsminister. „Wir haben einen langen Weg vor uns, sicherzustellen, dass unsere Bestände für die echten Eventualitäten vorbereitet sind.“

Ministerin: Spanien liefert der Ukraine Panzer, aber keine Kampfjets

Spanien will der Ukraine zehn Leopard-Panzer des älteren Typs 2A4 liefern, schließt aber die Entsendung von Kampfjets aus. Die Lieferung der ersten sechs Panzer werde in zwei Wochen erfolgen, erklärte Verteidigungsministerin Margarita Robles am Mittwoch.

Kiew kündigt russischem Militär „Drohnenschwarm Mathias Rust“ an

Nach den wiederholten russischen Angriffen mit sogenannten Kamikaze-Drohnen auf ukrainische Städte will das ukrainische Militär mit gleicher Münze zurückzahlen. Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, Olexij Danilow, kündigte Gegenschläge mit eigenen Drohnen an, die nach seinen Worten in einem „Ukrainischen Schwarm Mathias Rust“ – in Erinnerung an den deutschen Kreml-Flieger – zusammengefasst seien. Dazu gebe es bereits „mehrere tausend Drohnen mit einer Reichweite von bis zu 3000 Kilometern“, behauptete Danilow auf Twitter.

Der Deutsche Privatpilot Mathias Rust war am 28. Mai 1987 mit einer einmotorigen Cessna auf der Moskwa-Brücke vor dem Kreml gelandet. Zuvor war er in Finnland gestartet und hatte die gesamte sowjetische Flugabwehr unterflogen. Rust wollte mit seiner Aktion für den Weltfrieden demonstrieren. Auf seinen Flug folgte eine Säuberungswelle in der Führungsebene des sowjetischen Militärs.

Ukrainisches Militär räumt russischen Teilerfolg in Bachmut ein

Die ukrainische Militärführung räumte am Mittwoch einen russischen Teilerfolg in den Kämpfen um die Stadt Bachmut im Osten des Landes ein. „Im Sektor Bachmut setzte der Feind seine Angriffe auf die Stadt fort, teilweise mit Erfolg“, teilte der Generalstab in Kiew in seinem täglichen Lagebericht mit. Details zu den russischen Geländegewinnen wurden jedoch nicht genannt.

Vizeministerin: Russische Verluste bis zehnmal höher als ukrainische

Die ukrainische Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar gab erstmals konkretere Einblicke in die Verluste der Streitkräfte. Demnach sind die Zahlen der Toten auf russischer Seite deutlich höher als auf der ukrainischen. „Es gibt Tage im Osten, an denen das Verhältnis der Verluste (Todesopfer) bei 1 zu 10 liegt“, teilte sie am Mittwoch auf Telegram mit. „Das ist natürlich nicht jeden Tag der Fall, und das durchschnittliche Verhältnis ist niedriger, aber immerhin.“

Das ukrainische Militär hat bisher keine Angaben zu den eigenen Verlusten seit Kriegsbeginn vor über einem Jahr gemacht. Dagegen wird eine tägliche Statistik mit den angeblichen Verlusten des russischen Militärs veröffentlicht. Demnach haben die russischen Streitkräfte bisher über 172.000 Tote zu beklagen. Das russische Militär macht seinerseits auch keine Angaben zu den eigenen Verlusten. Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace schätzte die russischen Verluste an Toten und Verwundeten am Mittwoch auf rund 220.000 ein, wie Sky News berichtete.

So berichtet das Handelsblatt über den Ukraine-Krieg:

Das wird am Donnerstag wichtig

Rund um die ostukrainische Stadt Bachmut sind neue Kämpfe zu erwarten. Selenski spricht am Donnerstag per Video-Schalte vor dem österreichischen Parlament.

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