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06.04.2022

21:24

Ukraine

Nach Gräueltaten in Butscha: US-Regierung setzt Putins Töchter auf Sanktionsliste

Von: Katharina Kort

PremiumAm Dienstag hatte die EU-Kommission bereits neue Sanktionen angekündigt, nun legten die USA nach. Dabei zielen sie auf enge Verwandte der russischen Führung.

Washington zielt mit den neuen Sanktionen konkret gegen enge Angehörige des russischen Präsidenten. via REUTERS

Wladimir Putin

Washington zielt mit den neuen Sanktionen konkret gegen enge Angehörige des russischen Präsidenten.

New York Die US-Regierung hat ihre Sanktionen gegen Russland erweitert. Jetzt trifft es auch die erwachsenen Kinder des russischen Präsidenten Wladimir Putin und die engsten Verwandten des Außenministers Sergej Lawrow. „Die widerliche Brutalität in Butscha hat auf tragische Weise den verabscheuungswürdigen Charakter des Putin-Regimes deutlich gemacht“, sagte ein hoher Regierungsvertreter am Mittwoch mit Blick auf die Ermordung Hunderter Bewohner in dem Vorort von Kiew.

Putins Tochter Katerina Wladimirowna Tichonowa sei eine technische Führungskraft, die mit ihrer Arbeit die russische Regierung und die Verteidigungsindustrie unterstütze, erklärte das US-Finanzministerium. Ihre Schwester Maria Wladimirowna Woronzowa leite staatlich finanzierte Programme, die vom Kreml mit Milliardensummen für die Genforschung gefördert und von Putin persönlich überwacht würden. 

Über Putins Töchter ist wenig bekannt. Tichonowa ist 1986 geboren, ihre Schwester 1985. Mit den Sanktionen werden die beiden Frauen vom US-Finanzsystem abgeschnitten und ihre Vermögenswerte in den Vereinigten Staaten eingefroren. Diese Maßnahmen richten sich auch gegen Lawrows Ehefrau Maria und Tochter Jekaterina, den russischen Ministerpräsidenten Michail Mischustin, Mitglieder des Sicherheitsrats und den früheren Präsidenten Dmitri Medwedew.

Außer den persönlichen Sanktionen gegen Putins und Lawrows Familienmitglieder haben die USA auch die Sanktionen für die beiden Banken Sberbank und Alfa Bank ausgeweitet. Betroffen sind jetzt nicht mehr nur die Dollar-Transaktionen, sondern sämtliche Transaktionen mit der Bank.

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    „Die Sberbank ist die Hauptarterie des russischen Finanzsystems und hält ein Drittel aller russischen Vermögenswerte“, erklärte ein hoher Beamter der US-Regierung. Die Sanktionen zielen auch auf 42 Tochtergesellschaften der Bank. Die Alfa Bank sei Russlands größtes Finanzinstitut in Privatbesitz, sechs Tochtergesellschaften und fünf Schiffe würden ebenfalls sanktioniert, so das US-Finanzministerium.

    Mit den Maßnahmen seien nun zwei Drittel des russischen Bankensystems blockiert, sagte der Beamte. Außerdem werde US-Präsident Joe Biden sämtliche neue Investments mit einem Präsidentschaftsdekret verbieten. „Putin wird damit das Know-how aus dem privaten Sektor verlieren.“ Der Braindrain werde enorm sein, sagte der Beamte. „Russland war die elfte Wirtschaft in der Welt. Sie werden bald aus den Top 20 herausfallen“, prognostizierte der Regierungsbeamte. „Sie werden zum sowjetischen Lebensstil zurückkehren.“

    Weitere Details am Donnerstag

    Russland solle weiter von der Weltwirtschaft isoliert werden, hieß es. Auch wichtige russische Staatsunternehmen werden mit Strafmaßnahmen belegt. Diese Maßnahmen verbieten es allen US-Bürgern, mit diesen Unternehmen Geschäfte zu machen. Die Vermögenswerte der Unternehmen in den USA werden eingefroren.

    Dadurch werde die Fähigkeit des Kremls beeinträchtigt, diese Unternehmen zu nutzen, um den Krieg in der Ukraine zu finanzieren, hieß es. Um welche Unternehmen es sich konkret handelt, will das US-Finanzministerium am Donnerstag bekannt geben.

    Das US-Finanzministerium untersagt es Russland zudem, Schulden mit Geldern zu begleichen, die der US-Gerichtsbarkeit unterliegen. Die US-Regierung gab am Mittwoch darüber hinaus strafrechtliche Ermittlungen gegen den russischen Oligarchen Konstantin Malofejew bekannt. Justizminister Merrick Garland verkündete eine Anklage gegen den Milliardär wegen Verstößen gegen zuvor verhängte Sanktionen.

    Die USA gehen konsequent gegen von ihnen sanktionierte Personen vor. Reuters

    Konstantin Malofejew

    Die USA gehen konsequent gegen von ihnen sanktionierte Personen vor.

    Malofejew sei in der Vergangenheit als eine der Hauptfinanzierungsquellen für die separatistischen Bewegungen auf der Krim und in der sogenannten Volksrepublik Donezk in der Ukraine identifiziert und mit Strafmaßnahmen belegt worden. Nach der Verhängung von US-Sanktionen habe Malofejew dann versucht, diese zu umgehen, indem er über Komplizen Medien in ganz Europa erworben und betrieben habe.

    Garland sagte, es seien außerdem Millionen von Dollar von einem Konto bei einem US-Finanzinstitut beschlagnahmt worden, bei denen es sich um Erlöse handele, die auf Malofejews Sanktionsverstöße zurückzuführen seien.

    Die stellvertretende US-Justizministerin Lisa Monaco warnte russische Milliardäre und Kriminelle: „Wir haben ein Auge auf jede Jacht und jeden Jet. Wir haben unsere Augen auf jedes Kunstwerk und jede Immobilie gerichtet, die mit schmutzigem Geld gekauft wurden, und auf jede Bitcoin-Brieftasche, die mit Erträgen aus Diebstahl und anderen Verbrechen gefüllt ist.“

    Die USA, die EU, Großbritannien und weitere Verbündete haben wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine bereits zahlreiche Sanktionen gegen Moskau verhängt. Ziel der Maßnahmen waren bislang unter anderem Russlands Finanzsystem, der Technologiesektor sowie Politiker und Oligarchen, die als Gefolgsleute Putins gelten. 

    Mit dpa-Material

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