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18.05.2022

18:50

Urlaubsziele

Städtetrip nach Paris oder Rom ohne Touristen-Massen – noch geht das

Von: Gerd Höhler, Daniel Imwinkelried, Tanja Kuchenbecker, Sandra Louven, Christian Wermke

Erstmals seit Beginn der Pandemie kommen wieder fast so viele Besucher in die klassischen Urlaubsziele wie vorher. Das gilt jedoch nicht für die Metropolen – aus zwei Gründen.

Ein Trost für die Luxusbranche ist immerhin, dass die Amerikaner langsam wiederkommen. Moment/Getty Images

Paris

Ein Trost für die Luxusbranche ist immerhin, dass die Amerikaner langsam wiederkommen.

Athen, Wien, Paris, Madrid, Rom Die Hoteliers in Europa atmen auf: Die Branche, die wie kaum eine andere unter dem Coronavirus gelitten hat, spürt in diesem Jahr eine deutliche Erholung. Einige griechische Inseln haben bereits mehr Gäste gemeldet als im bisherigen Rekordjahr 2019. In den Städten allerdings bleibt der Ansturm bisher aus. Selbst einstige Besuchermagneten wie Barcelona oder Venedig liegen derzeit noch weit unter dem Vorkrisenniveau.

Carlos Cendra von der spanischen Tourismusberatung Mabrian nennt als Gründe das brachliegende Geschäft mit asiatischen Touristen sowie weniger Besucher aus den USA, die gerade erst wieder anfangen zu buchen.

Hinzu kommt ein wohl anhaltendes Minus bei Geschäftsreisen. Viele Unternehmen, die in der Pandemie ihre Reisekosten drastisch gesenkt haben, wollen offenbar weiterhin einen guten Teil der Meetings virtuell abhalten. „Darin ist sich die Branche einig“, sagt Philip Moscoso, Tourismusexperte an der spanischen Business-School IESE. Das Fernbleiben der Geschäftsreisenden belaste die Hoteliers besonders. „Geschäftsreisende geben pro Tag mehr Geld aus als Touristen, weil sie etwa Konferenzräume mieten oder das Frühstück aufs Zimmer bestellen.“

Ein Überblick über die Lage in europäischen Tourismus-Städten.

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    Italien und Frankreich: Touristen aus China und Russland fehlen

    Angesichts der Touristenströme in Roms Altstadtgassen zwischen Trevi-Brunnen und Pantheon denken einige Römer schon fast wehmütig an die Hochzeiten der Pandemie zurück, in der die Ewige Stadt ihnen ganz allein gehörte. Doch das Vor-Corona-Niveau ist noch lange nicht erreicht. Marina Lalli, Präsidentin des Verbands Federturismo, sagt: „2019 war Rom ehrlich gesagt überlastet. Davon sind wir heute noch weit entfernt.“

    Im Februar waren noch rund 400 der 1250 Hotels geschlossen. Selbst zu Ostern blieben laut Lalli rund 150 Häuser zu – wahrscheinlich werden sie gar nicht mehr öffnen.

    Das Vor-Corona-Niveau ist in der italienischen Tourismusbranche noch lange nicht erreicht. dpa

    Markusplatz in Venedig

    Das Vor-Corona-Niveau ist in der italienischen Tourismusbranche noch lange nicht erreicht.

    Insgesamt lief das Ostergeschäft aber gut, vor allem in den für ihre Kunstschätze bekannten Städten wie Venedig oder Florenz. Neben Italienern reisten viele Urlaubsgäste aus anderen europäischen Staaten an, aber auch wieder einige Amerikaner.

    Zwei wichtige Gruppen für Italiens Tourismus, der rund 13 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, würden aber weiterhin fehlen, sagt Lalli: „Für das gesamte Jahr erwarten wir wegen Corona keine Asiaten.“ Zu groß sind die Reisebeschränkungen, zu unsicher die Aussichten. Obendrein bleiben die Russen wegen des Kriegs fern: Zwar sind sie zahlenmäßig nicht so wichtig für Italien, lassen aber besonders viel Geld im Land.

    Auch in Paris, einer der weltweit meistbesuchten Städte, gehören die Bilder von chinesischen Shoppern, die mit Chanel-Taschen über die Champs-Élysées laufen, der Vergangenheit an. Und auch hier fehlen die russischen Käufer. Ein Trost für die Luxusbranche ist immerhin, dass die Amerikaner langsam wiederkommen: Mit zwölf Prozent stellen sie bereits die zweitgrößte Besuchergruppe.

    Ein Viertel aller Paris-Besucher sind derzeit Franzosen – doppelt so viel wie sonst.

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    Wenig Bewegung gibt es dagegen bei Geschäftsreisen. In normalen Zeiten machen sie in Paris die Hälfte der Belegung in den Hotels aus, doch jetzt sind sie noch rar. Seit Anfang des Jahres sind die Hotels deshalb an den Wochenenden voller als in der Woche, so die auf Tourismus spezialisierte Unternehmensberatung MKG.

    Ähnlich ist die Lage in Italien. Große Veranstaltungen wie Messen und Konferenzen kommen zwar gerade wieder in Gang, die Coronaregeln wurden überall gelockert. Aber viele Business-Trips, gerade die kurzen nur für ein Meeting, werde es künftig nicht mehr geben, sagt die italienische Verbandschefin. Darunter könnte vor allem Mailand leiden, die Finanz- und Wirtschaftsmetropole des Landes.

    Griechenland: Hoffnung auf die Amerikaner

    In Griechenland waren zu Ostern viele Hotels ausgebucht. Auf Inseln wie Mykonos, Santorin, Kos und Rhodos melden die Hoteliers bereits jetzt mehr Buchungen für den Sommer als im bisherigen Rekordjahr 2019.

    In Athen jedoch liegen die Hotelbuchungen nach Angaben aus Branchenkreisen bisher noch 25 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Das kann Fachleuten zufolge aber auch daran liegen, dass immer mehr Urlauber private Unterkünfte auf Plattformen wie Airbnb und Booking.com buchen.

    Das griechische Fremdenverkehrsamt EOT wirbt jetzt gezielt mit Werbespots in den sozialen Medien für Wochenendtrips nach Athen und Thessaloniki. Damit will das Fremdenverkehrsamt nach den Worten seines Generalsekretärs Dimitris Frangakis Athen und Thessaloniki „auf Augenhöhe mit anderen bekannten Drei-Tages-Destinationen wie Paris, Rom, London oder Barcelona“ platzieren.

    Die Hotelbuchungen sind offenbar noch 25 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. IMAGO/NurPhoto

    Touristen auf der Akropolis in Athen

    Die Hotelbuchungen sind offenbar noch 25 Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

    Die Werbung soll vor allem den Stadthotels helfen. Sie waren von der Pandemie besonders betroffen, weil neben den Touristen auch Geschäftsreisende ausblieben.

    Trotz der bisher eher schwachen Buchungen haben die Athener Hoteliers die Hoffnung auf eine starke Sommer- und Herbstsaison noch nicht aufgegeben, denn Städtereisen werden meist kurzfristiger gebucht als längere Aufenthalte.

    Große Hoffnungen setzt die Tourismusbranche vor allem auf die Amerikaner. Die drei großen US-Fluggesellschaften American, Delta und United bieten in diesem Sommer mehr Flüge nach Griechenland an als je zuvor. Sie verbinden Athen nonstop mit New York, Boston, Philadelphia, Chicago, Washington und Atlanta. Erfahrungsgemäß verbringen die amerikanischen Touristen einige Nächte in Athen, bevor sie auf eine der Inseln weiterreisen.

    Österreich: Hotelsterben in Wien

    Wien ist besonders gebeutelt: Zahlreiche Hoteliers in der Hauptstadt haben die Coronakrise nicht überlebt. Es gibt heute 16 Prozent weniger Hotelbetriebe als vor der Pandemie; gleichzeitig ist die Zahl der Betten um acht Prozent gesunken.

    Die Wiener Hotels sind im Durchschnitt also größer geworden. Österreichs Regierung hat den Tourismussektor in der Pandemie großzügig unterstützt. Ohne die Hilfe wären noch mehr Hotels verschwunden.

    Im ersten Quartal lagen die Übernachtungen in Wien immer noch 56 Prozent unter dem Niveau von 2019. Das war mit 17,6 Millionen Übernachtungen allerdings auch das bisherige Rekordjahr.

    Im Februar lag die Zahl der Übernachtungen in Österreich landesweit rund 24 Prozent unter dem Vergleichszeitraum. dpa

    Touristen vor dem Stephansdom in Wien

    Im Februar lag die Zahl der Übernachtungen in Österreich landesweit rund 24 Prozent unter dem Vergleichszeitraum.

    Wien weist einen breiten Gästemix auf. Zwischen 25 und 30 Prozent der Übernachtungen buchen nichteuropäische Touristen. Auch der lukrative Kongress-Tourismus hat ein großes wirtschaftliches Gewicht. Große Kongresse finden in Wien aber weiterhin nicht statt. „Das wird noch dauern“, sagt Norbert Kettner, der Chef von Wien Tourismus.

    Spanien: Lichtblick im März

    Einen Lichtblick gibt es zumindest für die spanischen Städte. Sie holen dank inländischer Besucher im Vergleich zu den ländlichen Urlaubsregionen auf. So lag das Geschäft der spanischen Stadthotels im Januar noch 35 Prozent unter dem Niveau von 2019. Die Hotels an der Küsten hatten dagegen „nur“ 28 Prozent weniger Gäste.

    Mit dem weitgehenden Ende der Restriktionen und der Öffnung aller Museen, Theater und Kunsthallen erholt sich auch der Städtetourismus langsam. Im März lag er nur noch 14 Prozent unter dem Vorkrisenniveau und damit fast genau auf dem Niveau der Küstenregionen (minus 13 Prozent). Ähnlich wie in Paris haben viele Einheimische die Erholung in den spanischen Großstädten angetrieben: Sie gönnten sich nach Angaben des spanischen Touristenverbands Exceltur wieder Wochenend-Trips in die Metropolen.

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