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09.11.2019

00:20

US-Milliardär

Michael Bloomberg könnte im US-Präsidentschaftswahlkampf kandidieren

Von: Astrid Dörner

Der Demokrat würde das Feld neu aufmischen und vor allem Joe Biden Konkurrenz machen. Donald Trump freut sich bereits auf einen neuen Herausforderer.

US-Wahlkampf

Michael Bloomberg erwägt Einstieg in Präsidentschaftswahlkampf

US-Wahlkampf: Michael Bloomberg erwägt Einstieg in Präsidentschaftswahlkampf

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New York Soll er oder soll er nicht? Schon seit Jahren stellt sich der Demokrat Michael Bloomberg immer wieder diese Frage. Bloomberg ist mit dem von ihm gegründeten Finanzdienstleister zum Milliardär geworden, war Bürgermeister der Stadt New York, gehört zu den renommiertesten Philanthropen des Landes. Doch das reicht ihm nicht. Gerne würde er seine Karriere mit dem Einzug ins Weiße Haus krönen. Gerade jetzt, wo es darum geht, Präsident Donald Trump zu besiegen.

Schon seit Wochen gab es Gerüchte in New York, dass er noch ins Rennen einsteigen könnte. Am Donnerstagabend nun machte er einen entscheidenden Schritt. Er schickte Mitarbeiter nach Alabama. Sie müssen Unterschriften in dem US-Bundesstaat sammeln, um ihn in letzter Minute noch auf den Wahlzettel zu setzen.

Zwar finden die Vorwahlen der Demokraten erst ab Februar 2020 statt, doch die Fristen für die Kandidaten laufen auch für andere Bundesstaaten schon in den kommenden Tagen ab, daher muss sein Team nun schnell reagieren.

Endgültig für eine Kandidatur entschieden habe sich Bloomberg immer noch nicht, sagt sein Berater Howard Wolfson. Doch damit sichert er sich immerhin die Option. Der Milliardär sei zunehmend besorgt, dass die derzeitigen Bewerber es nicht mit Trump aufnehmen können, wie er über seinen Berater mitteilten ließ. Bloomberg will als moderater Demokrat ins Rennen gehen und so Wähler beider Parteien für sich gewinnen.

Im Frühjahr noch hatte sich Bloomberg gegen eine Kandidatur entschieden. Vor allem, um die Chancen des früheren Vizepräsidenten Joe Biden nicht zu gefährden. Doch Biden machte zuletzt bei Wahlkampfauftritten keine gute Figur und geriet zudem durch die Ukraine-Affäre von Präsident Trump in die Schlagzeilen. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren bekommt mit ihren radikalen Plänen, Reiche stark zu besteuern und eine gesetzliche Krankenversicherung einzuführen, deutlich mehr Aufmerksamkeit.

„Joa Biden als Kandidat beschädigt“

„Dass Bloomberg nun ernsthaft überlegt, einzusteigen, ist ein klares Zeichen dafür, dass Biden als Kandidat beschädigt ist“, sagt Daniel Alpert, der die New Yorker Investmentbank Westwood Capital mitgegründet hat. Die Wall Street würde ihn als Kandidaten begrüßen, weil er in der demokratischen Partei einen Gegenpol zu Warren und Bernie Sanders bilden würde, die vor allem Wähler am linken Spektrum ansprechen. Gerade Warren hat Pläne, die Wall Street zu verändern. Sie fordert, große Banken aufzubrechen und Private-Equity-Firmen stärker zu regulieren. „Die Hälfte der Demokraten an der Wall Street mag Warren nicht, weil sie Trump zur Wiederwahl verhelfen könnte. Die andere Hälfte hat Angst vor ihren Vorhaben“, so Alpert.
Hedgefonds-Manager und Milliardär Leon Cooperman hat am Freitag im US-Börsensender CNBC bereits seine Unterstützung für Bloomberg ausgesprochen.

Allerdings wird es auch Bloomberg nicht einfach haben. Zwar hat er genug Geld, um den Wahlkampf zu finanzieren. Sein Vermögen wird auf knapp 52 Milliarden Dollar geschätzt. Doch er ist mit 77 Jahren noch älter als Joe Biden (76), Warren (70) und Trump (73). Er ist ähnlich wie Trump ein Milliardär aus New York, der glaubt, er könne aufgrund seiner früheren Erfolge auch im höchsten Amt der Politik erfolgreich sein. Was gerade in der demokratischen Partei auf viele Kritiker stößt.

US-Wahlkampf

Sanders kritisiert die Kandidatur von Milliardär Bloomberg

US-Wahlkampf: Sanders kritisiert die Kandidatur von Milliardär Bloomberg

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Bloombergs Zeit als Bürgermeister in New York stößt auf gemischtes Feedback. Einerseits hat er zwar viele Viertel der Stadt, besonders die am East River, durch Investitionen aufgewertet und belebt. Er führte ein strenges Rauchverbot ein, das sogar in Parks gilt. Sowohl die Kriminalitätsraten als auch die Zahl der Inhaftierten nahm unter ihm ab. Kritik gab es jedoch unter anderem wegen der sogenannten „Stop and Frisk Policy“. Diese erlaubte die willkürliche Durchsuchung von Menschen auf der Straße, die schwerpunktmäßig Afroamerikaner und Latinos traf und 2013 von einem Bundesgericht als verfassungswidrig eingestuft wurde. Über die Jahre gab es immer wieder Klagen gegen seine Firma wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung von Frauen, die in einem Wahlkampf vermutlich wieder hochkommen könnten.

Donald Trump dagegen würde sich freuen, wenn Bloomberg kandidieren würde. Er gäbe „niemanden, gegen den ich lieber antreten würde“, sagte der Republikaner am Freitag. Jetzt muss Bloomberg nur noch endgültig entscheiden, ob er soll oder nicht.

Mehr: Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wird immer wahrscheinlicher. US-Korrespondentin Annett Meiritz erklärt, ob dadurch Trumps Wiederwahl gefährdet wäre.

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