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30.07.2022

14:22

US-Politik

Neue US-Partei „Forward“ – Andrew Yang geht mit Demokraten und Republikanern auf Stimmenfang

Von: Sarah Sendner

Eine Mischung aus Republikanern und Demokraten will mit „Forward“ nicht weniger als die Demokratie retten. An der Spitze der neuen US-Partei steht ein altbekannter Außenseiter.

Der frühere Tech-Unternehmer will mit seiner Partei ein neues politisches Zentrum abbilden. AP

Andrew Yang

Der frühere Tech-Unternehmer will mit seiner Partei ein neues politisches Zentrum abbilden.

New York Der politische Außenseiter Andrew Yang versucht mit einer neuen Partei den großen Wurf. „Forward“ ist eine Union ehemaliger Demokraten und Republikaner und soll ein neues politisches Zentrum abbilden, Yang will als Vorsitzender eine ernsthafte Alternative zu den beiden großen Parteien schaffen.

Als der ehemalige Tech-Unternehmer 2019 um die demokratische Präsidentschaftskandidatur antrat, waren seine Chancen gering. Das hielt den New Yorker aber nicht davon ab, ernsthaften Wahlkampf zu betreiben. Yang propagierte das bedingungslose Grundeinkommen, eine radikal linke Idee in den USA.

Doch als er sich in seiner liberalen Heimat in New York um den Posten des Bürgermeisters bemühte, hatte Yang Schwierigkeiten, Wähler zu gewinnen. Eine Mischung aus falscher Themensetzung, einem gestörten Gespür für die Belange der Bürger und widersprüchlichen Aussagen ließen Yang vom ersten auf den vierten Platz abrutschen.

Auserzählt scheint seine politische Karriere mit der Pleite in New York aber noch lange nicht. Seine Rolle als widerspenstiger Charakter im Feld des politischen Mainstreams wurde immer deutlicher. So deutlich, dass er 2021 die demokratische Partei verließ. Zusammen mit zwei Organisationen – dem „Serve America Movement“ und dem „Renew America Movement“ – besteht „Forward“ aus einem Zusammenschluss republikanischer und demokratischer Politiker aus verschiedenen Spektren ihrer Parteien.

Man könnte auch von einer „wilden Mischung“ sprechen: Hinter Yang an der Spitze versammeln sich ehemalige Staatsdiener des Ex-Präsidenten Donald Trump und auch unabhängige Kandidaten, die die republikanische Grand Old Party verlassen haben. Ihr Ziel sei es, eine „faire und florierende Wirtschaft wiederzubeleben“ und den Amerikanern „mehr Optionen in Wahlen zu geben, mehr Vertrauen in eine Regierung, die funktioniert“.

Mehrheit wünscht sich eine dritte Partei

Damit könnte Forward tatsächlich den Zeitgeist treffen: Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Gallup sehen einen zunehmenden Wunsch nach einer dritten Partei in den Vereinigten Staaten. Zum Zeitpunkt der letzten Umfrage im September 2021 gaben nur 35 Prozent der Befragten an, dass die Regierung einen adäquaten Job mache. 60 Prozent sagten, dass eine dritte Partei notwendig sei. Das ist ein starker Anstieg gegenüber dem Jahr 2004, in dem sich nur 40 Prozent der Befragten eine dritte Partei wünschten.

Der Wunsch nach einer dritten Partei bedeute aber nicht automatisch, dass die Wähler auch für diese Partei stimmen würden, gibt Lydia Saad, Gallup Director of U.S. Social Research, zu bedenken. In der Vergangenheit konnten sich unabhängige Kandidaten nur in Ausnahmen durchsetzen. Unmöglich sei der Erfolg einer dritten Partei aber nicht, so Saad. Vier Schlüsselfaktoren seien ausschlaggebend für eine erfolgreiche Kampagne: eine charismatische Persönlichkeit an der Spitze, eine starke Botschaft, finanzielle Ressourcen und ein guter Draht zu den Medien.

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Nach diesen Kriterien sind Andrew Yang und Forward zumindest nicht chancenlos. Wenn auch mit mäßigem Erfolg, war Yang bereits 2019 eine schillernde Persönlichkeit, die sich klar vom politischen Mainstream abhob und damit viele unzufriedene Wähler der etablierten Parteien abholte.

In einem Gastbeitrag für die „Washington Post“ erklären die Forward-Gründer ihre Botschaft und Inhalte näher. Die Menschen würden sich nicht gehört fühlen, eine scheiternde Demokratie und Unruhen seien das Resultat, schreiben Yang und Co-Gründerin Christine Todd Whitman. Mit Gesetzesinitiativen, die einen Kompromiss zwischen dem rechten und linken Lager abbilden wollen, hofft Forward, das ausgehöhlte politische Zentrum wieder zu beleben. Die Autoren nennen dabei Beispiele für einen legislativen Mittelweg, wenn es um Waffengesetze, Abtreibungen oder den Klimawandel geht.

Auch erklären die beiden Autoren, sich in den kommenden Wochen aktiv um die Unterstützung prominenter Gouverneure, Repräsentanten und Unternehmensgründer bemühen zu wollen. Diese bringen sicherlich Einfluss und Erfahrung mit den Medien mit – und freilich auch ihr Geld. So sei Forward Yang zufolge bereits jetzt die drittgrößte Partei in den USA – gemessen an ihren Ressourcen.

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