Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

28.02.2020

09:12

US-Unternehmen

Die Angst vor dem Coronavirus ergreift die USA

Von: Katharina Kort, Astrid Dörner, Alexander Demling

Während US-Präsident Donald Trump von einem niedrigen Risiko spricht, ergreifen US-Unternehmen selbst Maßnahmen, um ihre Mitarbeiter zu schützen.

USA

Trump sieht keinen Grund zur Panik vor dem Coronavirus

USA: Trump sieht keinen Grund zur Panik vor dem Coronavirus

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

New York An der Rezeption der Investmentbank Goldman Sachs weist ein Schild die Besucher bei der Ausweiskontrolle diskret auf das Coronavirus hin: „Important Notice for All Visitors“ – Wichtige Nachricht an alle Besucher - „Die Gesundheit und Sicherheit unserer Menschen, Kunden und Besuchern ist uns extrem wichtig“, heißt es als Einleitung.

Deshalb sollen Besucher, die vor Kurzem in Gegenden mit Coronavirus waren oder engen Kontakt mit Menschen hatten, die von dort zurückgekehrt sind,  ihre Termine oder Treffen verschieben. Das Gleiche gelte für alle Besucher, die sich nicht wohlfühlten. „Wir danken Ihnen für Ihre Kooperation.“

Die Sorge wegen des Coronavirus hat nun auch die USA erfasst. Spätestens seitdem die Direktorin des Center for Disease Control (CDC), Nancy Messonnier, am Dienstag gewarnt hatte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich das Virus auch in den USA ausbreiten werde, sind viele Amerikaner besorgt.

US-Präsident Donald Trump sprach am Mittwoch zwar von einem „niedrigen Risiko“ und ernannte mit seinem Vizepräsidenten Mike Pence einen Nicht-Mediziner zum obersten Bekämpfer des Coronavirus. Aber das hat die Gemüter nicht beruhigt. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Erkrankt sind bisher offiziell nur 14 Menschen und die 45 Personen, die von einem Kreuzfahrtschiff und aus Wuhan in die USA zurückkehren durften. Aber es wurde bisher auch kaum getestet. Laut CDC sind bisher in den gesamten USA weniger als 500 Menschen getestet worden. 

    Der jüngste Fall einer am Coronavirus erkrankten Frau in Kalifornien wurde laut Angaben des Krankenhauses erst spät entdeckt, weil die öffentlichen Behörden keinen Test erlaubt hatten. Der Grund: Bisher durften in den USA nur Menschen getestet werden, die nach China gereist waren oder mit Infizierten zu tun hatten.

    Facebook sagt Entwickler-Konferenz ab

    Die Unternehmen vertrauen den Beschwichtigungen der Regierung nicht und ergreifen lieber selbst Vorkehrungen. Die gehen auch weit über China-Reisende hinaus. Eine Großkanzlei in New York etwa hat ihre Mitarbeiter angewiesen, sich in 14-tägige Quarantäne zu begeben, wenn sie mit Menschen in Kontakt gekommen sind, die in China, Südkorea oder auch Italien waren.

    Auch das Silicon Valley, wo Netzwerken eigentlich zur Tagesroutine gehört, bereitet sich schon auf eine lange Corona-Epidemie vor. Facebook sagt den „Vor-Ort-Teil“ seiner Entwickler-Konferenz F8 in San Jose ab, die Anfang Mai stattfinden sollte. „Wir müssen die Gesundheit unserer Entwickler-Partner, Mitarbeiter und jedem, der bei der Organisation von F8 hilft, priorisieren“, schrieb Facebooks Direktor für Plattform-Partnerschaften, Konstantinos Papamiltiadis, auf dem Firmenblog.

    Zuvor hatte Facebook bereits seine globale Marketingmesse Anfang März in San Francisco abgesagt. Von anderen Konferenzen in San Francisco wie der RSA-Cybersicherheitskonferenz und der für die Spieleindustrie wichtige Game Developers Conference (GDC) ziehen sich zumindest einzelne große Partner zurück: IBM im Fall der RSA, Microsoft und Spiel-Engine-Entwickler Unity im Fall der GDC.

    Dass die Absagen nun aber bereits in den Mai hineinreichen, droht den Kalender der weltgrößten Tech-Firmen endgültig durcheinanderzuwerfen. In dem Monat ballen sich ihre Konferenzen: Eine Woche nach der nun abgesagten F8 hält Google seine Entwicklerkonferenz I/O in Mountain View ab, zeitgleich lädt SAP zu seiner Konferenz Sapphire Now in Orlando.

    Eine weitere Woche später, am 20. Mai, soll Microsofts Messe Build beginnen, am 3. Juni Apples Entwicklerkonferenz WWDC. Bisher ist keines der Events abgesagt. Doch das kann sich das schnell ändern, wie die vergangenen Tage gezeigt haben.

    Auch die Wagniskapital-Gesellschaften ziehen bereits Konsequenzen: Sequoia Capital hat sein jährliches Treffen laut Medienberichten nach Kalifornien verlegt – eigentlich sollte es in Indien stattfinden. Der Konkurrent Andreessen Horowitz, der ebenfalls im Silicon Valley beheimatet ist, ruft die Mitarbeiter dazu auf, wegen des Virus aufs Händeschütteln zu verzichten.

    Wall-Street-Handel besonders heikel

    An der Wall Street spielen die Banken bereits seit Tagen Notfallpläne durch. Besonders wichtig ist, dass der Wertpapierhandel auch bei einer möglichen Pandemie weitergeführt werden kann. Der Bereich ist für die Wall Street besonders kritisch und kann nicht von zu Hause ausgeführt werden. Typischerweise sitzen die Mitarbeiter in den Handelsräumen Schreibtisch an Schreibtisch.

    Derzeit wird überlegt, ob und wie weit der Abstand zwischen den Schreibtischen vergrößert werden sollte und welche Teams räumlich getrennt werden sollten. Auch könnten Teile des Wertpapierhandels zur Not in ein anderes Land verlagert werden, heißt es bei einem großen Wall-Street-Haus.

    Mehr zum Thema:

    Regulierer haben gewarnt, dass die Institute bei einer ernsten Pandemie auf bis zu 40 Prozent ihrer Mitarbeiter verzichten müssten. JP Morgan Chase, Amerikas größte Bank, hat Mitarbeiter, die in China und Norditalien waren, angewiesen, von zu Hause zu arbeiten. Alle anderen Mitarbeiter können auf Wunsch von zu Hause arbeiten, sind aber nicht dazu angewiesen, heißt es in Bankkreisen.

    Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat sich die Wall Street auf eine ganze Reihe von Notfällen vorbereitet. Alle großen Banken haben Handelsräume außerhalb von Manhattan, die im Notfall genutzt werden können und regelmäßig getestet werden.

    Aber nicht nur Unternehmen und Banken bereiten sich auf ein Ausbreiten des Virus vor. Auch an den Universitäten werden die Reisen derzeit eingeschränkt. Bei der Columbia University werden Forschungsreisen nach China gestrichen, Flüge zu Konferenzen in Südkorea brauchen eine Sondergenehmigung, und auch die Schweiz und Norditalien stehen derzeit als Reiseziele auf dem Prüfstand.

    Der Gewinner heißt Zoom

    Zu den Gewinnern zählt unter anderem der Skype-Konkurrent Zoom. Das Unternehmen aus dem kalifornischen San José war im April an die Börse gegangen und hat sich auf Video- und Telefonkonferenzen spezialisiert. Das Start-up war bereits als eines der wenigen sogenannten Einhörner – Firmen, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet sind – profitabel und ist nun stark gefragt.

    „In den vergangenen 30 Tagen lagen die durchschnittlichen Downloads pro Tag 90 Prozent höher als in den 30 Tagen davor“, schreibt Bernstein-Analyst Zane Chrane in einer aktuellen Studie. In diesem Jahr habe das Unternehmen bereits mehr neue Nutzer gewonnen als im gesamten Jahr 2019. Die Aktie lag am Donnerstag rund sechs Prozent im Plus und hat in diesem Jahr knapp 70 Prozent zugelegt.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×