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18.06.2019

23:16

US-Verteidigungsminister

Der neue Pentagon-Chef übernimmt eine chronisch führungslose Behörde

Von: Annett Meiritz

Mitten im Iran-Konflikt tritt Pentagon-Chef Shanahan zurück. Der Nachfolger tritt ein schweres Erbe an – ohne zu wissen, ob er dauerhaft im Amt bleiben darf.

Der bisherige Leiter des Heeresamtes im Pentagon ist der neue designierte Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten. AFP

Mark Esper

Der bisherige Leiter des Heeresamtes im Pentagon ist der neue designierte Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten.

WashingtonErst in dieser Woche hatte die US-Regierung bekannt geben, tausend weitere Soldaten in die Golfregion entsenden zu wollen – als Abschreckung im Machtkampf mit dem Iran. Jetzt verliert US-Präsident Donald Trump in dieser angespannten Lage seinen bisherigen Favoriten auf das Amt des Verteidigungsministers. Der 58-jährige Patrick Shanahan, der vor seiner Zeit in der Regierung mehrere Führungspositionen bei Boeing innehatte, gab am Dienstag seinen Rückzug bekannt.

Shanahan hatte seit Anfang des Jahres als designierter Verteidigungsminister agiert, eine offizielle Bestätigung im US-Senat stand noch aus – jetzt wird es dazu nicht mehr kommen. Nachfolgen soll der bisherige Leiter des Heeresamts im Pentagon, Mark Esper. Noch hat Trump nicht durchblicken lassen, ob auch Esper eine Übergangslösung sein wird, oder ob er ihn dauerhaft als Verteidigungsminister einsetzen möchte.

Um Espers neue Rolle zu verstehen, kann man die Umstände von Shanahans Rückzug nicht ignorieren. Der Ruf des Pentagon, des größten und teuersten Ministeriums der USA, gilt als extrem angeschlagen – spätestens seit der damalige Verteidigungsminister James Mattis im Dezember nach politischen Differenzen mit Trump zurücktrat. Stellvertreter Shanahan sprang ein, doch seine offizielle Nominierung zog sich über Monate – was Vertrauen in die Behörde und ihr Personal nicht gerade gestärkt haben dürfte.

Als sich Präsident Trump schließlich durchrang, Shanahan zu nominieren, kursierten längst Gerüchte über Vorwürfe mutmaßlicher häuslicher Gewalt in dessen Familie. Ein Vorfall, bei dem es zu einer Schlägerei mit seiner damaligen Ehefrau gekommen sein soll, liegt fast zehn Jahre zurück. Laut der „Washington Post” soll auch der gemeinsame Sohn an einem gewaltsamen Übergriff beteiligt gewesen sein.

Ob die Vorwürfe, die nach einer Untersuchung im Jahr 2010 kein juristisches Nachspiel hatten, ausschlaggebend für Shanahans Rückzug waren, ist unklar. Aber der Wirbel um seine Person wirft erneut ein Schlaglicht auf das Personalchaos der Trump-Regierung und den hohen Verschleiß von Spitzenbeamten in Washington.

Espers Biografie dürfte Trump imponieren

In dieser schwierigen Gemengelage muss der neue designierte Verteidigungsminister Esper nicht nur nach innen, sondern auch nach außen vermitteln. Generäle wie Mattis, die Trump in der Syrien-Politik oder im Umgang mit der Nato widersprachen, schätzte Trump nicht. Shanahan, der die Ziele des Präsidenten unterstützte – etwa die Umschichtung von Sondermitteln aus dem Verteidigungshaushalt für eine Flüchtlingsmauer – stießen schon eher auf Wohlwollen.

Ob Esper ein eigenes Profil entwickeln kann oder zunächst als Verwalter der Umstände agiert, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Seine Biografie dürfte Trump zumindest imponieren.

Esper ist Absolvent der renommierten West Point Akademie und diente als Infanterie-Offizier, unter anderem im Golfkrieg 1991. Er hält einen Abschluss von der John F. Kennedy School of Government in Harvard sowie einen Doktortitel der Philosophie, und er arbeitete in den Neunziger Jahren in leitender Position für die konservative Denkfabrik Heritage Foundation, die unter Trump aufblüht und an Einfluss gewinnt.

Als Top-Lobbyist für das Verteidigungsunternehmen Raytheon pflegte er in Washington seine exzellenten Kontakte, die er zuvor in verschiedenen Positionen im Kongress und in der Regierung knüpfte: unter anderem war Esper politischer Direktor des Wehrausschusses im Senat, und er war in der Regierung von George W. Bush für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheitsfragen verantwortlich. Seine Ernennung soll nun dazu beitragen, das außenpolitische Profil der Trump-Regierung zu stabilisieren, denn auch der Posten des UN-Botschafters ist vakant. Das allerdings würde voraussetzen, dass Esper länger auf seinem Posten bleibt als seine Vorgänger.

Mehr: Im Konflikt um die angegriffenen Tanker im Golf von Oman macht auch Saudi-Arabien dem Iran schwere Vorwürfe.

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