Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

10.06.2022

13:56

USA

„Das ist Krieg, Baby!“ – FBI verhaftet Gouverneurs-Kandidaten wegen Sturm aufs Kapitol

Von: Katharina Kort

Der Republikaner Ryan Kelley soll aktiv an der Attacke teilgenommen haben. Und das ist nicht die schockierendste Erkenntnis des Untersuchungsausschusses.

US-Gouverneurskandidat Ryan Kelley dpa

Ryan Kelley

Der US-Gouverneurskandidat wurde wegen seiner Beteiligung an der Kapitol-Attacke festgenommen.

New York Als ein wild gewordener Mob am 6. Januar 2021 die Stufen des Kapitols eroberte, stachelte Ryan Kelley die Menschenmenge noch an: „Kommt schon, lasst uns gehen! Das ist es! Das ist – das ist Krieg, Baby!“ Zeugen berichten, sie hätten den Republikaner später im Parlamentsgebäude im schwarzen Mantel gesehen, mit Pilotenbrille und einer schwarzen Kappe, die ein rechteckiges US-Flaggenemblem zierte.

Derzeit kandidiert Kelley für das Amt des Gouverneurs im US-Bundesstaat Michigan und will im Herbst als einer von fünf Kandidaten gegen die demokratische Gouverneurin Gretchen Whitmer antreten.

Doch nun hat das FBI Kelley in seinem Haus in Allendale festgenommen und das Gebäude durchsucht. Kelley werden im Zusammenhang mit dem 6. Januar mehrere Ordnungswidrigkeiten vorgeworfen, darunter Gewaltanwendung gegen Personen oder Sachen und Beschädigung von Bundeseigentum. Am 16. Juni ist Medienberichten zufolge eine virtuelle Anhörung geplant. Kelley ist auf Kaution wieder freigekommen.

Aktuell stellt der Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses zur Attacke auf das US-Kapitol seine Ergebnisse öffentlich vor. Das Gremium hatte am Donnerstagabend die Hauptsendezeit in den USA gewählt, um die ganze Nation teilnehmen zu lassen. Der Ausschuss arbeitet seit Monaten daran, die Ereignisse aufzuarbeiten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Fernsehübertragung war nur der Beginn einer mehrere Wochen andauernden Vorstellung der Ergebnisse: ein Mix aus Videos, Einschätzungen von Abgeordneten, Aussagen von Hauptzeugen wie der Tochter des ehemaligen Präsidenten, Ivanka Trump.

    „Es war ein Kriegsgebiet. (...) Da lagen Polizisten auf dem Boden. Sie bluteten, sie übergaben sich. (...) Ich rutschte im Blut der Leute aus. Es war ein Gemetzel. Es war Chaos.“ Kapitol-Polizistin Caroline Edwards

    Auch die Kapitol-Polizistin Caroline Edwards kommt zu Wort. „Es war ein Kriegsgebiet“, beschreibt sie den Tag. „Da lagen Polizisten auf dem Boden. Sie bluteten, sie übergaben sich.“ Um sie herum taumelten Menschen, fielen zu Boden. „Ich rutschte im Blut der Leute aus. Es war ein Gemetzel. Es war Chaos.“

    Trump unterstützte den Mob

    Die stellvertretende Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Republikanerin Liz Cheney, berichtete ebenfalls Schockierendes: Als die Demonstranten „Hängt Pence!“ riefen, soll der damalige Präsident Donald Trump über seinen Vizepräsidenten gesagt haben, er habe das „verdient“.

    Cheney zeigt auch, wie Trump wütend Berater anbrüllt, die ihn drängen, mehr gegen die Demonstranten zu tun. Die Politikerin gehört zu den wenigen Vertreterinnen und Vertretern der Republikanischen Partei, die die Attacken auf das Kapitol bis heute klar verurteilen.

    Ryan Kelley unter den Demonstranten beim Sturm auf das Kapitol Reuters

    Kelley unter den Demonstranten am 6. Januar 2021

    Nur wenige Republikaner haben sich bislang stark gegen die Erstürmung positioniert.

    Anhänger Trumps hatten damals den Parlamentssitz in Washington erstürmt. Sie wollten verhindern, dass der Wahlsieg des Demokraten Joe Biden vom November 2020 bestätigt wird. Bei der Attacke kamen mehrere Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

    Cheney fand dafür am Donnerstagabend klare Worte: „Jene, die in unser Kapitol eingedrungen sind und Stunden lang gegen die Polizei gekämpft haben, waren motiviert von dem, was Trump ihnen gesagt hat: Dass die Wahl geklaut war und dass er der wahre Präsident war.“ Trump habe sich „stundenlang geweigert zu tun, was seine Mitarbeiter, seine Familie und viele andere Berater ihn angefleht haben zu tun: seinen Anhängern sofort zu befehlen, aufzuhören und das Kapitol zu evakuieren“.   

    Trump selbst hat jede Verantwortung von sich gewiesen. Auf seinem eigenen sozialen Medium „Truth“ beleidigte er den Ausschuss als „nicht gewähltes Komitee politischer Gauner“. Trump spricht im Zusammenhang mit dem 6. Januar von der „größten Bewegung in der Geschichte des Landes“.

    Für seine Anhänger ist die Tatsache, dass der Ausschuss so viele Monate gearbeitet hat und Trump immer noch ein freier Mann ist, ein Beweis dafür, dass seine Gegner nichts gegen ihn in der Hand haben. Tatsächlich ist es aber nicht der Ausschuss, der eine mögliche Anklage gegen den Ex-Präsidenten erheben kann. Er kann lediglich die Beweise liefern, auf denen andere ihre Anklage aufbauen können

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×