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27.04.2017

13:48 Uhr

USA-Deutschland-Beziehungen

US-Unternehmen zeigen sich besorgt

Die Umfrage der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland zeigt, dass viele US-Unternehmen eine Verschlechterung der Wirtschaftsbeziehungen befürchten. Die Amtsübernahme Donald Trumps habe für Missstimmung gesorgt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht während der Jahrestagung der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland im Jahr 2014. dpa

Amerikanischer Handelskammer (AmCham)

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht während der Jahrestagung der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland im Jahr 2014.

BerlinGut zwei Fünftel der in Deutschland tätigen US-Unternehmen erwarten unter Präsident Donald Trump negative Folgen für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern. 42 Prozent stellen sich auf eine Verschlechterung ein, wie eine am Donnerstag von der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham) veröffentlichte Umfrage ergab. 58 Prozent der Betriebe gehen dagegen von keiner Veränderung aus. „Wir wissen, dass so gut wie kein Unternehmen seine strategische Planung aufgrund der neuen US-Regierung gravierend verändert hat“, sagte AmCham-Präsident Bernhard Mattes.

Nach der Amtsübernahme durch Trump hat es mehrfach Missstimmung zwischen beiden Ländern gegeben. Der US-Präsident kritisierte beispielsweise die enormen deutschen Exportüberschüsse und drohte mit Importsteuern. Fast ein Viertel der Betriebe befürchtet negative Folgen für das eigene Deutschland-Geschäft. Nur drei Prozent rechnen mit positiven Auswirkungen - der Rest ist neutral eingestellt oder hat sich noch kein Urteil gebildet.

Trumps Wirtschaftspläne

Die großen Wirtschaftsthemen der 100 Tage

Auseinandersetzungen in Handelsfragen, geplante Steuerreform, neuer Kurs in der Energiepolitik - das sind einige der großen Wirtschaftsthemen in den ersten 100 Tagen des neuen US-Präsidenten.

Quelle: dpa

„America First“

Steuern runter, Millionen neue Jobs, weniger Umwelt-Regulierungen: US-Präsident Donald Trump hat viel versprochen. Der „Dealmaker“ hat in seinen ersten 100 Tagen im Amt wirtschaftspolitisch manches versucht - ist aber auch gegen viele Wände gelaufen. Die größte Befürchtung: Trump schottet sein Land mit einer „America-First“-Politik wirtschaftlich ab, mit Strafzöllen für ausländische Produkte wie Autos und großen Schäden für die Weltwirtschaft.

Handel

Trotz aller Besänftigungsversuche aus aller Welt: Trump bleibt bei seinem Kurs der Abschottungspolitik. Die USA würden sich gegen unfaire Handelspraktiken mehr denn je verteidigen, sagte Finanzminister Steven Mnuchin erst kürzlich beim Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds. Mit anderen Worten: Die USA wollen die Regeln bestimmen. Mit seinen beiden Nachbarn, Kanada und Mexiko, befinden sich die USA im offenen Schlagabtausch, das Wort „Handelskrieg“ macht die Runde. In Bezug auf China hat sich der Ton dagegen etwas gemildert - Peking wird für die Beilegung des Konflikts in Nordkorea gebraucht.

Währung

Trump hat Angst um die Stärke des US-Dollars. Wertet der Dollar weiter gegen wichtige Währungen auf, etwa den Euro, oder den Yuan, könnte dies US-Exporte weiter verteuern. Er appelliert deshalb an die US-Notenbank Federal Reserve, bei Zinserhöhungen vorsichtig zu sein, weil dies den Dollarkurs weiter treiben würde. Mit ihrer Kritik an China und Deutschland, die beiden Exportnationen würden ihre Währungsvorteile ausbeuten, hat sich die US-Regierung in jüngster Zeit etwas zurückgehalten.

Gesundheit

Das Gesundheitssystem umfasst ein Sechstel des US-Bruttoinlandsproduktes - ein riesiges Feld. Trump kommt kaum voran. Sein Vorgänger Barack Obama hat mit der sogenannten Obamacare ein System geschaffen, dass zwar längst nicht optimal ist - das Erreichte zu zerschlagen, würde aber nicht nur Versorgungsengpässe schaffen, sondern auch Arbeitsplätze vernichten. Trump sitzt zwischen zwei Stühlen - die erzkonservativen Republikaner des Freedom Caucus auf der einen Seite, die Demokraten auf der anderen. Sein Vorschlag für einen Obamacare-Ersatz wird immer mehr verwässert. Nun hat Trump mit seinem Vorstoß gegen Obamacare zumindest im Repräsentantenhaus Erfolg gehabt.

Energie und Klima

Ende März verkündete Trump eine radikale Abkehr von der Klimapolitik seines Vorgängers Barack Obama. Er will zentrale Bestimmungen zum Klimaschutz abbauen, aufweichen oder abschaffen, dies betrifft zum Beispiel den Ausstoß von CO2. Vor allem in der gebeutelten US-Kohleindustrie kam das gut an. US-Experten sind aber skeptisch, ob angesichts des rasanten Wandels im Energiemarkt wirklich viele neue Kohle-Jobs geschaffen werden können, wie von Trump versprochen. International ist Trump für sein Festhalten an fossilen Energieträgern aber massiv kritisiert worden. Ein Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ist aber noch nicht entschieden. Zuletzt mehrten sich die Stimmen dagegen - innerhalb der US-Regierung, aber auch bei großen US-Konzernen.

Steuern

Trump will vor allem Unternehmen sowie Arbeitnehmer mit niedrigen und mittleren Einkommen entlasten und das Steuersystem vereinfachen. Bei der Besteuerung von Einnahmen, die US-Unternehmen im Ausland erzielen, soll es einen Kurswechsel geben. Eckpunkte der geplanten Reform wurden am Mittwoch vorgestellt. Ziel: die Wirtschaft ankurbeln und neue Jobs schaffen. Die Umsetzung der Reform aber dürfte Monate in Anspruch nehmen, und sie muss durch den Kongress. Weitgehend unklar ist die Gegenfinanzierung der Reform. Die geplanten Steuerentlastungen würden den ohnehin strapazierten US-Haushalt enorm belasten - das Institut „Tax Policy Center“ prognostiziert Mindereinnahmen von vier Billionen Dollar über 20 Jahre.

Eine umstrittene sogenannte Grenzausgleichssteuer zur Gegenfinanzierung der Steuerentlastungen ist in den Vorschlägen bisher nicht enthalten. Mit einer solchen Steuer würden US-Exporteure entlastet und Importe belastet - diese könnte insbesondere Deutschland hart treffen.

Infrastruktur

Trump hat massive Investitionen versprochen - die gewaltige Summe von einer Billion Dollar soll für Straßen, Brücken, Tunnel und Flughäfen ausgegeben werden. Die Infrastruktur in den USA ist in großen Teilen marode. Bisher aber ist es bei bloßen Ankündigungen geblieben.

Der Standort Deutschland wird dagegen von den Firmen gut bewertet. 55 Prozent der hier tätigen US-Unternehmen wollen ihre Aktivitäten in Europas größter Volkswirtschaft in den kommenden drei bis vier Jahren ausbauen. Vor einem Jahr sagten dies nur 46 Prozent. „Die Ergebnisse zeigen großes Vertrauen der Investoren, dass der Standort attraktiv ist und bleibt: 85 Prozent der Unternehmen erwarten 2017 weiter steigende Umsätze“, sagte Mattes. Dies sei ein Zehn-Jahres-Hoch. Die Hälfte der Firmen plane höhere Investitionen als 2016, ein Drittel möchte die Zahl der Beschäftigten erhöhen.

Drei Viertel geben dem Standort Deutschland gute oder sehr gute Noten. Die Qualität der Mitarbeiter, die Zuliefernetzwerke sowie das Forschungs- und Entwicklungspotenzial werden besonders hervorgehoben. Jedes vierte Unternehmen befürchtet aber auch, dass sich die Standortbedingungen in den nächsten drei bis vier Jahren verschlechtern könnten. Vor allem bei den Energie- und Arbeitskosten sowie der Unternehmensbesteuerung sehen sie Handlungsbedarf. An der Umfrage beteiligten sich im Februar Firmen mit einem Gesamtjahresumsatz von 85 Milliarden Euro und 150.000 Mitarbeitern in Deutschland.

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