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USA

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Die Konsumausgaben der Amerikaner sind überraschend stabil

Noch ist auch unklar, ob wirklich eine Rezession droht. Die Konjunkturdaten waren zuletzt gemischt. Vor allem die Umkehrung der Zinskurve hat die Investoren und Ökonomen verunsichert: In den USA haben zum ersten Mal seit langer Zeit zweijährige Staatsanleihen eine höhere Rendite abgeworfen als zehnjährige.

Dies war in der Vergangenheit ein guter Indikator für eine bevorstehende Rezession. Ob das auch dieses Mal gilt, ist aber umstritten, weil die langfristigen Zinsen auch durch die Anleihekäufe der Notenbanken stark gedrückt wurden. Es gab aber auch überraschend positive Daten. Dazu gehörten die starken US-Konsumausgaben. Die US-Verbraucher haben auch im Juli wieder fleißig geshoppt und Geld ausgegeben.

Auch die Inflation ist höher als erwartet ausgefallen, was nicht gerade für eine Rezession spricht. „Die Binnenwirtschaft läuft gut. Probleme gibt es im verarbeitenden Gewerbe und im Exportsektor“, beobachtet der Commerzbank-Ökonom Weidensteiner. Diese seien für die US-Wirtschaft aber nicht so wichtig wie zum Beispiel für die deutsche Wirtschaft.

Trump will von seiner eigenen Verantwortung für den jüngsten Konjunkturabschwung nichts wissen. Lieber zeigt er wieder einmal mit dem Finger auf die Zentralbank Federal Reserve und fordert weitere, schnellere Zinssenkungen.

„Wenn die Fed ihre Arbeit machte, dann hätten wir einen Wachstumsschub, wie Sie es noch nie gesehen haben“, sagte Trump und forderte erneut, die Zinsen „um mindestens einen Prozentpunkt“ zu senken. So stark hat die Fed die Zinsen seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr gesenkt. Außerdem brachte Trump neue Anleihekäufe ins Spiel.

Die neuen Attacken auf den Fed-Chef Jerome Powell sind zeitlich genau kalkuliert. Sie kommen, kurz bevor sich die Spitze der US-Notenbank und andere führende Geldpolitiker ab Donnerstag im amerikanischen Jackson Hole am Fuße der Rocky Mountains treffen.

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Powell, der am Freitag auf der Konferenz sprechen wird, ist in einer schwierigen Lage. Denn nicht nur der ungeduldige amerikanische Präsident, auch viele Marktteilnehmer erwarten weitere Zinssenkungen.

Bereits auf ihrer Sitzung im Juli hat die Fed erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen gesenkt. Damals hatte Powell jedoch die Erwartungen auf weitere Schritte gedämpft. Er sagte, dass keine Ära weiterer Zinssenkungen zu erwarten sei – was für Unruhe an den Märkten sorgte. Seither jedoch hat auch in den USA die Angst vor einer Rezession zugenommen. Viele Investoren erwarten daher, dass die Notenbank nun doch weitere Zinssenkungen in Aussicht stellt.

„Powell wird wahrscheinlich ein Signal für weitere Zinssenkungen geben“, sagt Weidensteiner von der Commerzbank. Ähnlich äußert sich auch Torsten Slok von der Deutschen Bank in New York. Powell und der geldpolitische Ausschuss der Fed würden eine Zinssenkung anstreben, „um einen stärkeren Abschwung der US-Wirtschaft als Folge des Handelskriegs zu verhindern“, sagt er.

Allerdings dürfte ein solcher Schritt für Diskussionen sorgen. Aus Sicht von Kritikern würde Powell wie ein Getriebener von Trump und den Märkten wirken.

Mehr: Nicht nur Trump fordert ständig Zinssenkungen von der US-Notenbank, auch viele Investoren drängen darauf. Auf der Geldpolitik-Konferenz in Jackson Hole muss sich der Fed-Chef positionieren.

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Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

22.08.2019, 15:17 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

ist Ihnen eigentlich entgangen, dass es unter "Wirtschaftsexperten" und "Medienvertretern" eine sehr starke Fraktion gibt, die gerne eine Sensation melden möchte? Die deshalb das Herannahen einer Rezession und eines Einbruchs der Börsen schon seit langem Tag für Tag verkünden? Die uns bis zum Erbrechen immer wieder die vielen angeblich untrüglichen Anzeichen für ein unenrtrinnbares Unheils erzählen? Und als Belege beispielsweise die vielen Gewinnwarnungen und die inverse Zinsstruktur anführen?

Einen ersten Schiffbruch erlebte die Fraktion der Unheilverkünder ("Unken") durch die Kehrtwendung der Zentralbanken, die sich nun für einen konjunkturstützenden Kurs der Geldpolitik entschieden haben. Zweitens präsentiert nunmehr auch der amerikanische Präsident seine Waffen im Kampf gegen eine eventuelle Abschwächung der Konkonktur.

Dass er den Handelskonflikt mit China jederzeit beenden kann, haben wir schon seit langem gewußt. Völlig neu ist hingegen, dass er auch Steuererwägungen in Erwägung zieht und dass er dieses scharfe Schwert ohne Zustimmung des Kongrsses jederzeit einsetzen kann.

Aber wie ist das eigentlich, wer regiert die USA? Wer bestimmt bei dieser Lokomotive der Weltwirtschaft den Kurs? Die Befürchtungen der Rentenanleger, die in einer inversen Zinsstruktur zum Ausdruck kommen? Oder vielleicht doch der anerikanische Präsident, der allein über die Instrumente der Konjunktursteuerung verfügt?

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