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25.04.2017

19:22 Uhr

Venezuela

Erneut fallen Todesschüsse im Machtkampf

In Venezuela bekommt die Losung „Socialismo o Muerte“ eine traurige Aktualität, die Fronten sind verhärtet. Erneut kam es in zwei venezolanischen Städten zu tödlichen Schüssen im Zusammenhang mit dem Machtkampf im Lande.

Seit rund drei Wochen gehen Maduro-Gegner in Caracas auf die Straße. Auch am Montag kam es in der venezolanischen Hauptstadt zu Protesten. AFP

Protest in Caracas

Seit rund drei Wochen gehen Maduro-Gegner in Caracas auf die Straße. Auch am Montag kam es in der venezolanischen Hauptstadt zu Protesten.

CaracasBei neuen Massenprotesten im krisengeschüttelten Venezuela sind vier weitere Menschen getötet worden. Damit sind dem blutigen Machtkampf seit Anfang April schon 26 Menschen zum Opfer gefallen. Nach Angaben der Behörden vom Dienstag starben in der Stadt Mérida zwei Menschen, darunter ein Mitarbeiter der örtlichen Verwaltung, durch einen Schuss in den Hals, zwei weitere kamen in anderen Städten ums Leben, einem jungen Mann wurde bei nächtlichen Protesten in der Stadt Morán laut Bürgermeister ins Gesicht geschossen. Mehr als 430 Menschen wurden bisher laut Generalstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz verletzt.

Regierung und Opposition gaben sich gegenseitig die Schuld, Ortega Diáz sagte, jede Form politischer Gewalt werde scharf verurteilt. Sie kündigte eine eingehende Untersuchung aller Vorfälle an. Im Land mit den größten Ölreserven der Welt gehen seit Wochen Hunderttausende für Neuwahlen auf die Straße. Aber es gibt auch viele Demonstrationen für Präsident Nicolás Maduro von Anhängern der Sozialisten, die einen „rechten Putsch“ fürchten. Maduro nennt den gefallenen Ölpreis als Grund für die dramatische Krise. Seit Ausbruch der Proteste Anfang April, die sich an der zeitweisen Entmachtung des Parlaments durch den Obersten Gerichtshof entzündet hatten, starben 14 Menschen bei Demonstrationen, weitere zwölf bei Unruhen und Plünderungen.

Venezuela

Zwei weitere Tote bei Protesten in Venezuela

Venezuela: Zwei weitere Tote bei Protesten in Venezuela

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Der Volksbeauftragte der Regierung, Tarek William Saab, machte die Opposition für das Blutvergießen im westlich gelegenen Mérida verantwortlich, da es sich bei den Toten und mehreren Verletzten um Anhänger der Regierung gehandelt habe. Es gab widersprüchliche Angaben. Zeugen sprachen von Protesten gegen Maduro, bei denen Anhänger der Sozialisten aufgetaucht seien, bevor es aus Häusern zu Schüssen kam. Die Generalstaatsanwaltschaft kündigte eine Untersuchung an. Für die Toten in Barinas machte die Opposition Banden der Sozialisten, sogenannte Colectivos, verantwortlich.

In der Hauptstadt Caracas verlief eine Massenkundgebung am Montag dagegen friedlicher als bisherige Märsche, die oft in einem massiven Einsatz von Tränengas endeten. Die Opposition, die die Mehrheit im Parlament hat, fordert freie Wahlen, die Freilassung von politischen Gefangenen, eine Achtung des von ihr dominierten Parlaments und eine bessere Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Medizin.

Venezuela: Der Machtkampf von Caracas

Venezuela

Der Machtkampf von Caracas

Die Situation ist bizarr: Höchste Inflation der Welt, aber kein Papier für neue Scheine. Wasser teurer als Benzin, ein Präsident der Salsa tanzt und Waffen an seine Milizen verteilt. Venezuela hat den Sozialismus satt.

2014 war es zuletzt zu einer vergleichbaren Protestwelle gegen Maduro gekommen, damals starben 43 Menschen, aber über einen Zeitraum von fünf Monaten. Das Land leidet unter Hyperinflation und Devisenmangel - es steht am Rande der Pleite. Die Goldreserven wurden bereits mehr als halbiert, um an Devisen zur Bedienung der Auslandsschulden und Importe von Medikamenten und Nahrung zu kommen. Antibiotika, Diabetes- und Epilepsiemedikamente gibt es fast nirgendwo mehr. Angehörige müssen für Kinder in Krankenhäusern vielerorts Sauerstoff und Medizin auf dem Schwarzmarkt kaufen, die Kindersterblichkeit ist gestiegen.

Die Opposition wirft Maduro vor, eine Diktatur anzustreben. Das Parlament ist seit Monaten de facto machtlos, da Maduro mithilfe der Justiz und mit Notstandsdekreten an der Legislative vorbeiregiert. Maduro war 2013 zum Nachfolger des gestorbenen Hugo Chávez gewählt worden, er kommt anders als Chávez nicht aus dem Militär. Die Opposition fordert einen Bruch des Militärs mit Maduro, der aber dank der Sozialleistungen in Armenvierteln weiterhin viel Zuspruch hat.

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Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Hofmann Marc

25.04.2017, 09:14 Uhr

Herr Andreas Schindler21.04.2017, 15:36 Uhr
Herr Hofmann, haben Sie als AfD Propagandist eigentlich keine Freunde, keine Arbeit und keine Hobbys oder warum kommentieren Sie alles den lieben langen Tag? Mögen Sie sich selbst lesen? Hier gibt es keine Likes...😜

@Schindler
Ich freue mich jeden Morgen wenn ich wieder kommentieren darf, die Wochenenden sind schon schlimm genug, ohne Kommentarfunktion.
Ich mache hier gerne Propaganda für die AFD, wäre Propaganda für die Grünsozialistische Merkelregierung besser?Danke

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