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11.10.2018

16:46 Uhr

Verdacht

Saudi-Arabien geht beim vermeintlichen Journalisten-Mord in die PR-Offensive

VonPierre Heumann

Das Verschwinden des Journalisten könnte negative Konsequenzen für die saudische Wirtschaft haben. Die Regierung in Riad weist die Vorwürfe zurück.

Der Journalist ist am 2. Oktober verschwunden. AFP

„Wo ist Jamal Khashoggi?", steht auf den Plakaten von Demonstranten.

Der Journalist ist am 2. Oktober verschwunden.

RiadSaudi-Arabien weist Vorwürfe zurück, ein Killerkommando mit der Beseitigung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul beauftragt zu haben. Die Regierung in Riad spricht von einer schmutzigen Medienkampagne. Sie werde von drei Figuren mit dem schäbigen Ziel orchestriert, dem Ruf des Landes zu schaden.

Genannt wird in erster Linie Hatice Cengiz, die Verlobte Khashoggis, die Beziehungen zu Katar habe, heißt es auf dem TV-Sender Al Arabia, der dem Königshaus nahe steht. Cengiz wird als „selbsternannte“ Verlobte bezeichnet, weil die Eltern Khashoggis, so Al Arabia, von der Existenz der Verlobten angeblich nichts gewusst hätten.

Ihr werden Sympathien für die Feinde Saudi-Arabiens vorgeworfen. Als weiterer Drahtzieher der gegen Saudi-Arabien gerichteten Medienkampagne wird ein ehemaliger türkischer Journalist genannt, der die Medien „ständig mit Fake-News“ bediene. Ähnliches wird auch dem Al-Jazeera-Reporter Jamal Elshayyal vorgeworfen, der enge Beziehungen zu den Muslimbrüdern unterhalte und deshalb ein Interesse daran habe, Saudi-Arabien in der Welt schlecht zu machen.

Westliche Beobachter in Riad wollen allerdings nicht ausschließen, dass Khashoggi ermordet worden sei. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre das ein harter Schlag für die Umsetzung der Vision 2030, mit der sich Saudi-Arabien unter der Führung von Kronprinz Mohammed bin Salman aus der Ölabhängigkeit lösen will.

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„Das hätte negative Rückwirkungen,“ meint ein europäischer Investor in Riad, der eine Verunsicherung bei seinen Berufskollegen feststellt. Er befürchtet, dass sich das Geschäftsklima verschlechtern werde, weil die Unsicherheit zunehme.

Vielleicht werde man nie herausfinden, was auf dem saudi-arabischen Konsulat in Istanbul geschah, meint ein europäischer Beobachter. Die Saudis scheuen das Gespräch mit Journalisten aus Angst vor Konsequenzen.

Khashoggi, der den Kurs des Kronprinzen in saudischen Medien kritisiert hatte, hatte sich vor einem Jahr ins Exil in die USA abgesetzt, nachdem er vom königlichen Hof unmissverständlich aufgefordert worden war, zu schweigen. Da habe er Angst bekommen, meinte er neulich in einem Fernseh-Interview.

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg hat Kronprinz Mohammed bin Salman neulich Vorwürfe bestritten, wonach er Kritik an seiner Person nicht zulasse. In den letzten drei Jahren seien insgesamt 1500 Menschen verhaftet worden – Radikale und Terroristen. Dies sei nötig gewesen, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten.

Wer ihn kritisiere, bleibe indessen unbehelligt, sagte der Kronprinz im Interview. Im November 2017 hatte er in einer großen Verhaftungswelle rund 1000 Prinzen, Milliardäre und Funktionäre festnehmen lassen, denen er Korruption vorwarf.

Khashoggi ist seit dem 2. Oktober spurlos verschollen. Er hatte auf dem saudischen Konsulat in Istanbul Papiere abholen wollen, die er für die bevorstehende Hochzeit mit Cengiz benötigte.

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