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29.04.2019

00:05

Die USA und China geben mit Abstand am meisten Geld für die Rüstung aus – das deutsche Verteidigungsbudget nimmt sich dagegen klein aus. dpa

Schützenpanzer der Bundeswehr

Die USA und China geben mit Abstand am meisten Geld für die Rüstung aus – das deutsche Verteidigungsbudget nimmt sich dagegen klein aus.

Verteidigung

49,5 Milliarden Dollar – Deutschland gibt vergleichsweise wenig fürs Militär aus

Von: Donata Riedel

Die Ausgaben für Verteidigung sind 2018 laut Zahlen der Sipri-Friedensforscher weltweit gestiegen. Deutschland steht auf Platz acht der Liste der größten Wehretats.

Die Hälfte der weltweiten Verteidigungsausgaben entfällt auf die USA und China, und damit auf die beiden Staaten, die sich in den letzten Jahren immer mehr in einen Großmacht-Wettbewerb begeben haben.

Die USA bleiben nach den neuen Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri für das Jahr 2018 bei den Verteidigungsausgaben allerdings mit großem Abstand führend: Ihre Ausgaben von fast 650 Milliarden Dollar im Jahr 2018 lassen Chinas Ausgaben von 250 Milliarden Dollar fast klein aussehen. Das Weltmarkt-Anteils-Verhältnis der beiden Staaten beträgt 36 Prozent USA zu 14 Prozent China.

Deutschland mutet demgegenüber mit seinem Wehretat wie ein Zwerg an: Seine Ausgaben von 49,5 Milliarden Dollar entsprechen einem Anteil von 2,7 Prozent an den weltweiten Wehretats. Zwischen China und Deutschland sind, in dieser Reihenfolge, Saudi-Arabien mit 67,6 Milliarden Dollar, Indien, Frankreich, Russland und Großbritannien platziert.

Gemeinsam könnten die EU-Staaten allerdings auch militärisch stark sein: Sie kommen zusammen auf 20 Prozent der weltweiten Militärausgaben. Nach Untersuchungen der Münchner Sicherheitskonferenz geben sie dieses Geld allerdings wenig zielgerichtet für viel zu viele unterschiedliche Waffensysteme in kleinen Stückzahlen aus. Wenn die EU ihre Verteidigungsunion vorantreiben und gemeinsam Rüstungsgüter bestellen würde, würde  die EU als Mittelmacht zwischen USA und China zur ernst zu nehmenden Größe.

Die Sipri-Friedensforscher stellen ihre jährliche Liste aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammen. Für die meisten westlichen Staaten können die Zahlen als zuverlässig gelten, nicht aber für Autokratien, deren Berichtswesen nicht durch Transparenz gekennzeichnet ist. Die Angaben für China und Saudi-Arabien, warnen die Sipri-Forscher, beruhen daher auf Schätzungen.

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Nach der Sipri-Studie kommt jedenfalls kein Staat außer den USA und China auf einen zweistelligen Weltmarktanteil bei den Militärausgaben: Die dritt- und viertplatzierten Länder Saudi-Arabien und Indien erreichen jeweils nur 3,7 Prozent.

Aus ihren Zahlen ziehen die Forscher vor allem zwei wichtige Erkenntnisse: Erstens liegt Russland bei den Rüstungsausgaben 2018 nur noch auf Platz sechs. 2017 lag das Land noch auf Platz vier, seine Ausgaben schrumpften gegenüber 2017 um 3,5 Prozent – so die vorliegenden Daten vollständig sind. Zweitens hat China seine Militärausgaben kontinuierlich über die vergangenen 24 Jahre gesteigert. Sie sind nun zehnmal höher als 1994. Alle Zahlen beruhen auf Preisen von 2017.

China erhöhte seine Militärausgaben parallel zum stark wachsenden Bruttoinlandsprodukt: Die Ausgaben lagen stets um die zwei Prozent des BIP. In Deutschland ist diese Verteidigungsquote seit 2009 von 1,4 auf 1,2 Prozent im Jahr 2018 gefallen – obwohl die Ausgaben 2018 um neun Milliarden Dollar höher lagen.

Des Rätsels Lösung liegt in der Rezession von 2009 begründet: Das BIP schrumpfte im Jahr nach der Finanzkrise in Deutschland um 5,6 Prozent – womit der Verteidigungsetat relativ im Verhältnis zum BIP größer war als in den Jahren danach, als die Wirtschaft wieder kräftig wuchs.

In den USA liegt die Verteidigungsquote bei 3,2 Prozent, in Russland bei 3,9 Prozent.

Einen extrem hohen Anteil an der Wirtschaftsleistung verschlingen die Militärausgaben in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas, die an Kriegen oder anderen bewaffneten Konflikten beteiligt sind.

Saudi-Arabien gibt 8,8 Prozent seines BIP fürs Militär aus, Oman 8,2 Prozent, Algerien 5,3 Prozent, Kuwait 5,1 Prozent. Frieden wäre in der Region also ein erheblicher Gewinn für die Bevölkerung.    

Brexit 2019

Kommentare (2)

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Herr Ulrich Lehmann

29.04.2019, 08:57 Uhr

Die Angaben von SIPRI sind leider nicht kaufkraftadjustiert und unterschätzen damit die militärischen Ausgaben von Ländern wie China, Indien und selbst Russland erheblich. Wenn man Purchasing Power Parities berücksichtigt, zeigt sich, daß viele Länder gigantische Summen ausgeben. Die Kaufkraft eines Euros in Indien beträgt rd. 24€, d. h, eine Milliarde € an Personalausgaben für Armeesoldaten in Indien entspräche rd. 24 Milliarden € in Europa. Das trifft auch für die meisten Dritte-Welt-Länder zu, so daß die "effektiven" Militärausgaben außerhalb des Westens deutlich höher liegen als die SIPRI-Ergebnisse dies nahelegen. (Rechenbeispiel Indien von mir geschätzt mit OECD Purchasing Power Parities 2017.)

Herr Andre Peter

29.04.2019, 12:34 Uhr

Richtig, Herr Lehmann,
berücksichtigt man die Kaufkraft der Länder, so versteht man schnell, dass Entwicklungen in China und Russland deutlich produktiver sind sowohl technologisch als auch rein militärisch. Idien holt auf.

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