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18.07.2019

14:02

IWF: Diese Kandidaten könnten Lagarde an der Spitze beerben AFP

Christine Lagarde

Mit dem Wechsel Lagardes an die EZB-Spitze wird ihr Posten beim Internationalen Währungsfonds frei.

Währungsfonds

Wer Lagarde an der IWF-Spitze beerben könnte

Von: Thomas Hanke, Sandra Louven, Martin Greive

Auf dem G7-Treffen wird auch über den IWF-Spitzenposten diskutiert. Eine Spanierin und ein Niederländer haben offenbar gute Chancen auf den Top-Job.

Chantilly Olaf Scholz' Urlaub wurde in diesem Jahr häufiger als üblich unterbrochen. Allerdings waren es diesmal weniger Parteifreunde, die versuchten, den SPD-Politiker zu erreichen. Der Bundesfinanzminister erhielt vor allem Anrufe aus dem europäischen Ausland.

Mit der Wahl Ursula von der Leyens zur neuen EU-Kommissionspräsidentin steht auch der Wechsel Christine Lagardes vom Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Europäischen Zentralbank (EZB) fest. Da die Europäer traditionsgemäß wieder den IWF-Chefposten besetzen wollen, hat die Suche nach einem geeigneten Kandidaten längst begonnen.

Und die Liste der Interessenten ist lang, wie Scholz im Urlaub festgestellt hat. So versuchten mehrere Kandidaten, direkt oder über Mittelsmänner, beim Bundesfinanzminister für sich zu werben.

Auch auf dem Treffen der G7-Finanzminister im französischen Chantilly wurde über die Personalie gesprochen. Und so langsam sortiert sich das Kandidatenfeld. Schon im Vorfeld hatten sich die Europäer nach Handelsblatt-Informationen darauf verständigt, dass kein Deutscher oder Franzose den Job übernehmen soll, da sie mit der Leitung der EU-Kommission und dem Präsidentenamt bei der EZB bereits zwei Top-Jobs erhalten haben.

Damit ist etwa der französische EU-Währungskommissar Pierre Moscovici, der sich selbst ins Spiel gebracht haben soll, ebenso aus dem Rennen wie Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der ebenfalls als Kandidat galt. Letzterer soll aber ohnehin frühzeitig aus familiären Gründen abgesagt haben, ist zu hören.

Spaniens Wirtschaftsministerin ist erst seit einem Jahr im Amt. AFP

Nadia Calviño

Spaniens Wirtschaftsministerin ist erst seit einem Jahr im Amt.

In Chantilly fiel nun vor allem ein Name häufig: Nadia Calviño, Spaniens Wirtschaftsministerin. Die dortige Regierung erklärte, es sei eine „Ehre“, dass die G7 sie als mögliche Kandidatin vorgeschlagen habe. Calviño sagte, sie habe mit Ministerpräsident Pedro Sánchez bereits über ihre Kandidatur gesprochen.

Offiziell nominiert hat Sánchez sie für den Posten aber noch nicht. In Regierungskreisen heißt es, das geschehe erst, wenn klar ist, dass sie in Europa die nötige Unterstützung besitze. Die sondiere man derzeit.

Die 50-Jährige ist erst seit einem Jahr im Amt. Die mangelnde Erfahrung, etwa im Umgang mit der Presse, gegenüber der sie betont vorsichtig agiert, könnte gegen eine Berufung sprechen. Für Calviño spricht dagegen ihre große Expertise in der Brüsseler Politik, wo sie seit 2006 arbeitete und zuletzt Generaldirektorin für den Haushalt war.

Der Niederländer war bis Anfang 2018 Chef der Euro-Finanzminister. dpa

Jeroen Dijsselbloem

Der Niederländer war bis Anfang 2018 Chef der Euro-Finanzminister.

Ebenfalls als heißer Anwärter gilt Jeroen Dijsselbloem. Der Niederländer war bis Anfang 2018 Chef der Euro-Finanzminister und hat sich in dieser Zeit viel Respekt verschafft. Viele Europäer sind der Ansicht, ein Mann mit so vielen Talenten dürfe nicht länger ohne Amt bleiben.

In Frankreich und Deutschland soll man einer Nominierung Dijsselbloems offen gegenüberstehen. Allerdings gibt es auch Widerstände. Dijsselbloem wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Euro-Gruppenchef einen zu harten Sparkurs in der Währungsunion durchgesetzt zu haben.

Der finnische Notenbankchef hat den Ruf, Anhänger einer Sparpolitik zu sein. AP

Olli Rehn

Der finnische Notenbankchef hat den Ruf, Anhänger einer Sparpolitik zu sein.

Ein fast identisches Profil bringt Olli Rehn mit. Auch für den finnischen Notenbankchef spricht seine große Erfahrung. Rehn war während der Eurokrise EU-Wirtschafts- und Währungskommissar, wurde auch als EZB-Präsident gehandelt. Aber auch ihm haftet gerade in Südeuropa der Ruf an, Anhänger einer Sparpolitik zu sein.

In Europa haben einige Staaten ein Problem damit, einen Briten in das wichtige Amt zu wählen. AFP

Mark Carney

In Europa haben einige Staaten ein Problem damit, einen Briten in das wichtige Amt zu wählen.

Die Chancen des britischen Notenbankchefs Mark Carney scheinen dagegen etwas zu schwinden. Carneys Name war der erste, der fiel, als es um die Nachfolge Lagardes ging. Allerdings scheinen manche Europäer nicht gewillt, einen Briten auf den Top-Posten in Washington zu hieven – auch wenn Carney zusätzlich einen irischen Pass hat. Aus dem Rennen sei Carney aber noch nicht, hieß es auf dem Treffen der G7-Finanzminister.

Gegen den Portugiesen gibt es Vorbehalte. Reuters

Mario Centeno

Gegen den Portugiesen gibt es Vorbehalte.

Ebenfalls Gesprächsthema: der amtierende Euro-Gruppenchef Mario Centeno. Der portugiesische Finanzminister kann in Washington mit seiner europäischen Erfahrung punkten. Zwar ist er für Portugals Premier Antonio Costa ein wichtiges Zugpferd für die im Oktober anstehenden Parlamentswahlen, doch scheint der Wahlsieg seiner Sozialisten Umfragen zufolge so oder so nicht gefährdet.

Allerdings stellt Portugal auf internationaler Ebene mit António Guterres bereits den UN-Chef und mit António Vitorino den Chef der Internationalen Migrationsagentur. Auch halten manche Centeno für etwas durchsetzungsschwach.

Auf Unterstützung aus den USA dürfte sich die Liberale kaum verlassen. AP

Margrethe Vestager

Auf Unterstützung aus den USA dürfte sich die Liberale kaum verlassen.

Das gilt sicher nicht für Margrethe Vestager. Die EU-Wettbewerbskommissarin legt sich regelmäßig mit den US-Tech-Giganten an, leitete erst am Mittwoch ein Kartellverfahren gegen Amazon ein. Dem US-Konzern drohen Strafen in Milliardenhöhe.

Was ihr in Europa parteiübergreifend großen Respekt einbringt, könnte für Vestager im Rennen um den IWF-Chefposten aber ein großer Nachteil sein: Es ist nur schwer vorstellbar, dass die US-Regierung ausgerechnet Vestager durchwinkt.

Geringe Außenseiterchancen werden in Notenbankkreisen Kristalina Georgieva eingeräumt. Auch die Bulgarin ist sehr erfahren, war von 2014 bis 2016 Vizepräsidentin der EU-Kommission für Haushalt und Personal, zuvor EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe und Krisenschutz.

Derzeit leitet die Bulgarin als Interims-Präsidentin die Weltbank. Reuters

Kristalina Georgieva

Derzeit leitet die Bulgarin als Interims-Präsidentin die Weltbank.

Aktuell leitet sie als Interimspräsidentin die Weltbank, müsste bei einem Wechsel zum IWF also nur die Straßenseite wechseln. Weitere Pluspunkte: Georgieva ist eine Frau und kommt aus Osteuropa, das bei der EU-Postenvergabe weitgehend leer ausging. Problematisch ist jedoch: Die Osteuropäer sind in den G7 nicht vertreten und gelten auch sonst als unorganisiert, wenn es um die Vergabe von Top-Posten geht.

Noch habe man sich auf keinen Kandidaten festgelegt, hieß es aus Kreisen der Bundesregierung. Eine Entscheidung sei aber keine Frage von Monaten, sondern „Tagen und Wochen“. Bis Ende des Monats wollen die Europäer einen Kandidaten präsentieren.

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