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14.04.2019

08:19

Die deutsche Wirtschaft könnte dieses Jahr um nur 0,5 Prozent wachsen. dpa

Container-Terminal Bremerhaven

Die deutsche Wirtschaft könnte dieses Jahr um nur 0,5 Prozent wachsen.

Währungsfondstagung

Die Weltwirtschaft schwächelt – und Deutschland ist ein Sorgenkind

Von: Jan Hildebrand, Annett Meiritz

Handelskonflikte, Brexit, Italiens Schuldenproblem: Viele politische Risiken lasten auf der Weltwirtschaft. Darunter leidet Deutschland besonders.

WashingtonDer Abwärtstrend der deutschen Wirtschaft begleitet Olaf Scholz (SPD) nach ganz oben. Der Bundesfinanzminister steht auf der Dachterrasse des Internationalen Währungsfonds (IWF), 12. Etage, hinter ihm schimmert in der Ferne die Kuppel des Kapitols. Der SPD-Vizekanzler will über die globale Mindestbesteuerung von großen Konzernen sprechen, ein Herzensthema.

Doch dann kommt wieder diese Frage: Steht Deutschland vor einer ökonomisch unsicheren Zukunft, so wie es das Magazin „Business Week“ titelt, Herr Scholz? „Deutschland ist ein global wirtschaftlich erfolgreiches Land“, beharrt der Finanzminister.

Der aktuelle Schwächeanfall der deutschen Wirtschaft war bei der IWF-Frühjahrstagung am Wochenende ein viel diskutiertes Thema. Zumal die größte europäische Volkswirtschaft damit vorerst als mögliche Lokomotive für die Eurozone und die Weltwirtschaft ausfällt.

Wachstum von nur 0,5 Prozent

Noch vor einigen Monaten hatte die Bundesregierung mit 1,8 Prozent Wachstum gerechnet. Dann revidierte sie im Januar auf ein Prozent. Kommende Woche wird sie die nächste Korrektur verkünden: nur noch 0,5 Prozent. Die Tendenz ist deutlich: Es geht abwärts. Die Frage, die auch in Washington viele umtreibt, lautet: Wie stark?

Scholz versuchte zu beschwichtigen. „Wir haben ein langsameres Wachstum“, sagte der Finanzminister und schob sogleich hinterher: „Aber es ist nach wie vor ein Wachstum.“ Bundesbank-Präsident Jens Weidmann klang ähnlich. Auch er sagte, die Konjunktur habe sich „merklich“ abgeschwächt. Aber: „Das Konjunkturbild ist nicht das eines dramatischen Abschwungs.“

Die schwedische Finanzministerin Magdalena Andersson macht ein Foto – Deutschlands Finanzminister Olaf Scholz steht links hinter ihr. Reuters

Minister-Selfie

Die schwedische Finanzministerin Magdalena Andersson macht ein Foto – Deutschlands Finanzminister Olaf Scholz steht links hinter ihr.

Die aktuelle Schwächephase sei „vorübergehend“. Ein Grund seien die Probleme mit den neuen Abgastests, die Ende 2018 zu einem Produktionsrückgang bei der wichtigen Autoindustrie geführt hätten. „WLTP“ heißt das Verfahren, und die deutsche Delegation sprach davon so häufig, dass auch die internationalen Partner diese Abkürzung nun kennen.

Lagarde: „Niemand gewinnt einen Handelskrieg“

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Von 1,8 auf 1,0 auf 0,5 Prozent – Berlin senkt Wachstumsprognose erneut

Die Bundesregierung erwartet für 2019 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Schuld sei auch die fehlende Marktführerschaft bei Zukunftstechnologien.

Aber natürlich verdeutlicht der Abwärtstrend des Exportlandes Deutschland vor allem auch die Probleme des globalen Handels. Die Weltwirtschaft schwächelt insgesamt, weshalb IWF-Chefin Christine Lagarde Alarm schlug. Ungewöhnlich offen kritisierte sie den von US-Präsident Donald Trump provozierten Handelskonflikt, der weltweit Warenströme behindert und Investoren verunsichert. Die Aufgabe von Regierungen sei es, „keinen Schaden zu verursachen“, mahnte Lagarde. „Niemand gewinnt einen Handelskrieg“.

Die Sorge über die Wachstumsbremse zog sich durch die Konferenz, der radikale Protektionismus der USA stand im Mittelpunkt vieler Auftritte. Auch wenn sich das globale Wirtschaftswachstum in der zweiten Hälfte 2019 laut IWF-Prognose erholen werde, sind die Handelspartner der USA in Alarmstellung.

Möglichkeit einer Rezession besteht

Chefökonomin Gita Gopinath sprach von einem „heiklen Moment“ in der Weltwirtschaft. „Wir müssen uns Sorgen über die Möglichkeit einer Rezession machen“, sagte Vizechef David Lipton. Vor einem Jahr, als Trump erste Strafzölle erließ, hofften viele Teilnehmer noch, sie würden rasch wieder aufgehoben. Doch der Handelskonflikt ist jetzt Dauerzustand, ein Ende ist nicht absehbar.

Trumps auf Eskalation angelegte Politik macht es unmöglich, neues Vertrauen aufzubauen. „Die EU ist ein brutaler Handelspartner“, twitterte er diese Woche, „das wird sich ändern“. Seine Strafzölle auf Stahl und Aluminium hält Trump als Druckmittel im Ringen um ein transatlantisches Industriezollabkommen aufrecht. Er erwägt Importzölle auf Autos und will europäische Subventionen für den Boeing-Rivalen Airbus mit weiteren Zöllen vergelten.

Brexit 2019

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