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18.08.2019

16:11

AP

TV-Duell

Wahlkampf

Das sind die elf reichsten Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl

Von: Maybrit Martschin

Die Kosten für den Wahlkampf in den USA sind enorm. Wer regieren will, muss reich sein – oder zumindest Gönner hinter sich stehen haben.

Düsseldorf Dass zwischen finanziellem Wohlstand und dem Amt des US-Präsidenten ein unweigerlicher Zusammenhang besteht, dafür ist Donald Trump ein Beispiel. Denn wer regieren will, muss reich sein – oder zumindest wohlhabende Kontakte haben. Sonst kann es schwierig werden, die Kosten für einen Wahlkampf aufzubringen.

Mit einem geschätzten Vermögen von über 3,1 Milliarden Dollar ist der Trump-Organization-Inhaber bisher der reichste US-Präsident der Geschichte. Dagegen sehen die 1,2 Millionen Dollar seines Vorgängers Barack Obama, zur Zeit seines Einzugs ins Weiße Haus, vergleichsweise gering aus.

Die obligatorische Veröffentlichung der Steuerdaten der US-Präsidentschaftskandidaten noch während des Wahlkampfs behagt nicht jedem. Gerade Donald Trump hat derzeit ein Gerichtsverfahren am Hals, weil er sich weigert, seine Finanzen offenzulegen. Angefochten haben dies die Demokraten. Dass gerade Trumps Kontrahenten, die ihn im November 2020 zum Wahlkampf herausfordern, ihre Finanzen auch lieber geheim halten, hat sich nun in den Recherchen von „Forbes“ gezeigt.

Das New Yorker Wirtschaftsmagazin hat für die bevorstehende US-Präsidentschaftswahl die finanziellen Hintergründe der demokratischen Kandidaten, die sich derzeit im parteiinternen Vorwahlkampf befinden, unter die Lupe genommen. Nur die Demokraten, da Trump als amtierender Präsident bei den Republikanern konkurrenzlos bleiben wird.

Dazu hat „Forbes“ Daten aus Finanzberichten, Aufzeichnungen lokaler Immobilien und aus Berechnungen der Rentenleistung gesammelt. „Niemand, nicht einmal die Demokraten, die Trump am meisten für seine Finanzgeschäfte kritisieren, haben jede Frage beantwortet“, schreiben sie.

Für eine ausführliche Auflistung der Reichtümer der Präsidentschaftsanwärter hat es letztlich aber gereicht. Das durchschnittliche Nettovermögen der Kandidaten (ausgenommen Donald Trump und Fondsmanager Tom Steyer) liegt bei 12,9 Millionen US-Dollar, ähnlich dem Niveau der Anwärter von 2016. Das mittlere Nettovermögen beträgt zwei Millionen Dollar. Mit einem Vermögen von 100.000 Dollar ist der Demokrat Pete Buttigieg, Bürgermeister von South Bend und Afghanistan-Veteran, noch am wenigsten wohlhabend.

Die elf reichsten Kandidaten finden Sie hier:

AFP

Donald Trump

1. Donald Trump
Trotz seines Vermögens sind auf dem Wahlkampfkonto des milliardenschweren Republikaners schon ordentlich Spenden eingegangen: Bis Juni dieses Jahres sammelte seine Kampagne bereits rund 124 Millionen Dollar ein.

Ein Großteil davon stammt überraschenderweise aus Kleinbeträgen unter 200 Dollar von seiner Fangemeinde. Nicht einen Dollar seiner 3,1 Milliarden hat Trump bisher selbst gespendet. Immerhin hat er aber schon mehr als 75 Millionen Dollar ausgegeben – das meiste davon für Rechtsstreitigkeiten.

AP

Tom Steyer

2. Tom Steyer
Der 62-jährige Fondsmanager und Gründer von Farallon Capital legt seine Posten nieder, um als Kandidat für die Demokraten bei der Wahl anzutreten. Bereits 2012 trat Steyer von seiner Position bei Farallon zurück, um sich für die Förderung alternativer Energien und Umweltschutz einzusetzen.

Jetzt hat der Unternehmer auch seine Führungsrolle bei der von ihm gegründeten Bewegung „Need to Impeach“ und der Klimaschutzinitiative „NextGen America“ aufgegeben, um sich vollends auf seinen Wahlkampf zu konzentrieren. Das Geld dafür will Steyer größtenteils selbst aufbringen. Mit einem Nettovermögen von über 1,6 Milliarden Dollar sollte ihm das nicht allzu schwerfallen.

AP

John Delaney

3. John Delaney
Als Politiker hat der Demokrat bisher wenig verlauten lassen. Drei Amtszeiten saß der 56-Jährige für Maryland im Kongress. Das ist dann aber auch schon alles zu seinem politischen Engagement. Über sich selbst sagt er: „Ich bin national nicht besonders bekannt, daher muss ich so tun, als wäre ich ein Langstreckenschwimmer.“

Delaney soll eine Kampagne planen, die sich mit Problemen der Globalisierung, Automatisierung und Technologie befasst. Als Geschäftsmann hat Delaney mehr Erfolge zu verzeichnen. Im Jahr 1996 gründete er das Kreditunternehmen HealthCare Financial Partners.

Geld holte er sich u.a. von Farallon Capital: Ganze 25 Millionen US-Dollar investierte Steyers Firma in das Kreditunternehmen. Der Börsengang folgte 1996. Drei Jahre später verkaufte Delaney die Firma für 30 Millionen US-Dollar an Heller Financial (das später zu GE Capital wurde). Sein zweites Unternehmen CapitalSource gründete Delaney im Jahr 2000. Rund 200 Millionen Dollar beträgt laut „Forbes“ Delaneys Nettovermögen.

AFP

Michael Bennet

4. Michael Bennet
Sein Vater, der als US-Botschafter in Indien arbeitete und später als Berater zum Stab des US-Vizepräsidenten Humphrey gehörte, hat Michael Bennet den Weg in die Politik schon früh geebnet. Während der Clinton-Administration wurde der Demokrat ins Justizministerium berufen.

1997 zog er sich aus der Politik zurück, um bei der Anschutz Investment Company zu arbeiten, wo er an einem Deal zur Fusion von drei Kinoketten mitwirkte. Sein Vermögen liegt in Hedgefonds und Immobilien und soll sich auf über 15 Millionen Dollar belaufen. Seit 2009 sitzt Bennet für die Demokraten im US-Senat.

AFP

Elizabeth Warren

5. Elizabeth Warren

Was sie will, ist eine strengere Regulierung des Finanzsektors. Mit diesem Credo hat die Demokratin, die auch als „Wall-Street-Kritikerin“ bekannt ist, bereits während der Finanzkrise 2007 auf sich aufmerksam gemacht. Im Jahr 2010 berief Obama Warren zur Sonderberaterin des Präsidenten und des Finanzministeriums.

Seit 2013 sitzt die Juristin im Senat und vertritt den Bundesstaat Massachusetts. Dafür, dass die 70-jährige Harvard-Professorin für ein System einsteht, bei dem Ärmere nicht benachteiligt werden, ist sie selbst Profiteurin des alten.

Warren ist im Besitz eines Hauses in Cambridge, Massachusetts, das mittlerweile einen geschätzten Wert von drei Millionen Dollar hat. Auf ihren TIAA- und CREF-Konten liegen mehr als vier Millionen Dollar. Auf insgesamt zwölf Millionen schätzt „Forbes“ das Nettovermögen der Juristin.

AP

Joe Biden

6. Joe Biden
Der ehemalige US-Vizepräsident betont gerne seine Bescheidenheit und Normalität mit seinem Spitznamen „Middle-Class Joe“. Dass es sich dabei um eine muntere Untertreibung handelt, beweisen Zahlen: Mehr als 15 Millionen US-Dollar sollen der Demokrat und seine Frau Jill seit dem Regierungswechsel verdient haben. Hinzu kommen im Jahr 2017 mehrere Buchverträge sowie ein 4800 Quadratmeter großes Grundstück in Rehoboth Beach, Delaware.

Neun Millionen Dollar soll Bidens Reinvermögen betragen. Der Ex-Vize, der als einer der aussichtsreichsten demokratischen Herausforderer Trumps gehandelt wird, ist zu einer beliebten Zielscheibe des amtierenden Präsidenten geworden.

Mit Anspielungen auf Bidens fortgeschrittenes Alter (76) erregte Trump, der nur vier Jahre jünger ist, zuletzt Aufsehen. Er halte Biden für „geistig am schwächsten“, verglichen mit den anderen demokratischen Bewerbern.

AP

Kamala Harris

7. Kamala Harris
Nicht nur im Wahlkampf ist die Demokratin Kamala Harris ihrem Parteifreund Joe Biden dicht auf den Fersen. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Anwalt Douglas Emhoff besitzt die Senatorin ein Nettovermögen von rund sechs Millionen Dollar. Insgesamt 8,2 Millionen haben beide seit ihrer Heirat im Jahr 2014 eingenommen. Das Ehepaar besitzt Häuser in Los Angeles, Washington, D.C. und San Francisco mit einem Gesamtwert von 5,8 Millionen Dollar.

In ihren politischen Ansichten ähnelt Harris Barack Obama: Sie will eine Krankenversicherung für alle Amerikaner erreichen, Studiengebühren für Familien mit geringem Einkommen abschaffen, unterstützt den Klimaschutz, plädiert für striktere Waffengesetze und setzt sich für die Rechte von Frauen ein. Die Afroamerikanerin bezeichnete Trump als Rassisten und will die Nation „heilen“.

Bloomberg

Joe Sestak

8. Joe Sestak
Seiner Karriere in der Armee ist es zu verdanken, dass Sestak als pensionierter Drei-Sterne-Admiral jedes Jahr rund 120.000 US-Dollar verdient. Sein Vermögen legt der 67-Jährige in Apple- und Amazon-Aktien an, damit kommt sein Portfolio auf einen Wert von über 115 Millionen Dollar.

Sein politischer Erfolg bei den Demokraten blieb bislang auf der Strecke: Im Jahr 2010 hat der Ex-Admiral für den US-Senat kandidiert, scheiterte aber. Bis jetzt liegt laut „Forbes“ noch kein Penny auf seinem Spendenkonto für den Wahlkampf 2020.

AFP

Beto O'Rourke

9. Beto O’Rourke
Der Texaner saß als Abgeordneter für den Regierungsbezirk El Paso bis 2019 für die Demokraten im US-Repräsentantenhaus. Seine Frau Amy, die Tochter eines wohlhabenden Immobilienmaklers aus El Paso ist, soll im Besitz eines Schuldscheins im Wert von 2,5 Millionen US-Dollar sein. Zudem hält O’Rourke Anteile an einem Einkaufszentrum, die ihm seine Mutter vermacht hat.

Geradeaus verlief die Karriere des 46-Jährigen nicht immer. Nach seinem Studium der Literaturwissenschaft versuchte sich der Texaner u.a. als Babysitter, Kunsttransporteur, Dichter und Musiker.

AP

Bill de Blasio

10. Bill de Blasio
Das meiste Geld steckt laut „Forbes“ der Bürgermeister von New York in Immobilien. Zusammen mit seiner Frau kaufte der dem Linksflügel angehörende Demokrat de Blasio im Jahr 2000 ein 1200 Quadratmeter großes Reihenhaus in einem ruhigen Wohnblock im Stadtteil Brooklyn. Etwas weiter erwarb das Ehepaar vier Jahre später ein weiteres Grundstück.

Nach seiner Wahl zum Bürgermeister zog seine Familie in die offizielle Residenz Gracie Mansion, deswegen – und auch weil die Immobilienpreise besonders hochschossen – vermietet de Blasio seither seine beiden Wohnhäuser und verdiente daran 108.450 Dollar.

Mit seinem Verhalten im öffentlichen Amt hat sich de Blasio nicht immer beliebt gemacht. Zu Terminen erscheint de Blasio gerne zu spät – er schläft gerne aus. Von der Parade am St. Patrick’s Day bekam der 58-jährige so nur die Hälfte mit. Ob das gute Wahlvoraussetzungen für den linken Politiker sind, bleibt abzuwarten.

AP

Bernie Sanders

11. Bernie Sanders
Mediale Aufmerksamkeit erheischte der bald 78-jährige parteilose Sanders, der damit noch älter als der von Trump gescholtene Joe Biden ist, zuletzt durch sein Treffen mit Rapperin Cardi B in einem Nagelstudio in Detroit. Die 26-Jährige ist nämlich große Unterstützerin des Senators. Zusammen unterhielten sich beide über Themen wie den Mindestlohn und den Klimawandel. Sanders versucht damit vor allem bei der jungen Generation zu punkten.

Immerhin 46 Millionen Dollar hat Sanders für seine Wahlkampfkampagne bereits eingesammelt. Im Vorwahlkampf im Jahr 2016 verlor er knapp die Vorwahl gegen Hillary Clinton. Danach gab der parteilose, aber mit den Demokraten assoziierte Politiker rund 575.000 Dollar für ein Sommerhaus im Norden von Vermont aus und bezahlte eine Hypothek für sein Haus in Burlington, Vermont, 25 Jahre vorzeitig zurück.

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