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27.08.2019

20:49

Waldbrände im Amazonas

Bolsonaro will Hilfsgelder nur annehmen, wenn Macron sich für „seine Beleidigungen“ entschuldigt

Die G7-Staaten haben Hilfsgelder für den Kampf gegen die Waldbrände im Amazonas zugesagt. Wie die Mittel eingesetzt werden, sollen sie aber nicht mitbestimmen dürfen.

Die Industriestaaten beim G7-Gipfel in Biarritz haben eine Soforthilfe von 20 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen die Brände zugesagt. AP

Brasilien

Die Industriestaaten beim G7-Gipfel in Biarritz haben eine Soforthilfe von 20 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen die Brände zugesagt.

São Paulo Die brasilianische Regierung will selbst über die Verwendung der von den G7-Staaten zugesagten Hilfsgelder für den Kampf gegen die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet entscheiden. „Das brasilianische Volk und die brasilianische Regierung entscheiden, wie die Mittel eingesetzt werden“, sagte Umweltminister Ricardo Salles in São Paulo. „Auf jeden Fall ist Hilfe immer willkommen.“

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte sich darüber empört, dass die G7-Staaten sich in die inneren Angelegenheiten Brasiliens einmischten. „Wir können nicht hinnehmen, dass Präsident Macron unangebrachte Angriffe auf das Amazonasgebiet fährt und seine Absichten hinter einer ,Allianz’ der G7-Staaten zur ,Rettung’ des Amazonasgebiets versteckt, als ob wir eine Kolonie oder Niemandsland wären“, schrieb der Staatschef am Montag auf Twitter.

Für die Annahme der angebotenen Hilfe stellte er Bedingungen. „Zunächst sollte Macron die Beleidigungen gegen mich zurücknehmen“, sagte der Staatschef am Dienstag beim Verlassen seiner Residenz. „Er hat mich einen Lügner genannt. Und dann hat er nach meinen Informationen die Souveränität des Amazonasgebiets infrage gestellt.“

Macron hatte das Amazonasgebiet in Biarritz als „Gemeingut“ bezeichnet und die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft für die Region beschworen. Weil der Amazonasregenwald große Mengen an CO2 binden kann, ist er für das globale Klima von entscheidender Bedeutung. „Der Respekt vor der Souveränität eines Landes ist das Mindeste, was man in einer zivilisierten Welt erwarten kann“, schrieb Bolsonaro weiter.

„Um mit Frankreich, das die besten Absichten hat, zu sprechen oder irgendwas anzunehmen, muss er diese Äußerungen zurücknehmen“, sagte Bolsonaro. Zuvor hatte sein Präsidialamtschef Onyx Lorenzoni nach der Interpretation eines Blogs im Nachrichtenportal G1 nahegelegt, dass Brasilien die Hilfe nicht annehmen wolle. Das Geld sei möglicherweise besser in Europa angelegt, sagte Lorenzoni demnach.

Bolsonaro bestätigte dies zunächst nicht. „Habe ich das gesagt?“, fragte er die Journalisten vor seiner Residenz auf Nachfrage. „Habe ich gesprochen? Hat Jair Bolsonaro gesprochen?“

Schwerste Waldbrände seit Jahren

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach den jüngsten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 78 Prozent auf mehr als 80 000 Brände. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Umweltschützer und indigene Gruppen werfen Brasiliens rechtem Präsidenten Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Farmer, Holzfäller und Goldgräber zu immer weiteren Rodungen ermutigt fühlen. So sollen Medienberichten zufolge Bauern im Bundesstaat Pará sich zu einem „Tag des Feuers“ verabredet und große Waldflächen in Brand gesteckt haben.

„Es besteht der Verdacht auf eine orchestrierte Aktion. Es gibt den Verdacht, dass das von langer Hand geplant wurde“, sagte Generalstaatsanwältin Raquel Dodge. Sie leitete strafrechtliche Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Brandstifter ein.

Der örtliche Bauernverband stritt eine koordinierte Brandrodung in der Region unterdessen ab. „Wenn es so etwas gegeben hat, war es ein Einzelfall. Wir wissen nichts von einer orchestrierten Aktion“, sagte der Präsident des Verbands in Novo Progresso, Agamenon da Silva Menezes, der Nachrichtenagentur Agência Brasil. „Niemand will Brände, die außer Kontrolle geraten könnten. Das schadet allen.“

Mehr: Während Europa über das Freihandelsabkommen mit dem Mercosur-Bund streitet, ist dieser bereits in der Krise: Brasilien droht mit dem Ausstieg.

Brasilien

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dpa

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