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03.06.2019

16:56

Wang Shouwen

Gelingt es diesem Mann, den Handelskrieg mit den USA abzuwenden?

Von: Sha Hua

Der chinesische Vizehandelsminister gilt als Schlüsselfigur im Konflikt mit den Vereinigten Staaten. In Sachen Fedex mahnt er zur Besonnenheit.

Gilt als sachlicher und zielorientierter Politiker. Bloomberg

Wang Shouwen

Gilt als sachlicher und zielorientierter Politiker.

PekingUm seine Botschaft zu unterstreichen, wiederholt Wang Shouwen sie noch einmal: „Nichts ist vereinbart, solange nicht alles vereinbart ist“, sagt Chinas Vizehandelsminister in perfektem Englisch. Er ist es, der während der Pressekonferenz am Sonntag die meisten Fragen der Journalisten beantwortet; er ist es auch, der den Reportern Chinas Strategie im Handelskonflikt mit den USA erklärt. Der 53-Jährige gilt nach Vizeministerpräsident Liu He als die Nummer zwei des chinesischen Verhandlungsteams.

Wangs Ton bleibt durchgehend sachlich, er verweist immer wieder auf internationale Studien, um seinen Worten Gewicht zu verleihen. Er ist keiner, der mit Brachialrhetorik die kollektive Empörung schürt, doch wenn es darum geht, Chinas Interessen zu artikulieren, zeigt sich der Mann mit den weichen Gesichtszügen und der randlosen Brille kompromisslos. „Wir begrüßen die Unternehmen, die in China legal ihre Geschäfte machen“, sagt er, um im nächsten Satz direkt zum Punkt zu kommen: „Aber wenn sie gegen chinesische Gesetze verstoßen, müssen wir gegen sie ermitteln.

Das bezog sich auf den US-Konzern Fedex. Am Samstag hatte Peking Ermittlungen gegen den US-Logistiker angekündigt, nachdem der Netzwerkausrüster Huawei dem Unternehmen vorgeworfen hatte, Pakete umgeleitet zu haben. Zwei aus Tokio an Huawei in China gesandte Lieferungen seien im Fedex-Hauptquartier in Memphis angekommen, bei zwei weiteren Paketen aus Vietnam an andere Orte in Asien sei eine Umleitung versucht worden.

Fedex wies die Anschuldigungen zurück und sprach von „einem Versehen“. Es habe keinen Druck von außen gegeben, Pakete umzuleiten. In Peking hält man das für wenig glaubwürdig, denn tatsächlich steht Huawei seit April auf der schwarzen Liste der US-Regierung.

Heißt: Die Geschäftsbeziehungen des Konzerns zu US-Partnern unterliegen strengeren Kontrollen. So teilte der Internetkonzern Google im Zuge dieser Maßnahme bereits mit, seine Kontakte zu Huawei einschränken zu müssen. Im Gegenzug kündigte Peking nun an, eine eigene Liste mit „unzuverlässigen Firmen“ anzulegen. Wer den Interessen chinesischer Unternehmen schade, werde sich dort wiederfinden.

In Chinas sozialen Medien löste der Fedex-Vorfall einen Proteststurm aus; viele Nutzer forderten harte Sanktionen gegen das amerikanische Unternehmen. Doch Wang rief am Sonntag zur Gelassenheit auf, mahnte die Journalisten, der Sache nicht zu viel Gewicht beizumessen.

Er tat dies in seiner gewohnt sachlichen und bescheidenen Art. Anders als sein Vorgesetzter Liu He, der durch seine Zeit an den Elite-Schulen und -Universitäten eng mit Chinas Führung vernetzt ist, kommt Wang aus einfachen Verhältnissen.

Er habe sich durch Verhandlungsgeschick und Kenntnisreichtum „von einem Fußsoldaten zum General“ hochgearbeitet, schrieb die „South China Morning Post“ kürzlich über ihn. Obwohl er nie im Ausland studiert hat, könne er bei komplexen juristischen Fragen mühelos zwischen Chinesisch und Englisch hin- und herspringen.

Er stellt manchen Dolmetscher in den Schatten

Dass er in Verhandlungen so manchen Dolmetscher in den Schatten stellt, liegt an seiner Vergangenheit im Handelsministerium. 30 Jahre lang war er dort vor allem für Fragen des Außenhandels zuständig. Als er 1989 seine Laufbahn in dem Ministerium begann, ging es vor allem darum, das Exportgeschäft anzukurbeln. Nach dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) war er maßgeblich daran beteiligt, einheimische Hersteller bei der Abwehr von Anti-Dumping-Klagen zu unterstützen. Seit einem Jahrzehnt nimmt er an internationalen Verhandlungen teil, vertritt immer wieder erfolgreich Chinas Interessen.

So geht aus Wikileaks-Daten hervor, dass er während der globalen Finanzkrise von 2008 Barack Obama warnte, protektionistische Maßnahmen zu ergreifen. Offenbar plante der US-Präsident, gegen chinesische Textilexporteure vorzugehen, ließ aber nach Wangs Intervention davon ab. Später lehnte Wang es als Chefunterhändler ab, die staatlichen Subventionen für Chinas Stahlindustrie zu kürzen.

Nun schaut die Welt darauf, ob Wang es gelingen wird, einen ruinösen Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten abzuwenden. Daran hängt nicht nur das Schicksal der zwei größten globalen Volkswirtschaften, sondern der gesamten Weltkonjunktur.

Mehr: China wächst zum starken Konkurrenten der USA heran. Lesen Sie hier, wie der Streit um Handel und Technologieführerschaft eskaliert.

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