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16.12.2018

17:45

Die globalen Emissionen aus fossilen Brennstoffen sollen deutlich reduziert werden. euroluftbild.de / VISUM

Kohlekraftwerke

Die globalen Emissionen aus fossilen Brennstoffen sollen deutlich reduziert werden.

Weltklimakonferenz

Klimaschützer kritisieren Ergebnis von Kattowitz

Von: Silke Kersting

Die Klimakonferenz in Kattowitz ist beendet. Doch Umweltschützer und Ökonomen fordern mehr politischen Willen, die Erderwärmung zu begrenzen.

KattowitzSein persönlicher Wunsch ging nicht in Erfüllung. Auf möglichst wenige schlaflose Nächste hatte der polnische Präsident der Klimakonferenz, Michał Kurtyka, gehofft. Am Ende musste er froh sein, dass er am Samstagabend, inklusive eines Tags Verlängerung und mehrerer schlafarmer Nächte, die Weltklimakonferenz in Kattowitz für beendet erklären konnte.

Verabschiedet wurde ein sogenanntes Regelbuch – eine Art Gebrauchsanweisung dafür, nach welchen Vorgaben die Klimaschutzbemühungen der Länder gemessen und verglichen werden können.

In der französischen Hauptstadt war im Dezember 2015 vereinbart worden, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzen zu wollen. Wie das erreicht werden soll, bleibt jedem Land selbst überlassen, nur vergleichbar sollte es sein.

 „Wir haben erreicht, dass sich zum ersten Mal nicht nur die halbe, sondern die ganze Welt beim Klimaschutz in die Karten schauen lässt“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Das Pariser Abkommen beruhe auf dem gegenseitigen Vertrauen, dass alle Staaten ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Darum ist es entscheidend, dass jeder sehen kann, was der andere tut.“

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Bislang reicht das Engagement der meisten Staaten nicht aus, um das Pariser Abkommen zu erfüllen. Es muss nachgesteuert werden – was aber nur passiert, wenn die Bemühungen der Staaten gemessen und verglichen werden können und sich nicht nur alle misstrauisch beäugen.

Sabotageversuche aus dem Weißen Haus

Deutschland hatte im Vorfeld von Kattowitz klare Transparenzpflichten auch für große Schwellenländer wie China gefordert. Tatsächlich einigten sich Industrie- und Entwicklungsländer in Polen darauf, dass sie ab 2024 einheitlich, also nach denselben Kriterien, an die Vereinten Nationen berichten. China, weltgrößter Emittent des Treibhausgases CO2, machte den Weg letztendlich dafür frei. Einfachere Regeln gibt es künftig nur noch für die ärmsten Länder der Welt, denen Kapazitäten fehlen, um Emissionen zuverlässig zu messen.

„Dieses Regelwerk ist eine solide technische Basis“, kommentierte Christoph Bals, politischer Kopf der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Er sprach von einem „beachtlichen Ergebnis, weil es einige Sabotageversuche aus dem Weißen Haus, von Saudi-Arabien und Brasilien gab“. Die Einigung in Kattowitz sei „ein Sieg des Multilateralismus unter extrem schwierigen Bedingungen“, sagte Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), dem Handelsblatt.

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Schon 1995 setzten sich die Umweltminister zum ersten Mal zum Thema Klima zusammen. Der große Durchbruch kam jedoch zwanzig Jahre später.

Doch zur Abwendung der Klimakrise kommt es nun darauf an, dass alle Staaten einen deutlich größeren politischen Willen zeigen. Darin sind sich viele Experten einig. Denn trotz einiger Erfolge: Die Gesamtbilanz des Gipfeltreffens ist überschaubar.

„Die dringend notwendige Steigerung des Ambitionsniveaus ist im Wesentlichen ausgeblieben, und beim Regelbuch haben wir nur ein Minimum erreicht“, kritisierte Edenhofer. Johan Rockström, der zusammen mit Edenhofer als designierter Direktor das PIK leitet, sagte, es sei in Kattowitz versäumt worden, „klarzumachen, dass die globalen Emissionen aus fossilen Brennstoffen bis 2030 halbiert werden müssen, wenn man dem 1,5-Grad-Report des Weltklimarats folgen will“.

Der Bericht mahnt ein entschlosseneres Handeln gegen den Klimawandel an. Die Erderwärmung solle auf 1,5 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit begrenzt werden, um die schlimmsten Folgen für den Planeten abzuwenden.

Der Klimagipfel in Kattowitz sei nur ein Schritt auf dem langen und kurvenreichen Weg hin zu einer Zukunft ohne fossile Brennstoffe, mahnte der Schwede Rockström. „Wir alle müssen jetzt aufhören, herumzutrippeln. Wir müssen unsere Schritte beschleunigen.“ Und Europa könne und müsse sich dabei an die Spitze stellen.

Wissenschaftler beklagen Mangel an Ambitionen

Der Gipfel habe gezeigt, „dass weiterhin auf der nationalen Ebene insbesondere in den Industrieländern wenig Ambition herrscht“, sagte Lukas Hermwille vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, dem Handelsblatt. Das gelte auch und im besonderen Maße für die EU und Deutschland. Deutschland habe es durch die Verzögerungen bei der Kohlekommission verpasst, ein internationales Zeichen zu setzen.

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Zwei Wochen lang wurde im polnischen Kattowitz verhandelt. Doch die Abschlusserklärung ist noch keine ausreichende Antwort auf die Erderwärmung.

Wissenschaftler hören nicht auf, die Gefahren zu beschreiben, sollte es beim Status Quo bleiben. Extreme Wetterereignisse treffen bereits heute Menschen auf der ganzen Welt, mit einer globalen Erwärmung von nur einem Grad. Auch Hitze- und Dürresommer in Deutschland könnten sich in Zukunft weiter häufen.

Die Welt brauche konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase; und sie brauche diese Maßnahmen nicht irgendwann, sondern jetzt, forderte Edenhofer. In dieser Hinsicht könne der Klimawandel nicht mehr nur als das größte Marktversagen aller Zeiten angesehen werden. Er sei angesichts der steigenden Emissionen auch zu einem beispiellosen Staatsversagen geworden.

Der Veränderungsbedarf ist gewaltig – auch in der Wirtschaft. „Der Druck auf die Unternehmen steigt, sich fossilfrei oder zumindest fossilarm aufzustellen“, sagte Edenhofer.

Unternehmen reagieren gelassen

Verbände reagierten gelassen: Für die deutschen Unternehmen sei es wichtig, dass die Umsetzung des Pariser Abkommens auch tatsächlich zu mehr Klimaschutz in anderen Weltregionen führe, erklärte Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Schweitzer begrüßte die Einigung auf „solide und faire“ Klimaschutzregeln in Kattowitz. Besonders Schwellenländer würden nun perspektivisch stärker in die Pflicht genommen.

Auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sieht in den Gipfelbeschlüssen eine Grundlage, um den Klimaschutz globaler aufzustellen. Von vergleichbaren Wettbewerbssystemen für die Industrie sei man aber noch weit entfernt, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. Das zeigen seiner Ansicht nach auch die schwierigen Diskussionen, Kohlendioxid (CO2) weltweit einen Preis zu geben.

Dieses Thema musste in Kattowitz vertagt werden. „Globale Regeln für CO2-Preise und passende Marktinstrumente haben es leider nicht in das Regelbuch geschafft“, sagte Tillmann.

Das mache es für Unternehmen in Europa sehr viel schwieriger, die Investitionen in treibhausgasärmere Technologien zu stemmen. Er hoffe jetzt auf Fortschritte auf der Ebene der 20 größten Volkswirtschaften.

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