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25.05.2022

12:28

Weltwirtschaftsforum Davos

Investor Soros erwartet die Apokalypse – und Manager Snabe die Erlösung durch Technik

Von: Torsten Riecke

Klimakatastrophe und ein drohender Weltkrieg bestimmen in Davos die Debatten. Die einen malen düstere Szenarien, andere sehen Hoffnung für die Menschheit.

Der Starinvestor warnt vor dem Dritten Weltkrieg. Bloomberg

Apokalyptiker Soros

Der Starinvestor warnt vor dem Dritten Weltkrieg.

Davos Dass die Stimmung beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos nicht gut sein würde, war angesichts der vielen Krisen vorhersehbar. Der ungarische Investor George Soros schaffte es am Dienstagabend dennoch, selbst die Zweckoptimisten zu erschüttern, indem er gleich den Untergang der menschlichen Zivilisation prophezeite.

Die Bekämpfung von Pandemie und Klimawandel, die Vermeidung eines Atomkriegs, die Aufrechterhaltung globaler Institutionen müssten gegenüber dem Kampf der Demokratie gegen den Totalitarismus zurückstehen. „Deshalb sage ich, dass unsere Zivilisation vielleicht nicht überleben wird.“

Als wäre das nicht genug, legte der 91-jährige Holocaust-Überlebende gleich noch einmal nach: „Die Invasion (Russlands in der Ukraine) könnte der Beginn des Dritten Weltkriegs gewesen sein.“

Nun ist es nicht das erste Mal, dass Soros vor dem Weltuntergang warnt. Seine skeptische Weltsicht hat der Investor bei seinen alljährlichen Auftritten in Davos immer mal wieder durchklingen lassen. 2019 warnte er zum Beispiel vor der „tödlichen Gefahr“ der Künstlichen Intelligenz, die von totalitären Regimen wie China zur Unterdrückung der Bevölkerung missbraucht würde.

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    Die Gefahr besteht für Soros heute mehr denn je. Immer wieder hat er auf die Bedrohung der offenen Gesellschaft in den westlichen Demokratien durch totalitäre Staaten hingewiesen – und damit meist recht behalten. Der russische Präsident Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jingping bilden für ihn dabei die größte Gefahr.

    Soros: Putin und Xi Jinping haben extreme Fehler gemacht

    Die beiden Autokraten hätten „haarsträubende Fehler“ gemacht, so Soros. „Putin erwartete, in der Ukraine als Befreier gefeiert zu werden; Xi Jinping hält an einer Null-Covid-Politik fest, die unmöglich aufrechterhalten werden kann.“

    Die anhaltenden Abriegelungen im Reich der Mitte würden die Lieferketten unterbrechen, was die Inflation in der ganzen Welt hochhalten und eine globale Depression auslösen könnte, sagte Soros. „Xi wird mit dieser Politik scheitern. Und das kann ihn seine dritte Amtszeit kosten“, sagte Soros voraus.

    Droht das Ende der menschlichen Zivilisation? Über die Folgen von Klimawandel und Kriegen wird in Davos kontrovers gestritten. dpa

    Gewitterwolken

    Droht das Ende der menschlichen Zivilisation? Über die Folgen von Klimawandel und Kriegen wird in Davos kontrovers gestritten.

    Kritik gab es aber auch für die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Deutschland bezahlt heute einen hohen Preis dafür, dass Merkel mit Russland Energiegeschäfte abgeschlossen hat und China zum größten Exportmarkt für die deutsche Wirtschaft werden ließ.“

    Es werde „eine lange Zeit“ brauchen, um Deutschland aus diesen Abhängigkeiten zu befreien. Merkels Nachfolger Olaf Scholz scheine „am Ende immer das Richtige zu tun“, so der frühere Hedge-Fonds-Manager, dessen Privatvermögen auf mehr als acht Milliarden Dollar geschätzt wird.

    Soros ist nicht der einzige Unheilsprophet in Davos. „Es gibt inzwischen drei R-Wörter, die uns Sorgen machen“, sagte zum Beispiel Citibank-Chefin Jane Fraser mit Blick auf Russland, Rates (steigende Zinsen) und eine möglicherweise drohende Rezession.

    Können uns neue Technologien vor der Klimakatastrophe bewahren? imago images/Jan Eifert

    Untergehende Sonne

    Können uns neue Technologien vor der Klimakatastrophe bewahren?

    „Die geopolitische Rezession macht die Lösung dieser Probleme nicht einfacher“, sagte Ian Bremmer, Chef der amerikanischen Denkfabrik Euraisa Group, in Anspielung auf den wachsenden Nationalismus und die sinkende Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit.

    Siemens-Aufsichtsratschef Jim Snabe: Neue Technologien sind Antwort auf Klimawandel

    Es gibt aber auch Optimisten in Davos. Zu ihnen gehört der frühere SAP-Chef Jim Snabe. „Wir dürfen unser wichtigstes Ziel, die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft, nicht aus den Augen verlieren“, forderte Snabe.

    Neue Technologien sind für ihn die Antwort auf den Klimawandel. „Wir werden bald in der Lage sein, diese Technologien zu einem wirtschaftlichen Preis anzubieten.“ Viele Unternehmen würden bereits massiv investieren, um ihre globalen Lieferketten „grüner“ zu machen.

    „Ich werde Davos nicht mit dem Gedanken verlassen, dass wir in eine Ära der Deglobalisierung eintreten“, so der Manager weiter. Schon die Diversifizierung der Lieferketten erfordere mehr und nicht weniger internationalen Handel. Wichtig sei, dass es eine Vision für eine grüne Wirtschaft gebe und dann genug Führungsstärke, diese dann auch schrittweise umzusetzen.

    Als Beispiel nannte Snabe den Wiederaufbaufonds der EU nach der Pandemie, der mit den Themen Klimaschutz und Digitalisierung die richtigen Signale sende.

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