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22.07.2019

17:50

Wolodimir Selenski

Warum der ukrainische Wahlsieger ein zweifelhafter Korruptionsbekämpfer ist

Von: Mathias Brüggmann

Der Präsident der Ukraine kann nun mit absoluter Mehrheit regieren. Er verspricht, das Land aus der Korruption zu führen. Doch Kritiker bezweifeln das.

Dem 41-Jährigen gelang ein beispielloser Wahlerfolg. imago images / photothek

Wolodymyr Selenski

Dem 41-Jährigen gelang ein beispielloser Wahlerfolg.

Kiew Im weit geöffneten Hemd und sichtlich gut gelaunt erscheint Wolodimir Selenski am Sonntag zur Wahlparty seiner Partei „Diener des Volkes“. Dabei ist das einem Staatsoberhaupt verboten, solange noch die Wahllokale geöffnet sind. Der Jurist weiß das einerseits ganz genau, andererseits ist es ihm aber egal. Er kann damit zeigen, wie er es mit den Gesetzen in der Ukraine hält. Es ist dieses rebellische Verhalten gegenüber dem Bestehenden, das gut ankommt bei seinen Wählern.

Für Selenski wurde die ukrainische Parlamentswahl zum Triumph auf der ganzen Linie. Seine proeuropäische Partei kann nun mit absoluter Mehrheit allein regieren. Mit dieser starken Mehrheit, so sein Versprechen, will er wichtige Reformen angehen, den Krieg in der Ostukraine beenden und das Land aus der Krise führen. Bei der Abstimmung wurde eine ganze Abgeordnetengeneration abgewählt, die in den vergangenen 20 Jahren das politische Geschehen in dem Krisenland mitbestimmte.

Der Name seiner Partei stammt von der gleichnamigen Fernsehserie „Diener des Volkes“. Selenski spielt darin den Geschichtslehrer Wasyl Holoborodko, der überraschend zum Präsidenten gewählt wird und sein Land aufräumt. Nun will der aus einer jüdischen Akademikerfamilie in der Industriestadt Krywy Risch (Krummes Horn) stammende Komiker das Skript wahr werden lassen.

Gerätselt wird, wie es Selenski mit den Oligarchen hält. Denn seinem Volk verspricht er das Ende von Korruption und Oligarchenherrschaft. Zugleich warnen westliche Diplomaten in Kiew und Unternehmer, die lieber unbekannt bleiben wollen, vor seiner Nähe zu Ihor Kolomojski.

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    Er ist der Besitzer der größten Bank des Landes und des TV-Senders 1+1. Vier Tage vor Selenskis Amtseinführung ist Kolomojski aus dem Exil in Israel heimgekehrt. „Wir beobachten das mit Sorge“, sagt der Vertreter eines Konzerns.

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