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10.08.2018

02:35 Uhr

Zollstreit

USA und Japan ringen um Kompromiss in Handelsgesprächen

VonMartin Kölling

Die USA drohen Japan mit Autozöllen. Damit will die Trump-Regierung Tokio zu einem bilateralen Freihandelsabkommen bewegen. Doch Japan hat andere Pläne.

Zollstreit: USA und Japan ringen um Kompromiss AFP

Shinzo Abe und Donald Trump

Der US-Präsident trat kurz nach seiner Amtsübernahme aus dem transpazifischen Partnerschaftsabkommen TPP aus.

TokioDie USA wollen Japan in Verhandlungen zu einem bilateralen Freihandelsabkommen zwingen, um so gemeinsam mehr Druck auf China aufbauen zu können. Nach dem Auftakt hat Japans Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi seine Gespräche mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer am Donnerstag als offenen Meinungsaustausch bezeichnet. Beide Seiten strebten rasche Ergebnisse an, sagte Motegi. Die Beratungen sollten am Freitag fortgesetzt werden.

Motegi bezeichnete multilaterale Gespräche als besten Weg, um Handelsfragen anzugehen. Lighthizers Amt erklärte, es habe einen konstruktiven Meinungsaustausch gegeben. Doch Zollsenkungen für landwirtschaftliche Produkte, vor allem Fleisch, stoßen in Japan auf großen Widerstand. Das asiatische Land leistet generell harten Widerstand, wenn es um die Senkung von Schutzzöllen für die eigenen Bauern geht.

Japan versucht weiter, ein bilaterales Abkommen abzublocken. Die Regierung von Shinzo Abe wirbt darum, dass die USA wieder in das multilaterale transpazifische Partnerschaftsabkommen TPP beitreten. US-Präsident Donald Trump war kurz nach seiner Amtsübernahme im Januar 2017 aus dem Freihandelsabkommen ausgetreten. Die japanische Regierung will keine Zugeständnisse machen, die über die Regelungen in der TPP hinausgehen.

Kurz nach den Gesprächen konnte die Regierung in Tokio noch gute Nachrichten für die Wirtschaft verkünden. Die Konjunktur hat die Schwächephase zum Jahresauftakt überwunden, die Wirtschaft ist wieder kräftig gewachsen. Im zweiten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,9 Prozent gewachsen.

Experten hatten mit einer Rückkehr zum Wachstum gerechnet, allerdings nur ein Plus von 1,4 Prozent erwartet. Getragen wurde das deutliche Wirtschaftswachstum vor allem von höheren Investitionen der Unternehmen, die vor allem viel Geld für neue Technik ausgegeben haben. Aber auch der Konsum wuchs um 0,7 Prozent – dieser war im ersten Quartal noch rückläufig.

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Im Handelsstreit fühlt sich Japan zu Unrecht von Trump an den Pranger gestellt. Denn seit dem ersten US-japanischen Handelskrieg in den 1980er Jahren haben besonders die Autohersteller massiv in den USA in Fabriken und Entwicklungszentren investiert. Allein Toyota betreibt zehn Fabriken und will in den kommenden fünf Jahren weitere zehn Milliarden US-Dollar investieren.

Beide Parteien verstünden die Bedingungen der jeweils anderen Seite für weitere Gespräche. Die japanischen Unterhändler schlagen vor, dass ein noch zu gründender Staatsfonds Teile von Japans Ersparnissen teilweise in amerikanische Infrastrukturprojekte investiert. Ein weiteres Lockmittel: Japan könnte mehr verflüssigtes Erdgas und Waffen in den USA kaufen.

Aber noch ist offen, ob sich Japan mit diesen Angeboten aus Trumps Vorschlag für ein bilaterales Freihandelsabkommen freikaufen kann. Denn Trump hat ein massives Druckmittel in der Hand: 20- bis 25-prozentige Einfuhrzölle für Autos und Bauteile. Obwohl die Japaner schon einen Großteil ihres US-Absatzes in Nordamerika produzieren, sind diese Waren noch immer Japans wichtigstes Exportgut im transpazifischen Handel. Daher warnte die Ratingagentur Moody's am Donnerstag, dass die Gewinnmargen japanischer Autobauer „deutlich fallen“ würden, falls Trump seine Drohung wahr macht.

Prozentual würde Japans Gewinnmeister Toyota am wenigsten leiden. Der derzeit profitabelste Großserienhersteller der Welt könnte etwa ein Drittel seines für 2018 vorhergesagten Gewinns einbüßen, besagt eine grobe Schätzung von Moody's. Doch immerhin verfügt das Unternehmen mit einer Gewinnmarge von 9,3 Prozent im vergangenen Quartal über einen großen finanziellen Puffer. Lokalrivale Honda hingegen würde seinen Gewinn etwa zur Hälfte einbüßen, Renault-Partner Nissan fast gänzlich.

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Analysten warnen, dass dies den gesamten japanischen Aktienmarkt nach unten reißen könnte. Dieses Horrorszenario will Japans Regierung vermeiden. Beide Seiten arbeiten dabei unter Druck. Kommenden Monat wird Abe den US-Präsidenten am Rande einer Uno-Vollversammlung treffen. Bis dahin wollen die Unterhändler sich wenigstens grundsätzlich einigen.

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