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16.03.2021

12:17

Konjunktur

Die wirtschaftliche Lage ist besser, als der Lockdown-Frust vermuten lässt

Von: Donata Riedel

Das Statistische Bundesamt erwartet keinen dramatischen Wachstumseinbruch für das erste Quartal 2021.

Die „produktionsnahen Bereiche“ wurden vom zweiten Lockdown längst nicht so hart getroffen wie vom ersten Lockdown vor einem Jahr. dpa

Konjunktur

Die „produktionsnahen Bereiche“ wurden vom zweiten Lockdown längst nicht so hart getroffen wie vom ersten Lockdown vor einem Jahr.

Berlin Der zweite Lockdown hat die Wirtschaftserholung zum Jahreswechsel zwar gestoppt. Aber: „Ein erneuter drastischer Einbruch der Wirtschaftsleistung ist im ersten Quartal 2021 aufgrund der aktuell vorliegenden Konjunkturindikatoren nicht zu erwarten.“ Davon jedenfalls geht Albert Braakmann aus, Konjunkturchef des Statistischen Bundesamts.

Die amtlichen Statistiker haben am Dienstag eine wirtschaftliche Lageeinschätzung veröffentlicht (www.destatis.de). Daraus lässt sich zwar nicht ablesen, ob das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im noch laufenden Quartal leicht schrumpfen, stagnieren oder womöglich sogar leicht wachsen wird: All diese Ergebnisse sind laut Braakmann möglich.

Für Wirtschaftspessimismus sehen die Statistiker jedoch keinen Anlass: Die wirtschaftliche Lage ist besser, als der Lockdown-Frust vermuten lässt.

Das liegt zum einen an der Industrie. Die „produktionsnahen Bereiche“ wurden vom zweiten Lockdown längst nicht so hart getroffen wie vom ersten Lockdown vor einem Jahr.

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    Dass die Produktion im Dezember und Januar leicht zurückging, lag demnach an Sondersituationen im Baugewerbe, das unter der Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung und dem Wetter litt, sowie in der Autoindustrie, der Zulieferungen von Halbleiterkomponenten fehlten.

    Die Pkw-Produktionszahlen im Februar würden bereits darauf hindeuten, dass dieser Rückgang nur von kurzer Dauer gewesen sei. Auch in der Baubranche seien „keine Anzeichen für einen längeren Abwärtstrend auszumachen“, so die Statistiker.

    Im Gegenteil: Die chemische Industrie und der Maschinenbau blieben auch zu Jahresbeginn auf Wachstumskurs. Die Auftragseingänge sind im verarbeitenden Gewerbe vielversprechend, und auch Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima und die Ifo-Exporterwartungen nähren die Aufschwungshoffnungen für den weiteren Jahresverlauf. Die Statistiker rechnen daher mit einer weiteren kontinuierlichen Industrieerholung.

    Der Innenstadt-Einzelhandel leidet

    Schlechter sieht es demgegenüber in den konsumnahen Wirtschaftszweigen aus und teils dramatisch in den von Corona-bedingten Schließungen betroffenen Bereichen Innenstadthandel, Gastronomie und Tourismus. Der Einzelhandel im Nicht-Lebensmittel-Bereich schrumpfte im Januar um zweistellige Prozentzahlen gegenüber dem Vorkrisenmonat Februar 2020. Typische Innenstadtgeschäfte für Mode und Schuhe erzielten sogar drei Viertel weniger Umsatz.

    Im Kontrast dazu verzeichnete der Internet- und Versandhandel im Januar Rekordumsätze: Sie lagen um 38,4 Prozent über dem Niveau von Februar 2020.

    Aus dem jüngsten GfK-Konsumklima für Februar schließen die Statistiker, dass die Verbraucher jetzt geradezu darauf warten, die Läden zu stürmen, sobald diese wieder normal öffnen: Die befragten Verbraucher waren so optimistisch wie lange nicht mehr. „Nach einem Jahr pandemiebedingter Zurückhaltung dürften die Verbraucher bereit sein, ihr Geld für Konsumgüter und Dienstleistungen auszugeben“, vermutet Braakmann.

    Allerdings ist noch unklar, wie stark der vorläufige Impfstopp mit Astra-Zeneca und mögliche neue Ausgangsbeschränkungen angesichts der stark steigenden Inzidenzzahlen die Rückkehr zur Normalität weiter hinauszögern. Und was das dann für die geschlossenen Branchen heißt.

    Inflationsraten steigen – wegen drei Sondereffekten

    Die dann womöglich abrupt stark anziehende Nachfrage werde zu steigenden Inflationsraten führen, erwartet Susanne Hagenkort-Rieger, Inflationsexpertin des Statistischen Bundesamts. Aktuell liege die Inflationsrate auf Vorkrisenniveau. „Dies ist vor allem Sondereffekten geschuldet“, sagte sie und nannte als Ursachen für aktuell steigende Preise das Ende der Mehrwertsteuersenkung, die neue CO2-Abgabe und die steigenden Ölpreise.

    Der Mehrwertsteuereffekt könnte in diesem Jahr eine preistreibende Auswirkung von einem Prozentpunkt, die beiden anderen Effekte von je einem halben Prozentpunkt haben. Zudem sei zu erwarten, dass ab Juli die Inflationsraten im Jahresvergleich wegen des Basiseffekts hoch aussehen würden: Denn im zweiten Halbjahr 2020 war die Inflationsrate in Deutschland durchgehend negativ.

    Wichtig für das Tempo der Erholung ist aus Sicht der Statistiker auch, ob die 730.000 Menschen, die seit Pandemiebeginn aus der Erwerbstätigkeit gefallen sind, dauerhaft arbeitslos bleiben oder neue Jobs finden. Ohne die Kurzarbeit jedenfalls sähe es am Arbeitsmarkt erheblich schlechter aus, sagte Braakmann.

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