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26.03.2021

10:16

Konjunktur

Höchster Wert seit Juni 2019: Ifo-Geschäftsklimaindex steigt deutlich

Von: Donata Riedel

Deutschlands Wirtschaft zeigt sich laut der Umfrage trotz des Dauer-Lockdowns erstaunlich robust. Hauptgrund ist die gut laufende Exportwirtschaft.

Die Industrie stützt die deutsche Wirtschaft. dpa

Daimler-Werk in Sindelfingen

Die Industrie stützt die deutsche Wirtschaft.

Berlin Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im März kräftig gestiegen. Er legte von 92,7 auf 96,6 Punkte zu. „Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich verbessert. Dies ist der höchste Wert seit Juni 2019“, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest. „Die Wirtschaft startet zuversichtlich in den Frühling“, betonte er. 

Für das Geschäftsklima befragt das Ifo-Institut monatlich 9000 Unternehmenschefs. Es gilt als zuverlässiger Frühindikator für die deutsche Konjunktur. 

Die Befragten waren sowohl mit ihrer aktuellen Lage zufriedener – der Index stieg hier von 90,6 auf 93 Punkte – als auch mit ihren Zukunftsaussichten: Dieser Teilindex legte von 95 auf 100,4 Punkte zu.

Die Industrie ist demnach so optimistisch wie zuletzt 2010. In allen Industriebereichen stünden die Zeichen auf Aufschwung. Sogar bei den Dienstleistern stiegen die Zufriedenheit mit der Lage und der Optimismus mit Blick auf die nächsten sechs Monate.

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    Selbst im Handel sind Lage und Aussicht nicht mehr nur trübe, außer in weiten Teilen des Einzelhandels – mit Ausnahme von Supermärkten und dem Fahrradhandel. 

    Dass die Zeichen trotz des Dauer-Lockdowns auf Aufschwung stehen, zeigte bereits am Mittwoch die Einkaufsmanager-Umfrage des IHS-Markit-Instituts. Sie war allerdings vor der letzten Lockdown-Verlängerung abgeschlossen worden.

    Demnach legte die deutsche Wirtschaftsleistung im März stark zu, vor allem die exportstarke Industrie. „Zahlreiche Industriebetriebe konnten mit der Nachfrage nicht Schritt halten, was eine Rekordzunahme des Auftragsbestands nach sich zog“, so IHS-Markit-Ökonom Phil Smith.

    Ein Miniwachstum registrierte IHS Markit erstmals seit September auch wieder für den Servicesektor. Auch dessen Aussichten beurteilten die Unternehmen wieder besser, und der Stellenaufbau gewann an Fahrt. Aus Sicht von Smith zeige die deutsche Wirtschaft „einen bemerkenswerten Aufschwung. Es besteht die Aussicht, dass das erste Quartal 2021 besser ausfallen wird als erwartet.

    Konjunkturforscher waren zuletzt pessimistischer

    Die Erwartungen an den Jahresanfang waren zuletzt allerdings stark eingetrübt gewesen: Die meisten Konjunkturforscher in Deutschland rechneten in ihren Frühjahrsprognosen zuletzt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal: um 0,7 bis zwei Prozent. Ursache: der Langzeit-Lockdown, der Geschäfte, die Gastronomie, den Tourismus, Veranstaltungen und personennahe Dienstleistungen betrifft.

    Allerdings stehen diese Bereiche nur für – je nach Abgrenzung – fünf bis sieben Prozent der Wirtschaftsleistung, während die Industrie 24 Prozent ausmacht. Ein Boom der Exportwirtschaft könnte daher tatsächlich das Minus der geschlossenen Branchen gesamtwirtschaftlich ausgleichen.

    Für einen anhaltenden Industrie-Aufschwung spricht, dass der Welthandel bereits wieder über sein Vor-Corona-Niveau hinausgewachsen ist und dass China und die USA kräftige Wachstumsraten verzeichnen. Sie sind damit zur Konjunkturlokomotive auch für Deutschland und die restliche EU geworden.

    Langer Lockdown zerstört Wirtschaftsstrukturen

    Da der Lockdown abermals verlängert wurde und es bis zur Herdenimmunität durchs Impfen wohl mindestens bis Juli dauern wird, gehen die meisten Konjunkturforscher von einer Verschiebung des Aufschwungs auf die zweite Jahreshälfte aus.

    Sie senkten deshalb im März ihre Konjunkturprognosen für 2021: Die pessimistischeren Institute wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnen wie die Bundesregierung nur mehr mit drei Prozent Wachstum in diesem Jahr. Die optimistischeren, wie das Ifo-Institut und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), trauen dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Wachstum von 3,7 Prozent zu.

    Grafik

    Weil viele Bereiche bereits seit Längerem geschlossen sind, fürchten inzwischen allerdings viele Experten, dass die konsumnahen Branchen dauerhaft in ihrer Struktur geschädigt werden. So meldete der Handelsverband HDE am Freitag Umsatzverluste von 35 bis 40 Milliarden Euro nach den bisher 100 Tagen des zweiten Lockdowns.

    Die erneute Verlängerung bis 18. April sorge pro geschlossenem Verkaufstag für weitere Verluste von bis zu 700 Millionen Euro. „Ein Großteil der Branche befindet sich in existenziellen Schwierigkeiten“, so der Verband.

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