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19.08.2022

11:42

Konjunktur

Plus 37,2 Prozent: Erzeugerpreise steigen im Rekordtempo

Von: Julian Olk

Im Juli sind die Erzeugerpreise aufgrund der hohen Energiekosten so stark angestiegen wie noch nie. Das werden bald auch die Verbraucher spüren.

Die hohen Energiepreise treiben die Erzeugerpreise weiter in die Höhe. IMAGO/Michael Gstettenbauer

Strommast

Die hohen Energiepreise treiben die Erzeugerpreise weiter in die Höhe.

Berlin In Deutschland steigen die Preise für gewerbliche Produkte wieder im Rekordtempo. Angeheizt von hohen Energiepreisen haben sich die Erzeugerpreise im Juli um 37,2 Prozent erhöht, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Es war der stärkste Anstieg innerhalb eines Jahres seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Im Juni hatte sich der Preisauftrieb noch etwas verlangsamt. Die Veränderungsrate lag damals bei 32,7 Prozent. Im Vormonatsvergleich erhöhten sich die Erzeugerpreise im Juli nun um 5,3 Prozent. Auch dieser Wert ist ein Rekord.

Getrieben wird die Entwicklung nach wie vor durch die Energiepreise, die im Jahresvergleich um 105 Prozent stiegen. Erdgas war rund 163,8 Prozent teurer als vor einem Jahr. Kraftwerke zahlten für Erdgas sogar 234,7 Prozent mehr, Industrieabnehmer 194,7 Prozent.

Strom verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 125,4 Prozent und Mineralölerzeugnisse um 41,8 Prozent. Hohe Preissteigerungen gab es auch bei vielen Vorleistungsgütern, vor allem bei Metallen und chemischen Grundstoffen wie Düngemitteln und Stickstoffverbindungen.

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    Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Preissteigerungen auch bei den Verbrauchern und damit in der Inflationsrate ankommen. Die Produzentenpreise sind der wohl wichtigste Vorläufer für die Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt – noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen.

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    Die Inflationsrate, die die Preise für die Endverbraucher widerspiegelt, hatte im Juli bei 7,5 Prozent über dem Vorjahr gelegen, nachdem sie im Mai mit 7,9 Prozent den höchsten Stand seit dem Winter 1973/1974 erreicht hatte.

    Ein Drittel könnte in der Inflationsrate ankommen

    Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket drücken derzeit die Teuerung für die Verbraucher, doch diese staatlichen Hilfen laufen am Monatsende aus. Experten rechnen deshalb im Herbst mit höheren Inflationsraten von um die neun Prozent.

    „Gerade in Phasen hoher Inflation funktioniert folgende Daumenregel recht gut: Die Erzeugerpreise kommen verzögert zu einem Drittel in den Verbraucherpreisen, also der Inflationsrate, an“, erklärt der Ökonom Lars Feld, Präsident des Freiburger Eucken-Instituts.

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    Demnach würde die Inflationsrate in den nächsten Monaten auf mehr als zwölf Prozent steigen. Hinzu kommen könnten noch Effekte durch die Gasumlage. Ab Jahresende soll diese die Inflation um einen weiteren Prozentpunkt erhöhen. Ein Teil davon wird die am Donnertag angekündigte Mehrwertsteuersenkung auf Gas aber wieder ausgleichen.

    Auch der I-Index, anhand von medialer Berichterstattung entwickelter Frühindikator für die Inflation von Handelsblatt und TU Dortmund, deutet auf wieder anziehende Inflationsraten hin. Der I-Index erreichte im Juni einen Wert von 16 Prozent. Das bedeutet, in mehr als jedem sechsten veröffentlichten Zeitungsartikel spielte das Thema Inflation eine Rolle. Damit war er im Vergleich zum Vormonat um fast drei Prozentpunkte gestiegen. Vor einem Jahr lag der Index noch bei fünf Prozent.

    Der I-Index speist sich aus detaillierten Einblicken in die Erwartungen von Verbrauchern und Unternehmen und kann so als Frühwarnsystem fungieren. Diese Inflationserwartungen sind entscheidend für die Frage, ob das Inflationsgeschehen vorübergeht oder anhält.

    mit Agenturmaterial

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