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30.11.2022

14:55

Konjunktur

Zahl der Arbeitslosen sinkt nur leicht – Beschäftigung steigt auf Rekordwert

PremiumObwohl die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt besser ausfallen könnte, arbeiten so viele Menschen wie nie zuvor - und das Ifo-Beschäftigungsbarometer zeigt steigende Einstellungsbereitschaft.

Ohne Saisonbereinigung ist die Zahl der Arbeitslosen leicht gestiegen. dpa

Mitarbeiterin in der Herstellung von elektrischen Bauteilen

Ohne Saisonbereinigung ist die Zahl der Arbeitslosen leicht gestiegen.

Wiesbaden, Nürnberg, Berlin Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im November dank einer leichten Herbstbelebung zurückgegangen – allerdings weniger stark als in früheren Jahren. Sie sank im November leicht um 8000 auf 2,434 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Dies seien 117.000 mehr als vor einem Jahr.

Die Arbeitslosenquote betrage 5,3 Prozent. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen legte die Erwerbslosenzahl indes von Oktober auf November um 17.000 zu.

„Insgesamt ist der Arbeitsmarkt stabil“, sagte BA-Vorstand Daniel Terzenbach in Nürnberg. „Zwar sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung saisonbereinigt erneut gestiegen und Kurzarbeit nimmt wieder zu, die Beschäftigung wächst aber deutlich.“

Bei der Kurzarbeit stellt die Bundesagentur wieder einen Anstieg fest. Vom 1. bis 24. November hätten Arbeitgeber für 82.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt.

Daten über tatsächlich ausgezahltes Kurzarbeitergeld liegen nur bis September vor. In dem Monat zahlte die Bundesagentur Kurzarbeitergeld für 157.000 Beschäftigte. Das sind mehr als doppelt so viele wie im August.

In der Industrie herrscht noch leichte Zurückhaltung

Die Einstellungsbereitschaft der Betriebe sei weiterhin hoch, habe sich aber etwas abgeschwächt, teilte die Bundesagentur weiter mit. Im November waren demnach 823.000 offene Stellen gemeldet, 15.000 mehr als noch vor einem Jahr. Saisonbereinigt habe sich der Bestand jedoch gegenüber Oktober verringert.

Das Ifo-Beschäftigungsbarometer, das monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet wird, ist im November nach sechs Rückgängen in Folge erstmals wieder gestiegen – auf 99,6 Punkte, nach 97,8 Zähler im Oktober. „Vor dem Hintergrund der abnehmenden Unsicherheit könnte die Zahl der Beschäftigten in Deutschland weiter steigen“, kommentierte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe die Ergebnisse des Barometers, das auf den Beschäftigungsabsichten von rund 9000 Unternehmen beruht. Fachkräftemangel werde ein dauerhaftes Problem bleiben.

In der Industrie herrscht noch eine gewisse Vorsicht bei der Aufstockung des Personalbestands, auch wenn der Teilindikator für das Verarbeitende Gewerbe erstmals nach fünf Monaten wieder gestiegen ist. Bei den Dienstleistern ist es laut Ifo vor allem die Gastronomie, die Mitarbeiter sucht, wie auch Terzenbach sagte, aber auch die IT-Branche stellt ein. Im Handel sei dagegen weiter mit Entlassungen zu rechnen, sagte Wohlrabe.

Rund 60.000 Ukrainer arbeiten sozialversicherungspflichtig

Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben weiterhin Flüchtlinge aus der Ukraine. Nach Angaben der Bundesagentur sind derzeit 189.000 Menschen aus der Ukraine arbeitslos. Rund 620.000 Menschen aus der Ukraine seien in der Grundsicherung, davon 200.000 Kinder. 59.000 Ukrainer seien bis September sozialversicherungspflichtig beschäftigt worden, 18.000 weitere in Minijobs.

Trotz der erwarteten Winterrezession ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland auf einen Rekordwert gestiegen. Im Oktober gingen 45,7 Millionen Personen einer Arbeit nach, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Damit wurde der erst im Vormonat erreichte Höchststand um 113.000 oder 0,2 Prozent übertroffen. Der Zuwachs lag damit leicht über dem Oktober-Durchschnitt der drei Vorkrisenjahre 2017 bis 2019 von 97.000 Personen. Verglichen mit dem Vorjahresmonat ergibt sich sogar ein Anstieg von 428.0000 oder 0,9 Prozent.

Forscher sehen Vorsicht auf dem Arbeitsmarkt

Für das laufende Winterhalbjahr rechnen die meisten Ökonomen mit einer Rezession. Dadurch dürfte die Dynamik am Arbeitsmarkt nachlassen. Viele Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter aber trotz der schwierigen Wirtschaftslage halten. Grund dafür ist der Fachkräftemangel, der sich nach Prognosen von Experten in den kommenden Jahren deutlich verschärfen dürfte.

Allein in den sogenannten MINT-Berufen Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fehlen nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aktuell 326.100 Personen, um alle angebotenen Stellen zu besetzen. Dies liegt deutlich über dem Oktober-Wert von 263.000 im Jahr 2019 vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

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