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09.09.2022

15:39

Nach dem Tod von Queen Elizabeth II

Thronfolger Charles wird zum neuen König des Vereinigten Königsreichs

Mit dem Tod von Queen Elizabeth II. ist ihr Sohn Charles zum König geworden. Was bedeutet das für die britischen Royals und das Vereinigte Königreich?

König Charles III AP

Charles ist jetzt König

Die erste Aufgabe des neuen Königs ist es, die neuntägigen Trauerfeierlichkeiten für seine Mutter zu leiten.

London Die Königin ist tot, es lebe der König! Dieser Spruch trifft auch auf die britische Monarchie zu, denn auf dem Thron darf es keine Vakanz geben. Der einst als „ewiger Thronfolger“ belächelte Charles ist nach dem Tod seiner Mutter Elizabeth II. mit 73 Jahren König geworden. Niemand hat so lange auf den Thron gewartet wie er.

In Umfragen hieß es früher, die Briten hätten es lieber, wenn Charles seinem Sohn William den Thron überließe. Doch ernsthaft war das nie eine Option und die Stimmung änderte sich. Auch im Selbstverständnis der Royals kommt das nicht vor. Die Briten werden künftig „God Save The King“ singen. Und dieser King heißt offiziell Charles III.

Das bestätigte der Palast in London, nachdem ihn bereits die britische Premierministerin Liz Truss so genannt hatte. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, der bisherige Thronfolger könne einen seiner anderen drei Vornamen wählen. Der 73-Jährige heißt mit vollem Namen Charles Philip Arthur George.

König Charles III: Der Thronfolger ist jetzt König des Vereinigten Königreichs

Dass seine Frau Camilla Königin (Queen Consort) wird, hatte die Queen erst zu Beginn dieses Jahres als ihren ausdrücklichen Wunsch festgelegt. Es ist ein Titel, den zuletzt die Mutter Elizabeths, die vor 20 Jahren gestorbene Queen Mum, getragen hatte.

Die erste Aufgabe des neuen Königs ist es, die neuntägigen Trauerfeierlichkeiten für seine Mutter zu leiten. Einem Bericht des „Guardian“ zufolge wird er nach seiner Proklamation zunächst auf eine Tour durch die vier Landesteile des Vereinigten Königreichs - England, Schottland, Wales und Nordirland – aufbrechen, bevor er nach London zurückkehrt.

Großbritannien

Ewiger Thronfolger Charles ist neuer britischer König

Großbritannien: Ewiger Thronfolger Charles ist neuer britischer König

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Es ist nicht viel darüber bekannt, wie Charles sein Amt ausüben wird. Spekuliert wird, dass er sich mehr in politische Dinge einmischen will – obwohl das in der britischen Monarchie nicht vorgesehen ist. Das Thema Klimawandel liegt ihm jedenfalls sehr am Herzen. Auch eine Modernisierung des Königshauses dürfte auf seiner Agenda stehen. Er wolle den Kreis der aktiven Mitglieder verkleinern, hieß es in Medienberichten. Auch über einen Verzicht auf den Buckingham-Palast als ständige Residenz wurde spekuliert.

Wird er das Gewissen der Nation? Ein Biobauer, der immer wieder seine Meinung zu politischen Themen zum Besten gibt? Aus seinem Umfeld hieß es einmal, Charles empfinde die Aussicht auf den Thron als „Gefängnis“. Er wollte sein Leben nicht mit Ordensverleihungen vertrödeln, sondern Probleme angehen.

„Solange ich denken kann, habe ich dieses außergewöhnliche Gefühl, heilen und die Dinge verbessern zu wollen“, sagte er einmal. Charles schreckte im Gegensatz zu Königin Elizabeth II. nie davor zurück, Position zu beziehen. Er kämpfte gegen den Klimawandel, stoppte umstrittene Bauvorhaben und half armen Jugendlichen.

Die verstorbene Königin und ihr Sohn im Juni 2022. dpa

Queen Elisabeth II. und Charles

Die verstorbene Königin und ihr Sohn im Juni 2022.

In Notizen - wegen seiner krakeligen Handschrift auch Schwarze-Spinnen-Memos genannt – versuchte der Thronfolger, Regierungsmitglieder zu beeinflussen und brockte sich damit Ärger ein. Als König, so fürchteten Beobachter früher, hätte er mit seinen Standpunkten und Einflussnahmen sogar die Nation spalten können. Beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in London blieb er dem Bankett im Buckingham-Palast demonstrativ fern. Das wurde als Protest gegen die Menschenrechtsverstöße in dem Land gedeutet.

So berichtet das Handelsblatt über den Tod von Queen Elizabeth II. :

1996 ließen sich Charles und Diana scheiden. dpa

Charles, Königin Elizabeth und Diana

1996 ließen sich Charles und Diana scheiden.

Besonders übel nahmen ihm die Briten, wie er mit seiner ersten Ehefrau Diana umging, der Königin der Herzen. Schon kurz nach der Verlobung sorgte die Antwort des Paares, auf die Frage, ob es verliebt sei, für Stirnrunzeln: Sie platzte mit einem „Ja, natürlich!“ heraus, er sagte: „Was auch immer Verliebtsein heißen mag.“

Nach der Hochzeit betrog er die makellos schöne Diana mit seiner Jugendliebe Camilla Parker Bowles, die von einigen britischen Medien als Rottweiler verspottet wurde. Ein Rosenkrieg begann. Als auf Tonbandmitschnitten zu hören war, dass Charles als Tampon Camillas wiedergeboren werden wollte, war für viele Briten Charles als künftiger König undenkbar.

Prinz Charles: Ruf als verwöhnter Eigenbrötler

1996 ließ das Paar sich scheiden. Nur ein Jahr später starb Diana bei einem Autounfall in Paris. 2005 heiratete Charles Camilla. Die beiden verschafften sich – ganz langsam, aber stetig – durch seriöses Auftreten und viel Fleiß wieder Respekt. Der Thronfolger vertrat seine Mutter bei unzähligen Terminen, reiste als Botschafter durch Europa, um die vom Brexit verstörten europäischen Partner zu besänftigen und war volksnäher als je zuvor. Privat geht das Paar wandern und fischen, abseits der Glitzerwelt.

Camilla wird Königin (Queen Consort). Die Queen hatte das erst zu Beginn dieses Jahres als ihren ausdrücklichen Wunsch festgelegt. dpa

Camilla und Charles

Camilla wird Königin (Queen Consort). Die Queen hatte das erst zu Beginn dieses Jahres als ihren ausdrücklichen Wunsch festgelegt.

Charles' Ruf als verwöhnter Eigenbrötler, der mit Blumen spricht, ist er nie ganz losgeworden. Traumanalysen, spirituell geprägte Erlebnisse in der Kalahari-Wüste, seine Beschäftigung mit dem islamischen Sufismus - das mag etwas suspekt klingen.

Sally Bedell Smith beschreibt ihn in ihrer Biografie als „hoffnungslos dünnhäutig“ und intolerant gegenüber abweichenden Meinungen, aber auch als Freigeist mit außerordentlichem Sinn für Ästhetik. Die US-Journalistin Catherine Mayer zeichnet in ihrem Buch das Bild eines Top-Unternehmers, der auch viel Neid und Missgunst säte. Kurzum: Er ist eine ambivalente Persönlichkeit.

Seit 1952 ist Prinz Charles Thronfolger

Die Ursachen vermutet sein Umfeld auch in seinem eher schwierigen Verhältnis zu den Eltern und in seiner Erziehung. Seine Mutter habe kaum Zeit für ihn und seine drei Geschwister gehabt, beklagte sich Prinz Charles. Oft kränkelnd, nicht gerade sportlich und Angst vor Pferden – die Queen soll ihren Ältesten für einen Spätzünder gehalten haben. Mit dem Alter lernten sie sich aber schätzen.

Der Thronfolger an seinem vierten Geburtstag. dpa

Charles

Der Thronfolger an seinem vierten Geburtstag.

2017 spekulierte der BBC-Spielfilm „King Charles III“, was passieren könnte, wenn die Queen stirbt. Der Inhalt wirkte skurril: Der neue König weigert sich, ein Gesetz zur Einschränkung der Pressefreiheit zu unterschreiben. Das löst eine Verfassungskrise und landesweite Proteste aus. Daraufhin beordert der Film-Charles einen Panzer vor den Buckingham-Palast. Soweit die Fantasie im Fernsehen.

Charles hatte viel Zeit, über seine Rolle nachzudenken. Er ist seit dem 6. Februar 1952 Thronfolger. Er war drei Jahre alt, als seine Mutter Königin wurde und eine Ära begann. Um angemessen in ihre Fußstapfen zu treten, fehlt es dem greisen Monarchen allein schon an Lebenszeit.

Erstpublikation: 08.09.22, 21:40 Uhr.

Von

dpa

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