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01.03.2022

12:48

Russische Militärfahrzeuge fahren in der Stadt Armyansk auf der Krim. Reuters

Russische Militärfahrzeuge auf einer Straße in Armyansk.

Russische Militärfahrzeuge fahren in der Stadt Armyansk auf der Krim.

Ukraine-Krieg

Was will Wladimir Putin in der Ukraine?

Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland schwelt seit 2014. Aber warum will Putin den Krieg? Und was will er in dem Land? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wladimir Putin hat der Ukraine den Krieg erklärt. Russische Panzer rückten über die Grenze vor, Städte werden bombardiert. Es ist die gewaltsame Eskalation eines Konflikts, der bereits 2014 mit der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland begann.

Seit acht Jahren kämpfen pro-russische Milizen im Osten des Landes gegen die ukrainische Armee. Russland bewaffnete die Rebellen und sicherte ihnen Unterstützung zu. Aber warum gibt es nun Krieg in der Ukraine? Alle wichtigen Fragen und Antworten zum Konflikt im Überblick.

Warum will Putin Krieg in der Ukraine?

Die Pläne von Wladimir Putin hinter dem Angriff auf die Ukraine sind bisher nicht abschließend geklärt. Die Ukraine vollständig besetzen wolle Russland nicht, sagte Putin in seiner Kriegserklärung. „Ziel ist der Schutz der Menschen, die seit acht Jahren Misshandlung und Genozid ausgesetzt sind“, sagte Russlands Präsident.

Damit meint er die Bevölkerung der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk. Der Kreml scheint diese Gebiete langfristig einnehmen zu wollen. Kurz vor Beginn der Invasion hatte Moskau die Gebiete offiziell als Volksrepubliken anerkannt.

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    Ukraine-Regierung widerspricht Wladimir Putin

    Die Regierung in Kiew widerspricht der russischen Darstellung. Außenminister Dmitro Kuleba sprach von einem „großangelegten Krieg gegen die Ukraine“.

    Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums will Moskau die „Zerstörung des ukrainischen Staates“, sich des Territoriums der Ukraine bemächtigen und das Land besetzen.

    Carlo Masala, Professor für internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, geht derweil davon aus, dass Putin die Ukraine komplett vom Westen lösen und auf die Seite Russlands ziehen will. „Er spricht davon, die Ukraine zu demilitarisieren und zu entnazifizieren, was letzten Endes darauf abzielt, dass er eine andere Regierung haben will“, erklärt er im Handelsblatt-Interview.

    Putin wolle zudem die ukrainische Armee kampfunfähig machen, sagte Masala. Die Ukraine soll dem Politikwissenschaftler zufolge eine ähnliche Position wie Weißrussland einnehmen: Ein Staat unter der Kontrolle Russlands.

    Mehr zum Krieg in der Ukraine:

    Warum hat Russland die Ukraine angegriffen?

    In seiner Kriegserklärung gab Putin der Ukraine die Schuld am Krieg. Faschisten hätten die Macht in Kiew ergriffen, er wolle das Land „entnazifizieren“ und „entmilitarisieren“. Die Ukraine stelle eine Bedrohung für Russland dar. Sämtliche westlichen Experten halten diese Vorwürfe für komplett konstruiert.

    Zudem hätten die Volksrepubliken Lugansk und Donezk, die im Osten der Ukraine liegen, Russland um die Entsendung von Truppen gebeten, sagte Putin. Auch diese Darstellung ist ein Vorwand.

    Was treibt Wladimir Putin an?

    In einer Rede bezeichnete Putin, der seit dem Jahr 2000 mit Unterbrechung Präsident Russlands ist, den Zerfall der Sowjetunion als „größte Katastrophe des Jahrhunderts“. Vieles in seiner Politik zielt darauf ab, Russlands Status als Großmacht zu erhalten oder auszubauen.

    In einem 2021 vom Kreml veröffentlichtem Essay zweifelt Putin die Legitimität der aktuellen Grenzen der Ukraine und ihren Status als souveräne Nation an. Zudem sei der Bruch zwischen Russland und der Ukraine vom Westen herbeigeführt worden.

    Warum sieht sich Russland von der Nato provoziert?

    Dem westlichen Verteidigungsbündnis schlossen sich nach dem Zerfall der Sowjetunion mehrere ehemalige Länder des Warschauer Paktes an. Diese Osterweiterung umfasste Bulgarien, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen.

    Russland sieht sich von dieser Entwicklung bedroht. Putin forderte das Ende der Osterweiterung der Nato und warnte davor, die Ukraine in das Bündnis aufzunehmen. Die Ukraine ist bisher nur offizieller Partner der Nato.

    Zudem hat der Kreml dem Militärbündnis wiederholt Täuschung vorgeworfen. Moskau beruft sich dabei auf angebliche Zusagen aus den Verhandlungen zum Zwei-plus-vier-Vertrag. Dieser Vertrag legte den Grundstein für die deutsche Wiedervereinigung.

    Damals sei Russland zugesichert worden, dass es keine Osterweiterung der NATO geben werde. Die Nato widerspricht: „Es wurde kein solches Versprechen gegeben, und es wurde nie irgendein Beweis zur Untermauerung der Behauptungen Russlands vorgelegt“, heißt es in einer Erklärung des Bündnisses.

    In einer Rede am 22. Februar 2022 forderte Putin, dass die Nato wieder auf ihre Größe von 1997 schrumpfen müsse. Zudem verlangte Putin von den Bündnisländern, keine Raketenabwehrsysteme zu installieren. Diese hatte das russische Außenministerium zuvor als Gefährdung für das strategische Gleichgewicht bezeichnet.

    Welche Rolle spielt die Krim für Putin?

    Die Krim ist eine Halbinsel mit geografischen Verbindungen zur Ukraine und zu Russland. 1954 wurde die Krim von der Sowjetunion an die damalige „Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik“ angegliedert und blieb auch nach dem Fall der Sowjetunion ein Teil der Ukraine.

    Nach der Absetzung des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch und den Euromaidan-Protesten besetzten russische Truppen 2014 die Krim. Sie installierten zudem eine neue, illegitime Regierung. In einem Referendum, das nicht durch ukrainisches Recht gedeckt war, sprachen sich angeblich 96 Prozent der Teilnehmer für einen Beitritt der Krim zur Russischen Föderation aus.

    Mit der Annexion der Krim brach Russland diverse internationale Verträge, darunter das Budapester Memorandum sowie den erst 2008 verlängerten „Freundschaftsvertrag der Ukraine mit Russland“. Die Annexion wird durch die UN nicht anerkannt.

    Was ist das Minsker Abkommen?

    Das Minsker Abkommen sollte im Jahr 2015 die Grundlage für eine Deeskalation des Konfliktes bilden. Es ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen dem ehemaligen französischen Präsidenten François Hollande, der ehemaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem ehemaligen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und Putin.

    Das Abkommen beinhaltet unter anderem einen Waffenstillstand, den Abzug aller schweren Waffen und den Austausch aller Geiseln. Bereits kurz nach Inkrafttreten brachen beide Seiten die Waffenruhe.

    Als Russlands Präsident Putin die Volksrepubliken Donezk und Lugansk anerkannte, erklärte er gleichzeitig das Minsker Abkommen für aussichtslos. Zudem entsandte er Truppen in die Gebiete der Separatisten. Das Abkommen ist daher hinfällig.

    Von

    Maximilian Zienau

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