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Prostitution in Thailand

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Vergebliche PR-Kampagnen

Der Chef der Polizei von Pattaya, Apichai Krobpetch, sagte der Zeitung "Bangkok Post": "So etwas wie Prostitution gibt es in Pattaya nicht." Mit der Realität ist diese Aussage allerdings nicht vereinbar: In den Bars der Stadt werben junge Damen ganz offen um Kundschaft. In manchen Lokalen sind die Mitarbeiterinnen mit Nummern gekennzeichnet, damit sie von Kunden einfacher ausgewählt werden können. Von der Leugnung der Sexindustrie rückte die Polizei dann auch schnell ab. Nachdem Junta-Chef Prayuth ein hartes Vorgehen gegen Prostitution gelobte, kam es zu Razzien, bei denen zunächst 39 mutmaßliche Sexarbeiterinnen aus Afrika festgenommen wurden. Thailänderinnen wurden nicht verhaftet – so als wollte man demonstrieren, dass Prostitution primär kein thailändisches Phänomen sei.

Tatsächlich blüht die Branche in dem südostasiatischen Land jedoch bereits seit der Zeit des Vietnams-Kriegs, als die US-Armee ihre Soldaten zur Erholung an den Strand von Pattaya schickte. Schätzungen zufolge arbeiten mehr als 100.000 Thailänderinnen als Prostituierte – manche haupt-, andere nebenberuflich. Viele von ihnen stammen aus armen Verhältnissen. Die vergleichsweise gut bezahlten Tätigkeiten im Rotlichtmilieu erscheinen angesichts der Alternativen attraktiv: Fabrikjobs für Geringqualifizierte bringen in der Regel nur umgerechnet 8,50 Euro Mindestlohn pro Tag.

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Die Strafverfolgung der Prostituierten erschien den Behörden, die Bordelle und Go-go-Bars seit langem tolerieren, in den vergangenen Tagen jedoch offenbar nicht mehr als die beste Strategie. Stattdessen starteten die Ordnungshüter eine PR-Kampagne, die eine zentrale Rotlichtstraße zur familienfreundlichen "Happy Zone" erklärte. Zusätzliche Beamte und Überwachungskameras sollen dafür sorgen, dass es zu keinen Gesetzesverstößen kommt.

Doch internationale Medien berichteten, dass bereits in den Nebenstraßen das Sexgewerbe wie gewohnt weiterläuft. Um Thailands Ruf im Ausland zu verbessern, scheint die Aktion, deren offizielles Maskottchen ein lachender Fisch ist, nicht zu helfen. Wenn Thailand sein Sextourismus-Image tatsächlich ablegen will, sollte die Militärregierung von den Schnellschüssen absehen – und stattdessen für mehr Bildung und bessere Jobs in den ärmeren Provinzen sorgen. Nur so wird dem Rotlichtmilieu künftig der Nachwuchs fehlen.

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