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11.07.2018

19:06 Uhr

Thailand

Wie Bangkok die Rettung der Jungen aus der Höhle zu Geld machen will

VonFrederic Spohr

Nach dem Drama in der Tham-Luang-Höhle soll die Region zu einem Touristenmagnet werden. Doch Thailand riskiert sein Image als sicheres Urlaubsland.

Retter installieren in der überfluteten Tham-Luang-Höhle in Thailand ein Pumpensystem. Zwölf jugendliche Fußballer und ihr Trainer waren dort zwei Wochen lang eingeschlossen. Alle konnten gerettet werden. AP

Rettungsaktion in der Höhle

Retter installieren in der überfluteten Tham-Luang-Höhle in Thailand ein Pumpensystem. Zwölf jugendliche Fußballer und ihr Trainer waren dort zwei Wochen lang eingeschlossen. Alle konnten gerettet werden.

BangkokDie Fußballmannschaft kämpfte in der Höhle noch um ihr Leben, da meldete sich Thailands Machthaber Prayuth Chan-ocha schon mit einer Geschäftsidee. Man könnte die Höhle ja zu einer Touristenattraktion machen, forderte der Chef der Militärregierung. „Sie ist jetzt weltberühmt“, sagte Prayuth. „Sie wird ein wichtiger Anziehungspunkt und wir werden daran arbeiten daran, Aktivitäten zu entwickeln“.

Prayuth ist nicht der einzige Offizielle, der schon an einen Businessplan nach der Rettung denkt. Auch die Tourismusbehörde TAT und der Provinzgouverneur rechnen damit, dass die Höhle in den kommenden Monaten und oder vielleicht sogar Jahren zu einer Pilgerstätte für Schaulustige werden könnte.

Zu einer „Hauptsehenswürdigkeit“ soll die Tham-Luang-Höhle nun werden, versprechen die für Vergnügung zuständigen Beamten: Das lokale Tourismusbüro arbeitet nach eigenen Angaben bereits an einer Route, die Touristen zu der nun berühmt gewordenen Höhle führen soll. Der Weg soll auch an Dorfgemeinschaften vorbeiführen, die Tee anbauen und Maulbeerpapier herstellen.

Die Beinahe-Katastrophe im Sommerloch wird so zum Hoffnungsschimmer einer strukturschwachen Region. Zwar hat der Tourismus vielen Thailändern einen bescheidenen Wohlstand gebracht, allerdings vor allem im Süden des Landes. Ganz in den Norden brachten vergleichsweise nur wenige Gäste ihr Geld. Wer hier reich werden wollte, dem blieb lange nur der Drogenanbau oder -schmuggel. Unter dem Namen „Goldenes Dreieck“ wurde die Grenzregion zwischen Thailand, Myanmar und Laos berüchtigt.

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Nun verbinden Millionen Menschen die Gegend plötzlich mit einem vermeintlichen Wunder. Sogar ein Filmteam aus Hollywood streifte zwischen den tausenden Journalisten vor der Höhle umher, um schon einmal Inspiration zu sammeln. Die lokale Tourismusindustrie träumt von einer ähnlichen Wirkung wie bei „The Beach“ mit Leonardo DiCaprio. Der Drehort Maya Beach auf Ko Phi Phi zog anschließend so viele Massen an, dass er dieses Jahr wegen Umweltschäden erstmal geschlossen wurde.

Für Thailand wurde der Tourismus in den vergangenen Jahren immer wichtiger: Während andere Industrien sich kaum noch entwickelten, wurde fast jedes Jahr ein neuer Besucherrekord geknackt. Vor allem die schnell wachsende chinesische Mittelschicht hat das Land für sich entdeckt. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 35 Millionen Gäste ins Land, ein Drittel davon Chinesen.

Mehr als zwölf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet Thailand mittlerweile direkt mit dem Fremdenverkehr. Die Regierung und Unternehmen haben erkannt, dass sich mit nichts einfacher Geld machen lässt als mit Tourismus. Doch die hoch profitable Urlaubsmaschinerie stößt an ihre Grenzen. Nachhaltigkeit und Sicherheit drohen in Vergessenheit zu geraten – das zeigt sich gerade in diesen Tagen.

Während sich die westlichen Medien auf das Höhlendrama konzentrierten, ertranken mehr als 40 Menschen als bei Phuket ein Touristenboot unterging. Das Schiff war trotz starker Winde zu einer kleinen Insel aufgebrochen. Unter den Toten sind vor allem Chinesen. Es ist nur eines von mehreren Boots- und Busunglücken in jüngster Vergangenheit – häufig aufgrund laxer oder nicht durchgesetzter Sicherheitsstandards.

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Für das Schiffsunglück vor Phuket machte Vize-Regierungschef  Prawit Wongsuwan zwar den chinesischen Tour-Anbieter verantwortlich. Die thailändische Regierung überweist trotzdem vorsichtshalber den Familien der Hinterbliebenen schon einmal rund 30.000 US-Dollar Entschädigung.

Das Ferienparadies in Südostasien verliert so langsam sein Image als sicheres Urlaubsland. Der britische Versicherer Endsleigh bezeichnete in einem Report erst im Juni Thailand als das gefährlichste Domizil der Welt. Vor allem der oft halsbrecherische Verkehr berge ein großes Risiko für Besucher.

Auch die nun in den Fokus geratene Höhle im Nationalpark scheint nur unzureichend gesichert zu sein. Trotz des guten Ausgangs des Dramas fürchtet die Regierung Kritik. Sicherheitshalber haben die Behörden fast 170 Höhlen im ganzen Land erstmal geschlossen. Die Sicherheitsstandards rund um die Tham-Luang-Höhle sollen nun ebenfalls deutlich verbessert werden – bevor der erwartete Ansturm losgeht.

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