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30.12.2018

01:55

USA

Einer Frau wird eine Herz-Transplantation verwehrt, weil sie kein Geld hat

Von: Axel Postinett

Ein Online-Spendenaufruf hat die USA aufgerüttelt. Sie habe nicht genug Geld, teilte ein Krankenhaus einer Patientin mit und nahm sie von der Transplantationsliste.

Während die Operationen meist zu einem großem Teil von Krankenversicherungen bezahlt werden, sind Selbstbeteiligungen von mehreren tausend US-Dollar pro Jahr bei Medikamenten die Regel. dpa

Operationen

Während die Operationen meist zu einem großem Teil von Krankenversicherungen bezahlt werden, sind Selbstbeteiligungen von mehreren tausend US-Dollar pro Jahr bei Medikamenten die Regel.

San FranciscoDer Brief der Spectrum Health Klinik war an Offenheit nicht mehr zu überbieten. Jedenfalls das muss man ihm lassen: Die 60-Jährige Hedda Martin aus Grand Rapids in Michigan sei leider keine Kandidatin für eine Herztransplantation, wurde ihr in knappen Zeilen mitgeteilt. Nicht etwa, weil kein Spenderherz zur Verfügung stehen würde. Sie hat einfach kein Geld.

Nach solchen massiven Eingriffen in den Körper ist oft eine lebenslange Einnahme von Medikamenten notwendig unter anderem damit der Körper ein Organ nicht wieder abstößt. Offenbar ist die finanzielle Situation der alten Dame aber nicht sonderlich rosig und ihre Krankenversicherung, die staatliche Medicare, kommt nicht für alle Kosten auf, sondern lässt eine hohe Selbstbeteiligung bei der Patientin.

Die Empfehlung der Mediziner: Sie soll eine Crowdfunding-Kampagne starten und erst einmal 10.000 Dollar einsammeln, damit sie sich die lebensnotwendigen Medikamente eine Zeit lang leisten könne. Dann werde man weitersehen.

Das im Internet veröffentlichte Ablehnungsschreiben sorgte nicht nur im Netz für Furore. Politik und Medien griffen das Thema auf, das immer mehr Amerikaner beschäftigt: Die völlig außer Kontrolle geratene Gesundheitsindustrie. 2016 summierten sich die Gesundheitsausgaben in den USA auf rund 3,3 Billionen Dollar, davon alleine 1,1 Billionen für Krankenhausrechnungen. Und die Kostensteigerung ist ungebrochen.

Praktisch alle Transplantationszentren in den USA verlangen von einem Patienten detaillierte Angaben zum finanziellen Status sowie dazu, wie neben den Kosten für die Operation - eine Herztransplantation kostet im Schnitt über eine Million Dollar - die Nachsorge finanziert wird.

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Während die Operationen meist zu einem großem Teil von Krankenversicherungen bezahlt werden, sind Selbstbeteiligungen von mehreren tausend Dollar pro Jahr bei Medikamenten die Regel. Auf Trumps Druck hin hatten die großen Pharmahersteller vorübergehend darauf verzichtet, die Medikamentenpreise anzuheben.

Doch das dürfte sich Anfang 2019 wieder ändern. Kürzlich haben die Hersteller mitgeteilt, viele Medikamentenpreise im Januar wieder deutlich anzuheben.

Kein Geld, kein Herz

Kein Geld, kein Herz: Das ist die Realität für viele Amerikaner. Ebenso gehen in den USA Organe mit höherer Wahrscheinlichkeit an Reiche als an Arme. Ganz einfach, weil diese die laufenden Kosten besser stemmen können und die Kliniken auch ein Auge drauf haben, dass ihre Patienten gute Überlebenschancen haben. Nicht nur medizinisch. Denn was nützt eine gelungene Transplantation, wenn die Krankenversicherung sich weigert, die Medikamente zu bezahlen, und der Patient es nicht kann?

Die letzte Rettung, wenn Regierung und Versicherungsindustrie nicht mehr helfen: Das Silicon Valley. Einer von drei Spendenaufrufen, die auf der Crowdfunding-Seite Go Fund Me gestartet werden, sind heute schon für medizinische Behandlungen oder Nachsorgekosten, so Go-Fund-Me-CEO Rob Solomon gegenüber MPR News. Rund 250.000 medizinische Kampagnen pro Jahr erbringen im Schnitt zusammen 650 Millionen Dollar.

Das Problem betrifft jedoch nicht nur Personen ohne Krankenversicherung. „Hohe Zuzahlungen und Selbstbehalte sorgen dafür, dass unterversicherte Personen ebenso oft Probleme haben dringend benötigte Behandlungen zu bekommen wie unversicherte“, sagte Sarah Collins, Analystin des Commonwealth Fund, gegenüber MPR. Das, so Collins, „sollte Politiker und Industrie zutiefst beunruhigen“.

Tatsächlich konnten bei den Zwischenwahlen für den US-Kongress im November demokratische Kandidaten vor allem mit dem Thema Gesundheitskosten punkten und republikanische Sitze gewinnen. Die systematische Zerstörung von „Obamacare“ ist mittlerweile für viele Wähler zu einer bedrückenden Realität geworden, die sie am eigenen Körper spüren. Den versprochenen Ersatz können sie aber nicht sehen.

Mit wachsender Einkommensungleichheit wird das Problem größer. Eine Studie der US-Notenbank Fed hat ergeben, dass 40 Prozent der US-Bürger keine unvorhergesehenen Ausgaben bewältigen können, ohne sich irgendwo zusätzliches Geld zu beschaffen. Gut 25 Prozent gaben an, keinerlei Rücklagen für die Altersversorgung zu haben.

Zumindest im Fall Hedda Martin scheint sich ein glückliches Ende abzuzeichnen. Ihre Spendensammlung war erfolgreich, es kamen sogar mehr als die geforderten 10.000 Dollar zusammen.

Das Hospital teilte Ende November mit, die Seniorin sei wieder auf der Transplantationsliste und bekomme eine vorläufige Operation, um ihre Situation zu stabilisieren, bis ein Spenderherz gefunden sei. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt dennoch.

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