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15.05.2019

20:45

Weltgeschichte

Myanmars arbeitslose Elefanten sollen auf Rettungseinsätze umschulen

Von: Frederic Spohr

In Myanmars Holzwirtschaft werden immer weniger Elefanten beschäftigt. Nach der Entlassung wartet oft ein noch härteres Schicksal auf sie. Rettet sie der Klimawandel?

Die strenge Regulierung des Holzeinschlags und damit die Rettung der Regenwälder in Myanmar sorgen dafür, dass viele Arbeitselefanten keine Arbeit mehr haben. Bloomberg

Elefant bei der Arbeit

Die strenge Regulierung des Holzeinschlags und damit die Rettung der Regenwälder in Myanmar sorgen dafür, dass viele Arbeitselefanten keine Arbeit mehr haben.

BangkokEinst gab es in Myanmars dichten Urwäldern viel zu tun. Das Holz Tausender Teakbäume wurde aus dem südostasiatischen Land exportiert. Um die Rodung des kostbaren Regenwaldes zu verhindern, ist die Branche mittlerweile allerdings streng reguliert – zum Glück. Doch der Schutz des Waldes hat auch zur Massenarbeitslosigkeit geführt – und zwar unter Elefanten.

Tausende Dickhäuter sind noch in der Branche beschäftigt – doch es werden immer weniger. Mit Kraft und Geschick helfen sie, das Holz aus dem Dschungel zu schleppen. Nicht nur in Myanmar werden Elefanten zur Arbeit eingesetzt, sondern auch in anderen südostasiatischen Ländern. Schätzungen gehen davon aus, dass rund ein Viertel der noch lebenden asiatischen Elefanten für den Menschen arbeiten.

Es ist kein leichtes Leben für die Tiere. Aber immerhin garantiert ihnen das myanmarische Gesetz gewisse Rechte: Die Elefanten dürfen nicht länger als acht Stunden arbeiten, und das auch nur an maximal fünf Tagen die Woche. In der heißen Jahreszeit haben sie Sommerferien. Den Elefantenkühen steht außerdem ein Mutterschaftsurlaub zu. Manche Elefantenführer entlassen die Tiere sogar nachts in Freiheit, wo sie sich mit Artgenossen im Wald treffen. Eine Studie von 2008 kam zu dem Schluss, dass Waldarbeiter-Elefanten in Myanmar doppelt so alt werden wie Elefanten in europäischen Zoos.

Das Leben als Arbeitselefant ist dennoch kein Vergleich mit einem Leben in Freiheit – aus dem die Tiere in der Regel mit Gewalt gerissen wurden. Doch was auf die arbeitslosen Tiere nach der Waldarbeit zukommt, ist oft noch schlimmer.

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Hat ein Elefant keine Arbeit mehr, ist das für den Besitzer ein Problem – und darunter leidet in der Regel auch das Tier. Der Unterhalt eines Elefanten ist teuer. Die Tiere fressen täglich rund 200 Kilogramm Futter. Wenn der Elefant nichts verdienen kann, bleibt dem Besitzer oft nur der Verkauf.

Also landen die Tiere oft in der Tourismusbranche. Dort werden ihnen unter Qualen Kunststückchen antrainiert, sie haben schlecht ausgebildete Elefantenführer und müssen stundenlang Touristen durch die Pampa tragen.

Doch auch Auswildern ist oft keine Option. Mittlerweile gibt es in Myanmar nicht mehr genügend Lebensraum für freie Elefanten. Die meisten Tiere benötigen außerdem jahrelanges Training, um sich in der Wildnis wieder zurechtzufinden. Spezielle Öko-Elefantencamps für Touristen sollen einen Mittelweg sein. Doch auch die sind unter Tierschützern umstritten. Was also tun mit den Tieren?

Der Geograf und Buchautor Jacob Shell, der sich jahrelang mit den Arbeitselefanten beschäftigt hat, präsentiert in einem neuen Buch noch eine andere Idee: Die Arbeitselefanten sollten künftig verstärkt bei Rettungsarbeiten nach Katastrophen eingesetzt werden. Die Voraussetzungen bringen sie dafür mit. Sie sind ausgesprochen geländegängig und können schwere Lasten tragen. Schon beim verheerenden Tsunami 2004 retteten die Elefanten Menschenleben.

Auch Shell wäre es lieber, wenn die Elefanten in Freiheit leben könnten. Nur hält er das angesichts der Umstände mittlerweile für unmöglich. Sein pragmatisches Kalkül: Wenn die Tiere einen Nutzen und Wert stiften, geht der Mensch immerhin pfleglicher mit ihnen um.

Angesichts des Klimawandels und damit einhergehender Unwetter dürfte die Zahl der Rettungsmissionen in Asien künftig steigen, schätzt er. Es entbehrt nicht einer traurigen Ironie. Doch der Klimawandel könnte eine Zukunftschance für die myanmarischen Arbeitselefanten sein.

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