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DFB-Museum in Dortmund

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„Das tut allen weh – auch mir persönlich“

Wolfgang Niersbach stieg erst eine halbe Stunde nach Rauball aus der schwarzen Limousine und huschte schneller über den roten Teppich als es den Medien lieb war. Auf Antworten warteten die Journalisten hier vergeblich. Erst auf der Show-Bühne sprach der Gastgeber. „Die Vorfreude auf das tolle Museum ist in den letzten Tagen getrübt worden, das will ich nicht ausblenden. Schon allein weil das Haus mit der WM 2006 etwas zu tun hat“, sagte der DFB-Präsident. „Denn nach diesem Ereignis reifte die Erkenntnis beim DFB, das Museum in Angriff zu nehmen. Eine Vision, die heute Realität wird. Trotzdem ist die Freude nicht ungetrübt.“

Es werde nun versucht, ein Schatten über das tolle Ereignis von vor neun Jahren zu werfen. „Das tut allen weh – auch mir persönlich. Das gebe ich gerne und hochemotional zu.“ Die rationale Seite verlange jedoch, dass die Dinge mit aller Entschlossenheit aufgeklärt würden. „Das sind wir unserem Land, dem deutschen Fußball und uns selbst schuldig“, sagte Niersbach. Das war’s dann aber auch. Kein Wort zu den Anschuldigungen seines Vorgängers Dr. Theo Zwanziger, kein Wort zu einer möglichen „schwarzen Kasse“ und auch keines dazu, wofür und an wen die 6,7 Millionen Euro überwiesen wurden.

Der Startschuss für das Museum geriet fast vollständig in den Hintergrund. Dabei hat sich die Stiftung um Museumsdirektor Manuel Neukirchner einiges geleistet. 1600 fußball-historische Exponate auf 7700 Quadratmetern – Fußball-Fans denken hier zuerst an die goldenen Zeiten des DFB. Die ganz Großen des Ballsports haben etliche Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt und sollten am Abend auch selbst die Gala mit ihrem Besuch zum glänzen bringen.

Doch nacheinander sagten sowohl Franz Beckenbauer, Uwe Seeler als auch Günther Netzer ab. Beckenbauers Management begründete den Verzicht des „Kaisers“ auf die Reise ins Ruhrgebiet mit der „aktuellen Entwicklung“. Beckenbauer ist im Zuge der ungeklärten Millionenzahlung der deutschen WM-Organisatoren an die FIFA von 2005 mehr denn je in Bedrängnis geraten. Nach Ermittlungen der Ethikkommission der FIFA muss der 70-Jährige in nächster Zeit eine Strafe wegen seines Verhaltens bei der Vergabe zweier WM-Endrunden befürchten.

„Das Märchen vom Sommermärchen“, titelte die Süddeutsche Zeitung vor wenigen Tagen. Dabei wollte der Fußballbund in Dortmund eine ganz andere Geschichte erzählen. Wolfgang Niersbach bekam nach seiner gescheiterten Erklärung öffentlich mehr Prügel denn je. Denn er warf mehr Fragen auf als er Antworten lieferte. Nur einen Tag später weihte er heute das Deutsche Fußballmuseum ein. Weil er auch dieses Mal kein neues Licht in den Fall WM 2006 bringen konnte, lag dieser Schatten am Freitag auch über Dortmund. Die 400 Ehrengästen wollten sich den mangelnden Glanz nicht anmerken lassen und versuchten, die Atmosphäre zu genießen. Wenigstens für diesen einen Abend.

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