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FC Bayern München

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„Es waren immer ein paar Journalisten, denen das nicht passt“

Uli Hoeneß muss sich wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. dpa

Uli Hoeneß muss sich wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten.

Denn rund vier Monate vor dem Strafverfahren, in dem sich Hoeneß wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten muss, ist er nach wie vor Aufsichtsrat bei der FC Bayern AG. Die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (Vard) forderte ihn am Montag zum Rücktritt auf: „Wenn durch ein laufendes Verfahren wegen Steuerhinterziehung Zweifel an dem persönlichen Finanzgebaren eines Aufsichtsrats und dessen Integrität aufkommen, wie kann diese Person dann gleichzeitig über Finanztransaktionen eines Unternehmens Aufsicht führen?“, so Vard-Vorstandschefin Astrid Hamker. Die Frage ist berechtigt angesichts eines Rekordumsatzes von 432,8 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr.

Wer eine solche Frage stellt, zieht weder die Verdienste eines Uli Hoeneß für den Verein in Zweifel noch spricht er dem Triple-Sieger der vergangenen Saison den sportlichen oder finanziellen Erfolg ab. Im Gegenteil: Der FC Bayern steht sowohl in sportlicher als auch in finanzieller Hinsicht überragend da, das hat auch die Jahreshauptversammlung bestätigt. Und dass Hoeneß' Tränen echt waren, wird niemand ernsthaft bestreiten. Er weiß, dass er einen Fehler begangen hat und zeigt sich bereit, die Konsequenzen zu ziehen.

Steuerhinterziehung: Uli Hoeneß muss vor Gericht

Steuerhinterziehung

Uli Hoeneß muss vor Gericht

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß muss sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Die SPD fordert nun eine Einschränkung der strafbefreienden Selbstanzeige – auch persönliche Konsequenzen sollen folgen.

Doch Hoeneß weigerte sich bisher, seinen Posten als Aufsichtsrat beim FC Bayern München aufzugeben: „Warum sollte ich? Es gab überhaupt nie einen Grund, denn ich habe die volle Unterstützung der Fans, der Mitglieder, des Aufsichtsrats und des Verwaltungsbeirats“, reagierte Hoeneß trotzig. „Es waren immer ein paar Journalisten, denen das offensichtlich nicht passt, dass der Verein und sein Präsident wie eine Eins zusammenstehen.“ Der Rücktritt als Aufsichtsratsmitglied der Allianz-Tochter ABV scheint ihm Buße genug.

Ungeachtet der durchaus authentischen Treueschwüre seitens der Fans und der Vereinsführung: Es geht nach wie vor nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um eine Straftat, wegen der Hoeneß vor Gericht steht. Nicht zu vergessen ist, dass der Bayern-Präsident Selbstanzeige erstattet hat und nicht erst gewartet hat, bis die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe in einer Anklageschrift formuliert hat. Das macht keiner, der eine blütenweiße Weste hat. Zudem steht damit das oft angeführte Argument der Unschuldsvermutung auf äußerst wackligen Beinen. Das alles sind sehr wohl Gründe, sich Gedanken zu machen, ob man für einen Aufsichtsratsposten geeignet ist. Mit Journalisten, denen die Harmonie beim FC Bayern nicht passt, hat das wenig zu tun.

Es ist in diesem Zusammenhang auch nicht zielführend, auf den Ausgang des Verfahrens im kommenden Jahr zu warten, denn am Ende könnten auch Verjährungsfristen darüber entscheiden, ob Uli Hoeneß eine Haftstrafe antreten muss oder nicht. Die Glaubwürdigkeit als FCB-Aufsichtsrat hat er mit Bekanntwerden der Steueraffäre bereits verloren.

Es scheint nur so, als ob sich bei den Bayern nach wie vor keiner traut, die private von der beruflichen Dimension der Hoeneß-Steueraffäre zu trennen und nüchterne Konsequenzen zu fordern. Trotz des öffentlichen Drucks ist Hoeneß innerhalb des Vereins offenbar weiterhin unantastbar und immer noch im Besitz der Entscheidungsgewalt über seine Zukunft. Das Vereinsumfeld scheint zu sentimental zu sein, um seinen Rücktritt zu fordern.

Und so verwundert es nicht, dass es Hoeneß selbst ist, der die Vertrauensfrage auf einer außerordentlichen Versammlung stellen will. Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Steueraffäre. Der Schritt macht es auch den eigenen Mitgliedern einfacher, sich mit der unbequemen Situation auseinanderzusetzen, ohne das Gefühl haben zu müssen, den „Vereinsvater“ eigenmächtig gestürzt zu haben und so seine Verdienste negiert zu haben.

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Kommentare (44)

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angela-wendehals

13.11.2013, 16:34 Uhr

ich finde auch, dass der Uli endlich hinter Gitter sollte. Gleich in die Nebenzelle zu den Steuerverschwendern von BER und Stuttgart.

Ist ja traurig, dass man imme rnur auf die (angeblichen) Steuerbetrüger herum hackt, aber die Stuerverschwender läßt man laufen.

Es wird Zeit, dass Erika endlich eine Volksbefragung zu lässt. Tut sie es nicht, ist sie keinen Deut besser, als der Erich oder AD, die auch immer davon geredet haben, das sie fürs Volk sprechen.

KWB

13.11.2013, 17:01 Uhr

Herr Micijevic, Sie haben die Grundlagen eines Rechtsstaates nicht verstanden - wie so viele, leider. Sie vermengen rechtliche Tatbestände mit moralischen Wertungen - das sind inkompatible Operationen, die entweder in Widersprüchen oder blosser Meinungsmache enden. Das kann man tun, aber man erwartet das nicht im HB zu lesen.

Natürlich kann man die Auffassung vertreten, dass sich Herr H. moralisch so diskreditiert hat, dass man ihm keine Vereinsfinanzen anvertrauen kann. Das ist allerdings schwer zu belegen, wenn der Verein so gut dasteht. Genauso gut kann man der Meinung sein, dass sich ein U-Bahn-Schläger moralisch so von der Gesellschaft entfernt hat, dass man ihm weder die Führung eines PKW, die Teilnahme an einer Wahl oder die Möglichkeit einer Eheschliessung gestatten kann: hier drohen Verkehrsverstösse, die Wahl radikaler Parteien und Gewalt in der Ehe.

Ihre irrigen Gedanken sind -ähnlich wie im Fall Wulff- auf die Person fixiert. Im Rechtsstaat geht es aber nicht um Personen, sondern Straftatbestände, also nicht darum H. ein guter Autofahrer, Familienvater, Liebhaber oder treuer Katholik ist, und auch nicht darum, ob er die Kasse beim FCB gut führt. Das ist das grosse Geheimnis der friedensstiftenden Wirkung eines Rechtsstaates.

Insofern wird H. Gerechtigkeit widerfahren - für alles andere sind Fans und Feinde, Verein und Öffentlichkeit zuständig - aber eben ausserhalb des Rechts. Wer wegen eines konkreten Falls das Recht ändern will kann das tun - unter rechtlichen Bedingungen. Also klagen Sie Herr Micijevic, aber verschonen Sie uns künftig mit solchen Einlassungen.

[email protected]

13.11.2013, 17:06 Uhr

Wenn Uli Hoeneß ein Bischof wäre - die Mitglieder würden Bayern München reihenweise den Rücken zukehren.

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