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10.09.2017

12:25 Uhr

Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus

Historisches Bundesliga-Debüt im Berliner Stadion

Quelle:dpa

In der Schweiz gab es mit Nicole Petignat schon mal eine Erstliga-Schiedsrichterin im Profifußball. In Deutschland ist es nach 54 Jahren nun auch so weit. Bibiana Steinhaus pfeift ihr erstes Spiel in der Bundesliga.

Pfeift als erste Frau ein Spiel der Fußball-Bundesliga: Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. Foto: Hendrik Schmidt dpa

Bibiana Steinhaus

Pfeift als erste Frau ein Spiel der Fußball-Bundesliga: Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. Foto: Hendrik Schmidt

Bereits zehn Jahre lang hat Bibiana Steinhaus in der 2. Liga gepfiffen, bei ihrer Premiere im Fußball-Oberhaus aber steht die 38 Jahre alte Schiedsrichterin unter besonderer Beobachtung. „Ob das nun historisch ist, sollen andere beurteilen”, sagte Steinhaus der „Bild”-Zeitung.

Große Macho-Sprüche der Profi-Spieler und Trainer blieben aus. Gastgeber Hertha nutzt das Debüt von Steinhaus aber gleich mal für eine PR-Aktion, die suggerieren könnte, dass Frauen tatsächlich wegen einer Schiedsrichterin und nicht wegen der Partie gegen Werder Bremen ins Olympiastadion kommen.

Die ersten 250 Besucherinnen des Hertha-Spiels zahlen einen um 50 Prozent ermäßigten Eintrittspreis. Die Berliner rechnen mit 50 000 Zuschauern. Hertha-Trainer Pal Dardai freut sich auf die Premiere der Unparteiischen: „Sie hat es verdient, sie hat fehlerfrei gepfiffen”.

Wie werde ich Schiedsrichter?

Mindestalter

Die Schiedsrichter-Ordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) empfiehlt ein Mindestalter von 12 Jahren. In einzelnen Landesverbänden wird hiervon abgewichen. In Niedersachsen zum Beispiel ist das Mindestalter 14 Jahre.

Weitere Voraussetzungen

Die Schiedsrichter-Bewerber müssen Mitglied in einem Fußballverein sein (u.a. damit Versicherungsschutz besteht), Interesse am Fußball haben und die Einsatzbereitschaft mitbringen, jährlich mindestens 20 Spielleitungen zu übernehmen und an Weiterbildungsveranstaltungen an acht bis zwölf Tagen pro Jahr teilzunehmen.

Ausbildung

Je nach Landesverband 20 bis 50 Unterrichtsstunden im Zeitraum von drei bis zwölf Ausbildungstagen innerhalb von einer Woche bis sechs Wochen. Dabei Einführung in die Grundzüge der Fußballregeln.

Prüfung

Schriftliche (Beantwortung von Regelfragen) und auch körperliche Prüfung (zum Beispiel 1300-Meter-Lauf in sechs Minuten).

Einsätze

Nach Prüfung, je nach Alter im Junioren- und auch schon im Senioren-Bereich, beginnend in den Basisklassen. Hierbei erfolgt in der Anfangsphase möglichst Betreuung durch erfahrene Kollegen ("Paten").

Aufstieg

Bei Eignung können gegebenenfalls auf Kreis- und Bezirksebene zwei Klassen in einem Jahr übersprungen werden. Ab den Spielklassen der Landesverbände benötigt jeder Kandidat pro Spielklasse grundsätzlich ein Jahr. Bis in die Bundesliga sollen mindestens sechs bis acht Jahre veranschlagt werden. Die Eignung für die höhere Spielklasse wird durch Schiedsrichter-Beobachter festgestellt.

Finanzen

Die Sportkleidung wird normalerweise vom Verein gestellt. Die Fahrtkosten zu den Spielleitungen werden ersetzt, daneben gibt es abhängig von der Spielklasse Aufwandsentschädigungen zwischen fünf € (Schülerspiele), 300 € (Regionalliga), 750 € (3. Liga), 2000 € (2. Bundesliga) und 3800 € (Bundesliga). Ab der Saison 2012/2013 erhalten FIFA-Schiedsrichter der Elite-Klasse nach einem neu geschaffenen Modell einen festen Betrag in Höhe von 40.000 Euro, FIFA-Schiedsrichter und die Schiedsrichter der Bundesliga mit mehr als fünf Jahren Erfahrung 30.000 Euro. Alle anderen Bundesliga-Schiedsrichter liegen bei 20.000 Euro, in der 2. Bundesliga sind 15.000 Euro vorgesehen. Für FIFA-Assistenten sind ebenfalls 15.000 Euro eingeplant, in der Bundesliga reduziert sich der Betrag auf 10.000 Euro und in der 2. Bundesliga auf 2500 Euro.

Erste Ansprechpartner

Über den Verein vor Ort, bei der örtlichen Schiedsrichter-Gruppe, bei den zuständigen Gremien der Kreise und Bezirke, beim zuständigen DFB-Landesverband vor Ort.

Quelle

Alle Informationen stammen von der Webseite des DFB: http://www.dfb.de/schiedsrichter/interessentin/artikel/wie-werde-ich-schiedsrichter-345/

Steinhaus selbst weiß genau, dass sie bei diesem Spiel erstmal im Mittelpunkt stehen - und je nach Spielverlauf auch besonders kritisch gesehen wird. „Einerseits ist es nur ein weiteres Spiel, das ich gut leiten möchte. Andererseits ist es nunmehr die Bundesliga und die Tatsache, dass ich die erste Schiedsrichterin bin, macht es vor allem für die Öffentlichkeit doch zu einer nicht normalen Partie”, erklärte die Polizistin.

Steinhaus ist allerdings nicht die erste Frau, die in Europa ein Erstliga-Spiel pfeift. Nicole Petignat war zwischen 1999 und 2008 Unparteiische in der ersten Schweizer Liga und kam sogar im UEFA-Cup zum Einsatz.

„Sie hat hervorragende Leistungen gebracht und hätte schon viel früher aufsteigen müssen”, sagte Petignat in einem Interview der „Fußball-Bild” über ihre Kollegin. „Aber Deutschlands Schiri-Bosse waren gegen Frauen, waren gegen sie. Die Chefs haben Vorbehalte, sind vielleicht sogar eifersüchtig.”

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