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09.02.2018

17:03

Eröffnungsfeier im Olympiastadion: Kim Yong Nam (links), zeremonielles Staatsoberhaupt von Nordkorea, Kim Yo Jong (rechts), Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un und Mike Pence (Mitte), US-Vizepräsident, verfolgen die Zeremonie. dpa

Vereint bei Olympia

Eröffnungsfeier im Olympiastadion: Kim Yong Nam (links), zeremonielles Staatsoberhaupt von Nordkorea, Kim Yo Jong (rechts), Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un und Mike Pence (Mitte), US-Vizepräsident, verfolgen die Zeremonie.

Olympische Winterspiele

Die koreanischen Feinde bieten ein Bild des Friedens

Von: Martin Kölling

Bei der spektakulären Eröffnung der Winterspiele in Südkorea wurden die Sportler zum Beiwerk. Die eigentliche Botschaft war politisch.

Pyeongchang Im Olympia-Stadion in Pyeongchang wird der Dauerapplaus kurz zum Sturm. Zwei koreanische Wintersportler aus den zwei koreanischen Staaten tragen die Wiedervereinigungsfahne ins Stadium, ein blaues Korea auf weißem Grund. Auch das Team dahinter bietet ein Bild der Einheit: Koreaner aus dem Norden und dem Süden, die sich im Alltag schwerbewaffnet gegenüberstehen, marschieren gemeinsam ins das fünfeckige Stadion ein. Und für einen Augenblick ist wirklich kein Unterschied zu erkennen.

Kommunistischer Norden, kapitalistischer Süden – gemeinsam jubeln sie den Menschen auf den Rängen und vor den Fernseher in aller Welt zu. Doch dieses perfekte Symbol für den oft beschworenen olympischen Frieden wird politisch durch eine noch größere Sensation auf der Tribüne überboten. Dort, direkt hinter Südkoreas Staatspräsident Moon Jae-in und seiner Frau, steht der höchste Besuch aus Nordkorea, den der Süden je gesehen hat.

Schon der ältere Herr hat im Süden die Hoffnung geweckt, dass Dialog nach einem Jahr wachsender Kriegsangst noch eine Chance hat: Kim Yong-nam ist gekommen, das protokollarische Staatsoberhaupt Nordkorea und laut Experten die Nummer zwei oder drei hinter Führer Kim Jong-un. Doch der junge Führer hat die Welt mit einer weiteren Personalie überrumpelt: Erstmals reiste auch ein Mitglied der Diktatorendynastie nach Südkorea: Kims jüngere Schwester Kim Yo-Jong.

Am Freitag flog die 30-jährige in einem nordkoreanischen Regierungsflugzeug aus der nordkoreanischen Hauptstadt in Südkoreas Regierungszentrum Seoul ein. Mit einem kühlen Lächeln passierte sie hinter Kim Yong-Nam Kamera-Spaliere am Flughafen Incheon. Denn sie ist der eigentliche Star der Spiele. Schließlich gilt sie als enge Vertraute und Sprecherin ihres Bruders. Am Sonnabend wird sie Südkoreas Präsident Moon treffen, um über die koreanischen Beziehungen zu sprechen.

Damit ging Moons große olympische Friedensoffensive unerwartet auf. Seit Monaten hat er Nordkorea zu den Spielen und gleichzeitig Verhandlungen eingeladen, um Diplomatie im eskalierenden Konflikt zwischen dem Norden und den USA wieder eine Chance zu geben. Dies tut auch dringend Not. Schließlich hatten Kim und US-Präsident Donald Trump sich in einen regelrechten Krieg der Worte gesteigert und damit die Sorge vor einem neuen Korea-Krieg angeheizt.

Der deutsche Präsident des internationalen olympischen Komitees, Thomas Bach, übertrieb daher in seiner Eröffnungsrede nicht, als er die „vereinigende Kraft des gemeinsamen Einmarsches“ betonte. Alle Zuschauer im Stadion und der Welt seien berührt von dieser wundervollen Geste, sagte Bach. „Hier in Pyeongchang senden die Athleten Republik Korea und der demokratischen Volksrepublik Korea eine kraftvolle Botschaft des Friedens in die Welt.“

Es ist verzeihlich, dass Bach in seiner Festrede etwas übertrieb. Denn die Freude an Nordkoreas Teilnahme ist keineswegs ungeteilt. US-Vizepräsident Mike Pence beschuldigte während seiner Olympia-Visite Kims Regime immer wieder brutalster Unterdrückung und kündigte schärfere Sanktionen an.

Die Wettkampfstätten der Olympischen Winterspiele 2018

Vier Zentren

Bei den Olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang gibt es vier Zentren in den Bergen und an der Küste: Der Alpensia Sportpark, das Jeongseon Alpin-Zentrum und der Bokwang-Schnee-Park gehören zum Pyeongchang-Gebirgscluster, der Gangneung-Olympia-Park im sogenannten Küstencluster umfasst die Sportstätten für die Kufenwettbewerbe. Ein Überblick über die wichtigsten Sportstätten und deren Kapazitäten.

Quelle: dpa

Pyeongchang-Gebirgscluster

Liegt etwa 180 Kilometer östlich von Seoul in der Provinz Gangwon. Hier befinden sich auch das Olympiastadion mit Plätzen für 35.000 Zuschauer, wo die Eröffnung- und Schlusszeremonie stattfinden, sowie das TV- und Pressenzentrum.

Alpensia-Sliding-Zentrum

7000 Plätze. Rennrodel-, Bob- und Skeleton-Bahn. Das Zentrum ist ein Neubau.

Alpensia-Biathlon-Zentrum

7500 Plätze; es existiert seit 1998.

Alpensia-Skilanglauf-Zentrum

7500 Zuschauer

Freistil; Langlaufwettbewerbe, Sprint klassisch, Mannschaftssprint frei, Massenstart klassisch, Staffel

Es existiert seit 1998.

Alpensia-Skisprung-Zentrum

13.000 Zuschauer, seit 2009 in Betrieb.

Jongseon-Alpin-Zentrum

6000 Zuschauer

Abfahrt Männer: 2852 Meter, 825 Meter Höhenunterschied

Abfahrt Frauen: 2388 Meter, 748 Meter Höhenunterschied.

Super-G: 2217 Meter, 630 Meter Höhenunterschied

Das Zentrum ist ein Neubau.

Yongpyong-Alpin-Zentrum

6000 Zuschauer

Riesenslalom, Slalom (Länge: 1191 Meter), alpine Kombination Snowboardcross, Banked Slalom (Snowboard)

Es existiert seit 1998.

Bogwang-Scheepark

18.000 Zuschauer; Freestyle-Skiing, Snowboard; seit 1995 in Betrieb.

Curling-Zentrum (Gangneung-Küstencluster)

3500 Zuschauer, seit 1998 in Betrieb.

Gangneung-Hockey-Zentrum (Gangneung-Küstencluster)

10.000 Zuschauer, Eishockey; das Zentrum ist ein Neubau.

Kwangdong-Hockey-Zentrum (Gangneung-Küstencluster)

6000 Zuschauer, Eishockey; das Zentrum ist ein Neubau.

Eisstadion (Gangneung-Küstencluster)

12.000 Zuschauer; Eiskunstlauf, Shorttrack, Eisschnelllauf; das Stadion ist ein Neubau.

Gangneung-Oval (Gangneung-Küstencluster)

8000 Zuschauer; Eisschnelllauf (Einzelstrecken, Mannschaftsverfolgung, Massenstart); die Halle ist ein Neubau.

Und auch im Süden regt sich Protest. In der Nähe des Stadions demonstrierten lautstark einige hundert Demonstranten. Und die konservativen Aktivisten machten aus ihrem Hass auf Kim keinen Hehl.

Sie schwenkten südkoreanische und amerikanische Fahnen und verbrannten nordkoreanische. Sie zerrissen Portraits des jungen Führers und riefen Trump zu: „Mr. President, bitte bombardieren Sie Nordkorea.“ Andere schimpften: „Ich hasse Kim Jong-un!“

Auch auf Präsident Moon schossen sie sich ein. Der erlaube Kim, das Sportfest medial zu entführen, kritisierte ein älterer Herr: „Wir wollen olympische Spiel in Pyeongchang, nicht in Pjöngjang.“

Die Stimmung im Stadion störte der Protest nicht. Denn den Zuschauern wurde nicht nur etwas olympischer Frieden fürs Gemüt präsentiert, sondern auch eine spektakuläre Show. Die Gastgeber hatten nämlich das gesamte Stadion und die Umgebung in ein gigantisches dreidimensionales Lichtspiel mit perfekt choreografierten Tanzeinlagen umfunktioniert.

Hinter jedem Sitz im Stadion schwebte ein kleines Quadrat mit Leuchtdioden (LED), die die fünf Tribünen des Fünfecks in riesige Displays verwandelten. Projektion und weitere riesige LED-Installationen ließen Bilder über den Stadionboden laufen und in den Himmel aufsteigen. Und immer wieder setzten Feuerwerke auf den Bergen und einem zugefrorenen Fluß am Stadion hör- und sichtbar Akzente.

Südkorea zeigte damit den Gästen aus dem Norden, dass auch individualistische Kapitalisten perfekt Massenauftritte organisieren können, allerdings freudvoll und friedlich und nicht so martialisch und militärisch wie die großen Paraden und Musikshows im Norden.

Der Höhepunkt der Eröffnungsfeier war dann aber wieder eher etwas fürs Herz: das Entzünden der olympischen Flamme. Zwei Spielerinnen des vereinten Eishockeyteams, eine aus dem Norden, eine aus dem Süden, trugen die Fackel gemeinsam im Laufschritt eine steile Treppe empor.

Huldvoll nahm die südkoreanische Eiskunstläuferin Kim Yuna die Flamme entgegen und entzündete das olympische Feuer. Doch in die Hoffnung mischt sich in Korea die Angst, dass nach den paralympischen Spielen im März mit der Flamme auch der olympische Friede erlischt und die Krise zurückkehrt.

Auftakt der Olympischen Spiele

„Konservative Demonstranten zerreißen Bilder von Kim Jong Un“

Auftakt der Olympischen Spiele: „Konservative Demonstranten zerreißen Bilder von Kim Jong Un“

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