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Fußball-WM 2018

13.06.2018

20:25 Uhr

Fußball-Weltmeisterschaft

Saudi-Arabien versucht Katar den Rang als Sportnation abzulaufen

VonMathias Brüggmann

Das Königreich am Golf tritt im Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Russland an. Doch Saudi-Arabien hat auch außerhalb der WM sportlich Großes vor.

Der saudische Kronprinz hat Großes vor. AFP

Mohammed bin Salman

Der saudische Kronprinz hat Großes vor.

MoskauStell dir vor, es ist Fußball-WM und du kannst deine Mannschaft nicht sehen. Dieser abgewandelte Sponti-Spruch trifft nicht nur für Italiener und Holländer zu, weil deren Mannschaften sich für die Weltmeisterschaft nicht qualifiziert haben. Sondern auch für die Fans der Mannschaft aus Saudi-Arabien: Denn die Übertragungsrechte für die WM-Spiele für die Golfregion liegen bei beIN, dem Sport-TV-Giganten aus Katar.

Aber das kleine Katar, das wie eine kleine Ausbuchtung als Halbinsel an das Königreich grenzt, ist dem großen Saudi-Arabien ein Dorn im Auge. Nicht nur wegen Dohas außenpolitischer Ambitionen, sondern auch wegen des Ausbaus von Doha zu einer internationalen Sport-Metropole. Dagegen läuft Riad Sturm und will dem WM-Austragungsland 2022 auch auf dem grünen Rasen den Rang ablaufen.

Seit gut einem Jahr haben Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain und Ägypten wegen Vorwürfen angeblicher Terrorfinanzierung die Beziehungen zu Katar abgebrochen. Auch katarische Sender werden dort nicht mehr ausgestrahlt. Das trifft nicht nur den politischen Satellitensender Al Jazeera, sondern eben auch die zahlreichen Sportkanäle von beIN.

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Vor zwölf Monaten verhängten die arabischen Nachbarn eine Blockade des kleinen Katar. Das Land hält Stand, aber der Widerstand wird immer teurer.

Und während sich die VAE-Telekomanbieter Etisalat und du mit beIN zumindest für die Fußball-WM in Russland auf Übertragung aller Spiele geeinigt haben, bockt Saudi-Arabien: „Wir haben alles versucht, auch mit Vermittlung der Fifa, um ein Lizenzabkommen mit Saudi-Arabien hinzubekommen – aber es ging nicht“, sagt ein Sprecher der beIN Media Group in Doha.

Turki al-Sheikh, Chef der Sportbehörde in Riad, hingegen sieht die Sache anders herum: „Saudi-Arabien hat guten Willen gezeigt“, sagt er, aber Katar habe ein 35 Millionen Dollar teures Paket für die Übertragungsrechte des Eröffnungsspiels, des Finales und 20 anderer Begegnungen vereitelt.

Dies ist nur der Auftakt für eine größere Schlacht: Saudi-Arabien will Katar die Rolle als Sport-Kapitale der Welt streitig machen.

Immer wieder versuchen Sportfunktionäre aus Riad, mit Korruptionsvorwürfen gegen Katar bei der Vergabe der WM 2022 dem Rivalen die Austragungsrechte für das prestigeträchtige Großereignis zu entziehen. Neueste Volte: Saudi-Arabien will in der Fifa durchsetzen, dass bereits 2022 und nicht erst 2026 die Zahl der Teilnehmerstaaten von derzeit 32 auf 48 zu erhöhen.

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Dann könnte Katar mit den im Bau befindlichen Stadien die WM nicht allein austragen. Andere Länder der Region müssten als Austragungsorte beteiligt werden. Katar wäre den Sieg los, als erstes arabisches Land überhaupt eine Fußball-WM veranstalten zu dürfen.

Aber Riad hat noch mehr Giftpfeile im Köcher gegen den Rivalen Katar, der neben der Fußball-WM 2022 regelmäßig im Winter die Trainingslager von Bayern München und anderen Top-Klubs beheimatet, 2015 die Handball-WM austrug und Vize-Weltmeister wurde, die Asienspiele beheimatet hat, seit 2010 jeweils das erste Turnier der Diamond League des Internationalen Leichtathletikverbandes IAAF austrägt und regelmäßig Top-Events für Tennis, Volleyball, Handball, Golf, Motorsport und andere Sportarten austrägt.

Nun greift Saudi-Arabien beim Sport an. Erstes Ereignis war bereits ein breit beworbener Wrestling-Abend. Mit der WWE, dem Weltverband für Wrestling, hat Riads Sportbehörde ein langfristiges Abkommen geschlossen. Anfang kommenden Jahres soll der italienische Supercup zwischen AC Mailand und Juventus Turin in Saudi-Arabien ausgetragen werden, vereinbarte Turki al-Sheikh mit Italiens Fußballliga-Präsident Marco Brunelli.

Erst seit Januar dürfen Frauen in Saudi-Arabien überhaupt in Fußball-Stadien gehen. Das ist Teil der „Vision 2030“, dem Plan von Kronprinz Mohammed bin Salman zur Öffnung seines Landes. Mit massiven Investitionen soll das bisher erzkonservative Königreich fit gemacht werden für die Zeit nach dem Öl.

Neben dem Aufbau neuer Industrien, der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt und der Förderungen der Privatwirtschaft steht dabei eben auch der milliardenschwere Aufbau von Freizeitparks, Dutzenden Kinos im Land, das bisher das öffentliche Zeigen von Filmen oder Konzerte verboten hatte, Entertainment-Einrichtungen und eben Sport im Mittelpunkt.

Als erstes hat Riad ohne Zustimmung der Fifa die South West Asian Football Federation gegründet, die nun eine neue regionale Meisterschaft organisieren kann. Zudem soll Riad hinter der reichen Investorengruppe stehen, die bei der Fifa eine neue Fußball-WM für Vereinsklubs sowie eine „Liga der Nationen“ durchsetzen will. 24 Teams – die besten der Welt – sollen dabei alle vier Jahre eine Art Weltmeisterschaft der Klubs ausspielen.

Drei Milliarden Dollar wollen sich die Investoren dies laut „New York Times“ kosten lassen – dreimal so viel, wie der selbst umstrittene Weltverband des Fußballs erwartet haben soll. Kritik daran gibt es natürlich auch schon, wie im Fußball ja üblich: „Sport sollte sich von der Politik fernhalten, sonst verliert er seine Glaubwürdigkeit“, warnt Lars-Christer Olsson, der vor dem heutigen Fifa-Chef Gianni Infantino Uefa-Boss war. Der Schwede lehnt zu viele „Staatssubventionen im Sport“ ab.

Das ficht Saudi-Arabien in seinem Ringen, Vormacht an der Sportfront zu werden, kaum an. Und so hat Riad, das gerade Milliarden in den Sport pumpt, gerade einen Zehn-Jahres-Vertrag mit der Formel E abgeschlossen: Die Autorennserie für Elektrorennwagen soll nun jährlich einmal in Saudi-Arabien starten. Bisher ist ausgerechnet Qatar Airways der Hauptsponsor.

Die WM-Spiele sollen die Saudis am Ende doch sehen können: Ein saudischer Piratensender namens beoutQ soll laut den Kataris illegal die Sendesignale vom Satelliten Arabsat abzapfen und dann einfach ausstrahlen.

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