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11.10.2022

08:31

Fintech

Pair Finance wird an Private-Equity-Investor verkauft

Von: Frank Matthias Drost

Das englische Private-Equity-Unternehmen Pollen Street Capital wird künftig knapp 60 Prozent an dem auf Inkasso spezialisierten Berliner Fintech halten.

Pair Finance ist seit seiner Gründung 2016 kräftig gewachsen. obs

Pair Finance-CEO Stephan Stricker

Pair Finance ist seit seiner Gründung 2016 kräftig gewachsen.

Berlin Der Berliner Spezialist für das digitale Inkasso, Pair Finance, hat einen neuen Mehrheitseigner. Für rund 60 Millionen Euro übernimmt das englische Private-Equity-Unternehmen Pollen Street Capital das Fintech-Unternehmen.

Mit dem neuen Investor will Pair Finance die Internationalisierung seines Geschäfts vorantreiben. „Wir wollen künftig auch in den Benelux-Staaten und Frankreich sowie zu einem späteren Zeitpunkt auch in skandinavischen Ländern Flagge zeigen“, sagte Pair-Finance-Chef Stephan Stricker dem Handelsblatt. Bislang ist das Unternehmen neben Deutschland auch in der Schweiz und Österreich aktiv und zählt 350 Kunden insbesondere in digital affinen Wirtschaftsbereichen.

Unternehmen beauftragen Inkasso-Dienstleister, wenn Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlen. Im Idealfall werden die Forderungen beglichen, ohne die Kundenbeziehung zu zerstören.

Die für den Verkaufsprozess maßgebliche Unternehmensbewertung taxiert Pair Finance auf mehr als 100 Millionen Euro. Pollen Street wird künftig knapp 60 Prozent an dem Unternehmen halten. Der bislang größte Gesellschafter mit knapp 40 Prozent, Finleap, hat Anteile verkauft, bleibt aber beteiligt. Unverändert an Bord ist der Modehändler Zalando mit 14 Prozent. Dagegen haben sich Venture-Capital-Geber wie beispielsweise Yabeo oder EY Ventures von ihren Anteilen getrennt.

Pair Finance ist seit seiner Gründung im Jahr 2016 kräftig gewachsen und weist für das vergangene Jahr einen Umsatzzuwachs von 80 Prozent aus. Mit dieser Steigerungsrate rechnet Stricker auch im laufenden Jahr. Dann würde Pair Finance auf einen Umsatz von rund 27 Millionen Euro kommen. „Schwarze Zahlen schreiben wir schon seit mehreren Jahren“, so der Chef. In diesem Jahr wird sich das Ergebnis voraussichtlich auf einen höheren einstelligen Millionenbetrag belaufen.

„Es bestand kein Verkaufsdruck“

Bereits im vergangenen Jahr kursierten Gerüchte über einen möglichen Verkauf. „Es gab Angebote, aber es bestand kein Verkaufsdruck, da wir uns finanziell selbst tragen. Jetzt haben wir den richtigen Partner, mit dem wir unseren Wachstumsprozess in den kommenden Jahren gestalten können“, erläuterte Stricker.

Pollen Street hat sich auf Finanztechnologie-Unternehmen spezialisiert und ist beispielsweise an dem Paymentspezialisten Autopay und an der Digitalbank Bunq beteiligt. „Pair Finance ist gut aufgestellt, um von dem Rückenwind im Markt und dem anhaltenden Wandel zu mehr digitalem Kundenengagement zu profitieren“, begründet Pollen-Street-Partner Michael England das Engagement.

Volkswirtschaftlich ist die Bedeutung der Inkassounternehmen groß. Jährlich werden nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Inkassounternehmen fünf Milliarden Euro in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt.

Pair Finance gehört zu den jungen Tech-Unternehmen im Inkassobereich, die den etablierten Anbietern mit einer individuellen Kundenansprache Konkurrenz machen. „Durch moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz sind wir in der Lage, den einzelnen Menschen individuell über seinen bevorzugten Kanal und zu einer für ihn angenehmen Uhrzeit anzusprechen und ihm ein persönliches Lösungsangebot zu machen“, lautet das Credo Strickers. Dabei werden Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung genutzt.

Angesprochen werden die Kunden über Messengerdienste, SMS oder Mails. Ist der Kontakt zum säumigen Zahler hergestellt, ist meist die größte Hürde genommen. In der Regel steigt dann auch die Zahlungsbereitschaft.

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