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23.09.2019

08:00

#DigitalDictionary

Globotics – Wenn Globalisierung und Robotik verschmelzen

Von: Milena Merten

Wer schon heute das Morgen verstehen will, muss die Sprache der Zukunft sprechen – und dafür gibt es ab sofort einmal pro Woche das digital dictionary unserer digitalen Bildungsplattform ada. In Folge 13: Globotics.

Erst sorgte die Globalisierung dafür, dass Jobs an Menschen in Niedriglohnländern ausgelagert wurden. Nun macht die Robotik einen Teil menschlicher Arbeit überflüssig, indem sie von Maschinen erledigt wird. AFP

Globotics

Erst sorgte die Globalisierung dafür, dass Jobs an Menschen in Niedriglohnländern ausgelagert wurden. Nun macht die Robotik einen Teil menschlicher Arbeit überflüssig, indem sie von Maschinen erledigt wird.

Düsseldorf Stellen Sie sich vor, Sie werden entlassen – weil ein Kollege bessere Leistungen erbringt und Ihren Job übernehmen soll. Kein schönes Gefühl. Aber wie würde es Ihnen gehen, wenn Ihre Stelle stattdessen von einem Roboter ersetzt würde?

Einer aktuellen Studie zufolge fühlen sich die meisten Menschen schlechter bei dem Gedanken, von einem anderen Menschen ersetzt zu werden als von einer Maschine. Die Ablösung durch einen Roboter schädigt das eigene Selbstbild nicht so sehr wie der Gedanke, dass ein Kollege oder eine Kollegin bessere Arbeit leistet.

Interessanterweise änderte sich die Meinung der Studienteilnehmer*innen, wenn es um den Job anderer Menschen ging. Nun fanden sie es besser, wenn diese Stelle von einem anderen Menschen statt von einer Maschine übernommen würde.

Im Kern berühren beide Szenarien einen menschlichen Instinkt: die Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust. Wir wollen nicht ersetzt werden – weder von anderen Menschen noch von Robotern.

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    Und doch erleben wir seit einigen Jahren zwei gesellschaftliche Entwicklungen, die eben diese Angst auslösen: Erst sorgte die Globalisierung dafür, dass Jobs an Menschen in Niedriglohnländern ausgelagert wurden. Nun macht die Robotik einen Teil menschlicher Arbeit überflüssig, indem sie von Maschinen erledigt wird.

    Diese Verschmelzung von Globalisierung und Robotik bezeichnet der Ökonom Richard Baldwin als Globotics. Bedroht sieht er diesmal nicht nur Fabrikarbeiter und Handwerkerinnen, sondern auch Büroangestellte, argumentiert er in seinem Buch „The Globotics Upheaval“, es handelt sich etwa um Versicherungsfachleute, Rechtsanwältinnen, Übersetzer. Jene Menschen also, die bislang von der Globalisierung und Automatisierung überwiegend verschont blieben.

    ada - Heute das Morgen verstehen

    Glaubt man Baldwins Prognosen, so wird Globotics vor allem die Mittelschicht in den Industriestaaten betreffen. Die rasante Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz und die Möglichkeit, von überall aus arbeiten zu können, lasse Bürojobs in Länder mit niedrigerem Lohnniveau abwandern. So wie China zur Produktionsstätte der Welt wurde, könne Indien mit seiner großen Zahl englischsprachiger Techies zum Zentrum für Dienstleistungen werden.

    Nun kann man darüber streiten, ob Baldwins Vorhersagen zutreffen werden oder nicht. Immerhin hat jede große gesellschaftliche Veränderung, von der industriellen Revolution bis hin zur Erfindung des World Wide Web, nicht nur zu Jobverlusten, sondern auch zum Entstehen neuer Arbeit geführt. Unstrittig ist jedoch, dass allein der Gedanke an ein solches Zukunftsszenario bei vielen Menschen eine gewisse Angst hervorruft.

    Baldwins Tipp: Wir sollten uns auf die Bereiche unseres Jobs konzentrieren, die kein „Globot“ übernehmen kann. Also jene, in denen der direkte Umgang mit Menschen gefragt ist. Dazu müssen wir die Fähigkeiten und Talente stärken, die wir bislang als „Soft Skills“ abgetan haben: Verhandlungsfähigkeit, Überzeugungskraft, Kreativität, Empathie. Wer sich auf seine menschlichen Stärken konzentriert, braucht die Konkurrenz durch Maschinen nicht fürchten.

    Mehr: Milena Merten ist Reporterin für die digitale Bildungsplattform ada. Wenn auch Sie schon heute das Morgen verstehen wollen, schauen Sie doch mal vorbei: join-ada.com

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