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11.09.2019

04:02

Digitale Revolution

Dating-Apps – So funktioniert das digitale Geschäft mit der Liebe

Von: Catrin Bialek

Algorithmen versachlichen die Liebe. Aus Gefühlen werden Berechnungen. Das führt zu einer boomenden Onlinedating-Branche, die sich stetig verändert.

Die App des US-Anbieters ist konsequent auf Bilder ausgerichtet. Bloomberg

Tinder

Die App des US-Anbieters ist konsequent auf Bilder ausgerichtet.

Hamburg Das Postfach der Liebessuchenden füllt sich schnell. „Buchhalterin, 38, hat Ihnen eine Nachricht geschrieben“, steht da. Oder „Unternehmer, 47, hat seine Fotos für Sie freigeschaltet“. Dazwischen Texte wie: „Hey Du, mir gefällt Dein Profil.“ Drei Millionen solcher Botschaften werden jede Woche allein über die Partnervermittlungsplattform Parship versandt. Die Mitglieder finden bei den Portalen vielleicht nicht ihre „bessere Hälfte“ oder ihren „Göttergatten“, aber sie klicken sich wacker durch Hunderte Profile ihres Beuteschemas, das der Algorithmus für sie errechnet hat.

Algorithmen spielen eine große Rolle in unserem Leben. Sie bestimmen, welche Filme und Serien uns bei Streaminganbietern wie Netflix angezeigt werden. Sie legen fest, welche Werbebotschaften uns im Internet angezeigt werden. Und sie filtern heraus, welche Nachrichten uns in den sozialen Netzwerken oder auf digitalen Nachrichtenseiten erreichen.

Warum also sollten Algorithmen bei der Liebe keine Rolle spielen? Die Digitalisierung der Liebe ist zu einer veritablen Branche herangewachsen. Die Erwartungen der Menschen an die Technik sind hoch. Eine aktuelle Studie der internationalen Werbeagentur Havas fand heraus, dass vier von zehn Befragten glauben, eine Software mit Künstlicher Intelligenz werde für sie irgendwann errechnen können, ob sie wirklich verliebt sind oder ob sie sich in einer Beziehung befinden, die tatsächlich zukunftsfähig ist. Schöne neue Liebeswelt?

Es ist ein Markt mit großem Potenzial. Vergangene Woche konkretisierte die weltgrößte Community Facebook ihre Datingpläne. Seit September können Nutzer in den USA den Flirt-Dienst, den Facebook auf seiner Plattform integriert hat, verwenden. Anfang 2020 können sich dann auch Mitglieder in Europa über die Plattform daten. Mehr als 200 Millionen Facebook-Nutzer geben als Beziehungsstatus „Single“ an – eine große Zielgruppe für den Flirt-Service.

Es ist das erste große Projekt von Facebook seit dem Skandal rund um die Datenfirma Cambridge Analytica – dementsprechend wortreich betonen die Manager den Schutz der Privatsphäre und die Sicherheitsstandards. Das ist auch dringend nötig: Erst in der vergangenen Woche tauchten Telefonnummern von rund 420 Millionen Mitgliedern im Internet auf.

„Alle elf Minuten ...“

Der Bedarf an einer computergestützten Beziehungsanbahnung ist groß. „Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship“, wirbt der Marktführer in Deutschland. Ein Claim, der wirkt. Etwa 1,8 Millionen neue Registrierungen zählt Parship jedes Jahr. Deutschland ist einer der wenigen Märkte, die zwischen ernsthafterer Partnervermittlung und eher lockerem Dating unterscheiden.

Ortstermin in der Zentrale der Parship Group in der Hamburger Innenstadt: Auf mehreren Etagen arbeiten rund 250 Mitarbeiter für die drei Marken der Firma. Da ist zum einen Parship, das als Pionier der als ernst geltenden Partnervermittlung 2001 gegründet wurde; außerdem Elite-Partner, drei Jahre später gestartet und 2015 von Parship übernommen; und da ist E-Harmony, ein 2018 gekauftes Portal für den englischsprachigen Raum. Tim Schiffers, CEO der Parship Group, sitzt im Konferenzraum in der sechsten Etage mit Blick auf die Sankt-Petri-Kirche, deren Glocken jeden Tag zur Mittagszeit minutenlang wie zur Mahnung läuten.

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„Die Partnersuche übers Internet ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Schiffers. Heute schämt sich keiner mehr für die Verkupplungstante Internet. Etwa 143 Millionen Euro Umsatz erzielt sein Unternehmen, das heute mehrheitlich zum Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 gehört, pro Jahr. Die Umsätze werden über die zahlungspflichtigen Accounts gemacht, die Nutzer erstellen müssen, wenn sie die Datenbanken der Portale nutzen wollen.

Die Marge der Firmengruppe liegt bei 20 Prozent. „Es gibt nicht den einen Preis, wir arbeiten mit Promotionsaktionen und ausgefeilten CRM-Systemen“, erzählt Schiffers. Aus der Sicht des CEO wird der Partnervermittlungsmarkt vor allem von der Technologie bestimmt. Etwa 60 Softwareentwickler arbeiten bei der Parship Group. In den vergangenen Jahren ging es vor allem darum, die Nutzung über das Smartphone, über das inzwischen drei Viertel der Mitglieder die Plattform ansteuern, in den Mittelpunkt zu stellen. Ein Paradigmenwechsel im Vergleich zu den Gründungsjahren, als der Desktop die entscheidende Oberfläche war.

Mithilfe eines Fragebogens sortiert Parship die neuen Mitglieder in Gruppen ein und errechnet daraus die Kompatibilität der Paare. Je höher der numerische Wert, desto erfolgversprechender die Vermittlung. „So viel Übereinstimmung wie möglich, so viel Unterschiede wie nötig“, zitiert Schiffers das Motto des Matchings. Soll heißen: Es muss eine gesunde Mischung geben aus „Gleich und Gleich gesellt sich gern“ und „Unterschiede ziehen sich an“.

Paare, die sich auf diesem Weg gefunden haben, sind dankbar. Sie schicken Fotos von sich und in späteren Jahren von ihrem Nachwuchs. In der sechsten Etage schmücken die Bilder eine ganze Wand. Inzwischen soll es rund 120.000 Parship-Babys geben. Auf 40 Prozent taxiert Schiffers die Erfolgsquote seiner Portale.

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