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29.05.2019

12:29

Droniq

Telekom und Flugsicherung wollen das größte Problem für Fracht-Drohnen lösen

Von: Jens Koenen, Stephan Scheuer

Die Unternehmen schließen sich im Joint-Venture Droniq zusammen. Sie wollen den kommerziellen Einsatz von Drohnen auch über weite Strecken möglich machen.

Fracht-Verkehr der Zukunft

Droniq will autonome Drohnen in deutschen Luftraum bringen

Fracht-Verkehr der Zukunft: Droniq will autonome Drohnen in deutschen Luftraum bringen

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Frankfurt, Düsseldorf Die einen bringen die Netztechnologie mit, die anderen die Erfahrung im Management des Luftraums. Eigentlich sollte das eine ideale Kombination sein, um kräftig beim aktuellen Boom-Thema Fracht- und Passagierdrohnen mitzumischen. Darauf hoffen auch die Deutsche Telekom und die Deutsche Flugsicherung (DFS).

Am Mittwochvormittag stellten die beiden Unternehmen ihre Pläne mit dem neuen Joint-Venture Droniq vor. „Droniq ist Start-up mit zehn Mitarbeitern, kostet uns auch erst mal Geld. Aber wir erwarten einen Umsatz von über 20 Millionen Euro in den nächsten drei bis fünf Jahren und bald auch den Breakeven“, sagte DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle.

„Es ist ein Projekt, auf das wir sehr stolz sind, auch weil es zeigt, dass Deutschland Innovationen kann“, sagte Telekom-Chef Tim Höttges.

Seit zweieinhalb Jahren arbeiten die Telekom und die DFS mittlerweile an dem Gemeinschaftsprojekt „Das Ergebnis ist das Baby Droniq, das wir nun in die freie Welt entlassen wollen“, sagte Scheurle. Vorrangiges Ziel von Droniq ist es, ein sogenanntes Leitsystem für unbemannte Fluggeräte zu entwickeln.

Bisher dürfen Drohnen-Piloten ihre Gefährte nur auf Sicht steuern. Ein kommerzieller Einsatz etwa für den Transport von Fracht über längere Distanz ist damit rechtlich schwer umzusetzen. Ein „Traffic Management System“ (UTM) für Drohnen würde dieses Problem lösen. Es erfasst kontinuierlich die Position der Drohnen.

Die DFS habe ihr System für das Tracking von Flugzeugen auf Drohnen angepasst, erklärte Scheurle. Damit kann das System auch verhindern, dass die Geräte in Flugverbotszonen wie etwa am Flughäfen eindringen. Ein weiterer Vorteil: Da die Drohnen nun erfasst werden – mit dem Radar sind die Geräte für die DFS bisher nicht zu orten – könnte auch der zivile Luftverkehr besser vor fehlgeleiteten Drohnen gewarnt werden.

Droniq will zur Ortung der Vehikel das Netz der Telekom nutzen. Höttges verwies auf die optimale Netzabdeckung des Unternehmens. Am Boden könnten Gebäude oder andere Dinge den Empfang stören. „Wenn es aber um den Luftraum geht, gibt es sogar eine redundante Flächenabdeckung“, sagte Höttges.

Bis zu zehn unterschiedliche Antennen könnten eine Drohne über Deutschland gleichzeitig orten. Damit würde sich das LTE-Netz optimal für die Überwachung des Luftraums bis zu einer Höhe von 120 Metern eignen. Das ist der Bereich, den die EU jüngst für den Drohnenverkehr definiert hat.

Das System soll sehr einfach sein. Die Drohnen werden mit einem LTE-Modul und einer Sim-Karte ausgestattet. Zusätzlich gibt es ein GPS-Modul und einen barometrischen Höhenmesser. „Alles was man braucht, ist also ein kleines Gerät, das eine Drohne quasi zum fliegenden Handy macht“, so Höttges. Diese Einheit meldet im Sekundentakt seine Identität, plus alle weiteren Daten.

Über das Netz der Telekom gehen die Informationen sofort an die DFS, die diese in ihrem UTM-System verarbeitet und daraus ein aktuelles Luftlagebild erstellt. Mit dem können sowohl die Drohnenpiloten, aber auch Verkehrspiloten arbeiten. In Zukunft sollen Drohnenpiloten sogar über das System automatisch die Genehmigung für einen Drohnenflug bei den zuständigen Landes-Luftfahrtbehörden einholen können.

Telekom weitet Engagement in der Luftfahrt aus

Flugtaxis etwa brauchen die Freigabe sofort, das ist deren Geschäftsmodell“, sagte Scheurle. Zeitaufwendige Papieranträge seien dann nicht mehr notwendig. Von den aktuell 500.000 Drohnen in Deutschland würden 19.000 kommerziell genutzt, so der DFS-Chef. In Zukunft würden daraus 126.000 kommerzielle Drohnen werden.

Die Deutsche Telekom erhofft sich, über den Ausflug in das Drohnengeschäft eine neue Branche zu erschließen. Das Mobilfunknetz der Telekom ist das beste in Deutschland. Zudem wurde der Dax-Konzern als Qualitätssieger in neun der zwölf europäischen Märkte ausgezeichnet, in denen das Unternehmen aktiv ist. Doch dabei haben die Bonner ein großes Problem: Ihnen fällt es schwer, Profite über den Verkauf von Mobilfunk- und Festnetzverträgen hinaus zu generieren.

Droniq ist der Versuch, stärker in die Wertschöpfung einzudringen, die auf Basis der Mobilfunknetze generiert wird. Die Telekom sowie die anderen Netzbetreiber werden von Start-ups der Technologie-Branche immer wieder als „Dump Pipes“ kritisiert, weil sie zwar die Leitungen für den Zugang zum Internet zur Verfügung stellen, aber vom besonders lukrativen Geschäft profitabler Dienste auf Basis des Netzes weitgehend ausgeschlossen sind.

Im vergangenen Jahr hatte die Telekom ihr Engagement im Luftfahrtbereich ausgeweitet. Mit 300 Basisstationen in allen 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie in der Schweiz und Norwegen betreibt die Telekom ein „European Aviation Network“ (EAN). Dadurch können Passagiere im Flugzeug das Internet nutzen.

Auch die DFS hofft auch ein lukratives Zusatzgeschäft. Das Kerngeschäft mit der Steuerung des zivilen Luftverkehrs steht unter Druck, auch weil die Airlines gegen die ihrer Ansicht nach hohen Flugsicherungsgebühren vorgehen. So erwirtschaftete die DFS im Jahr 2018 einen Fehlbetrag von 30,1 Millionen Euro.

Gleichzeitig muss die DFS in die Ertüchtigung ihrer Systeme investieren. Deshalb sucht DFS-Chef Scheurle schon länger nach neuen Erlösquellen. Das Management von Drohnen ist eine. So hat sich die DFS kürzlich über eine Tochter auch an dem belgischen Softwareentwickler Unifly beteiligt. Die entwickelt Software für ein Verkehrsmanagementsystem für die unbemannte Luftfahrt.

Deutschland liegt laut Scheurle im weltweiten Drohnenmarkt mit einem Volumen von 574 Millionen Euro auf Platz vier: „Da sehen Sie den Markt, den wir adressieren, auch wenn klar ist, dass wir diesen nicht alleine haben.“

Zwar gebe es etwa in den USA, Großbritannien oder auch der Schweiz Wettbewerber. Aber das Angebot von Droniq sei das umfassendste, betonte Höttges. „Wir fangen in Deutschland an, können uns aber vorstellen, auch ins Ausland zu gehen“, sagte Scheurle.

Mehr: Bis 2050 könnten weltweit fast 100.000 Passagierdrohnen im Einsatz sein. Doch bis dahin müssen noch einige politische Hürden überwunden werden. Lesen Sie hier, wie Flugtaxis Realität werden könnten.

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