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06.07.2022

10:17

Asia Techonomics

Sensible Daten gehackt: Wie Chinas Überwachungsstaat wächst

Von: Sabine Gusbeth

Milliarden Daten chinesischer Bürger werden nach einem Hack verkauft. Sie sollen von einem Polizeiserver stammen und zeigen wie China sein Überwachungsnetz ausbaut.

Halbleiter, Chip Klawe Rzeczy

Asia Techonomics

In der wöchentlichen Kolumne schreiben wir im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Peking Die Aufregung in Chinas sozialen Medien war so groß, dass der Suchbegriff „Datenleck“ von den Behörden nach wenigen Stunden gesperrt wurde. Für zehn Bitcoin bietet ein Hacker, der sich ChinaDan nennt, sage und schreibe 23 Terabyte an privaten Daten chinesischer Bürger an.

Der Grund für die Nervosität der Behörden: Die Informationen sollen aus der Datenbank der Sicherheitsbehörden in Schanghai stammen. 

Experten halten die Daten für echt. Nur ob sie tatsächlich von Polizei-Servern geklaut wurden, wie ChinaDan behauptet, lässt sich nicht überprüfen. 

Beunruhigend ist nicht allein der Umfang des angeblichen Hacks, sondern auch, wie viele, teils sensible Daten die chinesischen Behörden gesammelt haben. Nicht nur Informationen wie der Name, die Adresse, der Geburtstag und -ort oder Personalausweisnummer sind im gestohlenen Datensatz enthalten – auch Telefonnummern und Vorstrafen sowie andere Vorfälle, die bis Mitte der 1990er-Jahre zurückreichen, wurden bei den Behörden gespeichert.

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    Einige Details sind dabei so speziell, dass sie Experten zufolge eigentlich nur aus Datenbanken der Sicherheitsbehörden stammen können. 

    Der mutmaßliche Datenklau kommt just zu einer Zeit, in der China zuletzt versprochen hat, den Datenschutz zu verbessern. Im vergangenen Jahr hatte die Staatsführung neue Gesetze erlassen, die Tech-Riesen wie Alibaba und Tencent daran hindern sollten, ihre Datenmacht zu missbrauchen. 

    Die Tech-Regulierung sollte die Plattformkonzerne, aus denen mittlerweile mächtige Konglomerate geworden waren, in die Schranken weisen. Zudem erschwerten die Behörden den Transfer von Daten ins Ausland – was nicht nur dem Taxidienstleister Didi bei seinem US-IPO zum Verhängnis wurde, sondern auch viele ausländische Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. 

    Doch während der Staat vorgibt, seine Bürger besser vor den datensaugenden Tech-Konzernen oder gar feindlichen Mächten zu schützen, stellt sich die Frage: Wer schützt Chinas Bürger vor der Datensammelwut des Staates?

    Chinas Sicherheitsbehörden sammeln persönliche und biologische Daten

    Nicht erst der mutmaßliche Hack bei den Schanghaier Sicherheitsbehörden gibt Einblicke, wie stark der chinesische Staat seine Bürger kontrolliert. Datenspezialisten der „New York Times“ hatten in der vergangenen Woche mit einer umfangreichen Recherche herausgefunden, dass der chinesische Staat nicht nur viele persönliche, sondern auch biologische Daten seiner Bürger sammelt. Dafür wurden über 100.000 offizielle Ausschreibungsdokumente ausgewertet.

    Die Recherchen zeigen darüber hinaus, wie China sein Netz von schätzungsweise fast einer Milliarde Überwachungskameras inklusive Gesichtserkennung auch durch Abhöranlagen ergänzt, um auch Stimmabdrücke der Bürger zu sammeln. Eine Iris-Datenbank, erstmals eingesetzt zur Überwachung der Minderheit der Uiguren in Xinjiang, soll landesweit ausgebaut werden. Darüber hinaus legen die chinesischen Sicherheitsbehörden derzeit eine der größten DNA-Datenbanken der Welt an. 

    Wie groß die Menge der gesammelten Daten ist, zeigt eine Ausschreibung aus der ostchinesischen Provinz Fujian. Die Behörden suchten nach einer Speicherlösung für 2,5 Milliarden Gesichtsbilder. Dadurch solle die „Kontrolle und Verwaltung von Menschen“ verbessert werden. 

    Noch hapert es offenbar daran, die Daten der verschiedenen Behörden zusammenzuführen. Doch das Ministerium für öffentliche Sicherheit arbeitet, den Ausschreibungen zufolge, bereits an einer Lösung. So soll der Überwachungsanbieter Megvii eine Software vorgestellt haben, die sämtliche verfügbare Daten über eine Person zu einem Dossier zusammenstellt, das dann für Sicherheitsbehörden im ganzen Land abrufbar sein soll. Ungewöhnliche Verhaltensmuster können dann ausreichen, um einen Alarm auszulösen. 

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