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25.01.2022

19:30

Dresdener Start-up

Wandelbots will Roboter-Programmierung einfach machen

Von: Melanie Raidl

Die Software des Start-ups soll Roboter leicht trainierbar machen. Die Gründer sammeln 75 Millionen Euro von US-Investoren ein – um in die USA und China zu expandieren.

Das Mitglied der Geschäftsführung bei Wandelbots erhofft sich einen baldigen Markteintritt in China. Wandelbots

Jonas Schreiber

Das Mitglied der Geschäftsführung bei Wandelbots erhofft sich einen baldigen Markteintritt in China.

Düsseldorf Bis ein Industrieroboter in der Produktionshalle schweißt, klebt und so menschliche Arbeit spart, muss er die Arbeit erst mal lernen. Spezielle Entwickler programmieren einzeln jeden Greifarm, jeden Sensor und den Körper des Roboters mit unterschiedlichen Technologien. Das Geschäftsmodell des Start-ups Wandelbots vereinfacht diese Arbeit deutlich.

Mit ihrem Software-Baukasten für Roboter sollen Unternehmen alle Arbeitsschritte ihrer technischen Helfer einstellen können – ohne einen Robotikexperten. Die sogenannte No-Code-Software ermöglicht es auch normalen Programmierern, der komplexen Technik die richtigen Bewegungsabläufe beizubringen.

Das könnte der Verbreitung von Industrierobotern einen Schub geben, erklärt Jonas Schreiber, Mitglied der Geschäftsführung bei Wandelbots: „Die Robotersteuerung ist ein dermaßen komplexes Feld, dass das aktuell der Show-Stopper ist für die meisten Anwendungen.“

Um das zu ändern, hat das Unternehmen gerade 75 Millionen Euro Wachstumsfinanzierung eingesammelt. Der US-amerikanische Wagniskapitalgeber Insight Partners ist dabei neu eingestiegen, von den bestehende Investoren beteiligten sich unter anderem Microsoft, die Siemens-Start-up-Einheit Next47, die Stockholmer Investitionsgruppe EQT, Atlantic Labs aus Berlin, Frühphaseninvestor Paua und Wagniskapitalgeber 83North aus London.

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    „Wir sehen hier einen Multimilliarden-Dollar-Markt, von großen Fertigungsgiganten bis hin zu kleineren regionalen Akteuren, und überall will man die Automatisierung weiter vorantreiben“, sagt Philine Huizing, Investorin bei Insight Partners. Die Kosten und das fehlende Fachpersonal für die Programmierung industrieller Roboter seien jedoch große Hindernisse. „Wandelbots demokratisiert den Markt für Robotik, indem es den Zeit- und Kostenaufwand für die Programmierung verringert.“

    Auch Tobias Haschke vom Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik an der RWTH Aachen sieht durch die No-Code-Software Vorteile für die Robotikbranche. „Der Bedarf an Robotern ist größer geworden, die Anzahl an speziellen Programmierern aber nicht mitgewachsen“, sagt er. Dies könne No-Code-Software ausgleichen. Dadurch hätten Mittelständler einfacheren und günstigeren Zugang zu automatisierten Prozessen.

    Nutzer sollen Software ohne Roboterexpertise anpassen können

    Software-Baukästen nach dem No- und Low-Code-Prinzip sparen Kosten und lindern den Fachkräftemangel. Nutzer benötigen mit den Baukästen keine tiefergehenden Programmierkenntnisse, können aber selbst automatische Prozesse oder Softwaretools weiterentwickeln und anpassen.

    Eine aktuelle Umfrage des IT-Marktanalyseunternehmens Techconsult unter mehr als 250 Unternehmen in Deutschland ergab, dass sich 78 Prozent der Firmen mit No- und Low-Code-Anwendungen beschäftigen. Das Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet, dass ab 2025 weltweit 70 Prozent aller neuen Softwareanwendungen mit Low- oder No-Code-Anwendungen erstellt werden. 2020 waren es 25 Prozent.

    Neben dem No-Code-Ansatz für die Endkunden will das Start-up seine Technologie auch Drittentwicklern anbieten, wie Jonas Schreiber sagt: „Dieses Jahr ist unser Ziel, eine Plattform zu bauen, auf der viele Entwickler eigene Anwendungen für Roboter bauen können.“

    Wandelbots konzentriert sich bisher auf die Industrierobotik. Große Unternehmen nutzen die Software vor allem, um ihre Roboter Schweiß- oder Klebearbeiten erledigen zu lassen.

    Dafür müssen die Kunden zwar keine Robotikexpertise haben, aber zumindest programmieren können. „Ähnlich wie man mit den von Apple zur Verfügung gestellten Tools eine iPhone-App programmieren kann, kann man mit unseren Tools Robotik-Applikationen schreiben“, sagt Schreiber.

    Roboterprogrammierung für den Massenmarkt

    Mit Wandelbots könnten Kunden aber auch Küchenroboter programmieren. Ein Entwickler könne zusammen mit einem Koch eine Software bauen, die den Roboter beispielsweise zehn verschiedene Nudelgerichte mit einigen Zusatzfunktionen kochen lässt.

    Auch eine Koch-App zu schreiben sei möglich, über die sich deren Kunden dann bei einem Kochroboter Spaghetti bestellen, sagt Schreiber.

    2017 gründeten CEO Christian Piechnick mit Maria Piechnick, Georg Püschel, Jan Falkenberg und Sebastian Werner Wandelbots aus der Informatik-Fakultät der TU Dresden heraus. Heute hat das Unternehmen 140 Mitarbeiter in 17 Ländern.

    Der führende Investor Insight Partners soll nun vor allem bei der Expansion in die USA helfen. „Sie hatten bereits große Erfolge in Europa, und wir denken, dass Wandelbots auch bei US-Kunden, die die industrielle Automatisierung vorantreiben, Anklang finden wird“, sagt Philine Huizing. In den USA ist unter anderem Bosch ein Kunde von Wandelbots.

    „Unsere Priorität ist dieses Jahr auch, neue Märkte zu erschließen“, sagt Schreiber. „China ist mit Abstand der größte Markt in der Robotik.“ Der nächste Schritt sei jetzt die Suche nach potenziellen Investoren und Kunden in der Volksrepublik.

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