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05.12.2022

15:44

Elektromobilität

Tesla steht vor Problemen in China und drosselt angeblich die Produktion

Von: Thomas Jahn

Im November verkauft Tesla mehr als 100.000 Fahrzeuge in China. Der Erfolg stößt aber an seine Grenzen – darauf deuten auch die Lieferzeiten hin.

Erst im Sommer hatte der Autobauer die Kapazität verdoppelt. IMAGO/Xinhua

Tesla-Fabrik in Shanghai

Erst im Sommer hatte der Autobauer die Kapazität verdoppelt.

Düsseldorf Im November sahen die Zahlen für Tesla in China noch glänzend aus: Der US-Hersteller verkaufte insgesamt 100.239 dort hergestellte Fahrzeuge, rund 90 Prozent mehr als im Vorjahr und ein Plus von knapp 40 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Allerdings stößt Tesla mit seinem Erfolg offenbar an seine Grenzen. Laut Berichten der Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg vom Montag drosselt das Unternehmen noch diese Woche die Produktion in der Fabrik in Shanghai um bis zu 20 Prozent. Die Berichte werden von Tesla China nicht im Detail kommentiert, aber als „unrichtig“ bezeichnet.

Ein solcher Schritt würde darauf hindeuten, dass sich Tesla auf einen bevorstehenden Nachfrageeinbruch vorbereitet. „Das ist eine besorgniserregende Entwicklung“, sagt Matthias Schmidt, Gründer der Analysefirma Schmidt Automotive. In China würden die Elektroauto-Subventionen zum Jahresende „sehr langsam auslaufen“. Damit sei ein Absatzknick absehbar. „Wahrscheinlich werden die Verkäufe von 2023 in dieses Jahr vorgezogen“, warnt Schmidt.

Tesla-Werk in Shanghai ist laut Experten nicht ausgelastet

Das ist ein Einschnitt für Tesla-Chef Elon Musk, der bislang stark auf Expansion setzte und in diesem Jahr weltweit rund 1,4 Millionen Fahrzeuge verkaufen will. In der Unternehmensgeschichte kappte der Autobauer bislang die Produktion nur, wenn es äußere Bedingungen wie die Coronapandemie und Lockdowns nötig machten. Die Tesla-Aktie lag am Montag rund 4 Prozent im Minus.

Es scheint sich auch der von Musk vorangetriebene Produktionsausbau in Shanghai zu rächen. Tesla verdoppelte im Sommer die Kapazität des Werks auf eine Million Fahrzeuge jährlich. Die werden nicht alle in der Volksrepublik verkauft, sondern gehen auch in den Export. So wurden im Oktober mehr als 54.000 der insgesamt knapp 72.000 in China produzierten und verkauften Autos ins Ausland verschifft. Die Zahlen für November liegen noch nicht vor.

Allerdings ist der Export durch Transportkapazitäten begrenzt, die Spezialschiffe müssen mit einem zeitlichen Vorlauf gebucht werden. Damit ist die Tesla-Fabrik in Shanghai laut Analystin Junheng Li von JL Warren Capital deutlich unterausgelastet, wie sie in einem Bericht schreibt. Statt der möglichen 85.000 Fahrzeuge rechnet sie im Dezember mit nur 25.000 Fahrzeugen, die jede Woche gebaut werden.

Konkurrenz durch chinesische Anbieter wächst

Die Optionen sind für Tesla begrenzt. Am chinesischen Markt laufen nicht nur zum Jahresende die Subventionen aus. Auch die Konkurrenz mit heimischen Anbietern wie BYD oder Guangzhou Automobile verschärft sich. BYD verkaufte beispielsweise im November mit rund 114.000 Elektrofahrzeugen deutlich mehr als Tesla. Auch sorgten im vergangenen Monat zwei Rückrufe und ein Unfall mit zwei Todesopfern für negative Schlagzeilen bei dem US-Konzern.

Ein weiteres Indiz für Teslas Probleme in China: Seit Monaten verkürzen sich dort die Lieferzeiten. Auf die in Shanghai hergestellten Model 3 und Y mussten chinesische Kunden vor einem Jahr noch bis zu fünf Monate warten, jetzt sind es nur noch wenige Wochen.

Bereits vor mehr als einen Monat reagierte Tesla und kürzte die Preise in China um neun Prozent, dazu gab es weitere Anreize wie eine preiswertere Versicherung. Die China Merchants Bank sagt für das kommende Jahr einen Preiskampf bei Elektroautos voraus.

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