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01.11.2022

18:25

Europäische Weltraumagentur

Bundesregierung spart bei der Raumfahrt – New-Space-Firmen protestieren

Von: Thomas Jahn

Um 15 Prozent will die deutsche Regierung die Zuwendungen zur europäischen Weltraumagentur ESA kürzen. Start-ups und Experten sehen das kritisch.

Deutschland will seinen Beitrag für die Weltraumagentur ESA kürzen. dpa

Europäische Ariana-Rakete

Deutschland will seinen Beitrag für die Weltraumagentur ESA kürzen.

Düsseldorf Der Weltraum wird zur Chefsache: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) will nach Auskunft von Branchenvertretern an diesem Mittwoch mit Finanzminister Christian Lindner (FDP), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) und anderen hochrangigen Regierungsmitgliedern zu dem Thema beraten.

Die Aufmerksamkeit auf höchster Ebene erfreut die Branche. Weniger begeistert sind die Unternehmen über einen der Tagesordnungspunkte: den Vorschlag für das deutsche ESA-Budget für die kommenden drei Jahre. Darin sind bis 2025 insgesamt Ausgaben von knapp 2,8 Milliarden Euro vorgesehen, rund 15 Prozent weniger als im Zeitraum zuvor.

Die Zahlen gehen aus einem Bericht des Wirtschaftsministeriums an den Wirtschaftsausschuss des Bundestags hervor, der dem Handelsblatt vorliegt.

Kritik an Sparmaßnahmen der Bundesregierung

In einem gemeinsamen Schreiben protestieren deutsche und französische Start-ups und Unternehmen aus der Raum- und Luftfahrt nun gegen diese Kürzungen. Sie fordern „größere Ambitionen von Europa“, wie es in der Erklärung der Interessenvertretungen New-Space-Initiative aus Deutschland und Start Air aus Frankreich steht.

Die Sparmaßnahme kritisieren auch unabhängige Experten. „New Space ist sehr wichtig für Deutschland“, sagt Ulrich Walter, Leiter des Lehrstuhls Raumfahrt an der TU München. „Es geht um künftige Arbeitsplätze und Umsätze.“ Die Reduktion sei vor allem unverständlich, wenn andere Geberländer zugleich ihre Beiträge erhöhten.

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So hebt Frankreich, zusammen mit Deutschland der wichtigste Geldgeber der ESA, seine Beiträge deutlich an. Premierministerin Elisabeth Borne kündigte vor wenigen Wochen eine Erhöhung der Weltraumausgaben um ein Viertel auf insgesamt neun Milliarden Euro an. Wie viel genau davon an die ESA gehen soll, sagte Borne nicht. Auch Italien, drittgrößtes Geberland, will mehr Geld bereitstellen.

„Die Erwartungen der ESA, anderer Mitgliedstaaten und der Bedarf der deutschen Industrie liegen weit über den Mitteln, die Deutschland bereitstellen kann“, heißt es in dem Bericht des Wirtschaftsministeriums.

In der Tat zeigt Matthias Wachter vom Industrieverband BDI wenig Verständnis für die Entscheidung: „Jetzt werden die Weichen für die Industrie der Zukunft gestellt. Deutschland darf nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen“, sagt er.

Derzeit hat Raumfahrt keine gute Lobby in Berlin

Angesichts der Ausgaben für Verteidigung und Energie will die Bundesregierung in anderen Bereichen sparen. Die Luft- und Weltraumbeauftragte Anna Christmann gilt zwar in Branchenkreisen als kompetent. Aber in ihrer Fraktion der Grünen gibt es wenig Unterstützung für die Raumfahrt.

Der Chef der Europäischen Raumfahrtagentur will deutlich mehr Geld für Projekte wie dem „European Service Module“ für eine Raumstation, die in Zusammenarbeit mit der Nasa und anderen Organisationen um den Mond kreisen soll. Reuters

ESA-Direktor Josef Aschbacher

Der Chef der Europäischen Raumfahrtagentur will deutlich mehr Geld für Projekte wie dem „European Service Module“ für eine Raumstation, die in Zusammenarbeit mit der Nasa und anderen Organisationen um den Mond kreisen soll.

Die Bundesregierung erarbeitet die Vorschläge für die ESA-Ministerratskonferenz, die Ende November stattfindet. Die Behörde unter Führung des Österreichers Josef Aschbacher hat viel vor und fordert eine Haushaltserhöhung um 25 Prozent auf mehr als 18 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre. „Damit wollen wir mithalten“, sagte Aschbacher auf einem Fachkongress vor wenigen Wochen und verwies auf steigende Budgets in den USA und China.

Raumfahrt hat durch den Ukrainekrieg eine neue Dringlichkeit bekommen. Dort bewährt sich das Satelliten-Internet, bereitgestellt von Starlink, der Tochterfirma von Space X. Jetzt will auch die EU eine solche Satelliten-Konstellation auf niedriger Erdumlaufbahn errichten. „Wir dürfen in der Raumfahrt nicht den Anschluss verlieren“, sagt Matthias Wachter vom BDI.

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