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06.12.2022

07:56

Investor Square One

100 Millionen Euro für Deeptech und Software: „In solchen Zeiten werden die besten Firmen gebaut“

Von: Axel Höpner

Der früher als Paua Ventures bekannte Investor sieht die Verwerfungen am Wagniskapitalmarkt als Chance. Square One will in der sehr frühen Phase in Start-ups investieren.

Von links: Felix Plapperer, Federico Wengi, Charlotte Baumhauer, Christian Buchenau, Niels Denefleh und Georg Stockinger Square One

Team von Square One

Von links: Felix Plapperer, Federico Wengi, Charlotte Baumhauer, Christian Buchenau, Niels Denefleh und Georg Stockinger

München Die Euphorie am Wagniskapitalmarkt ist vorüber. Für Start-ups ist es schwieriger geworden, an Kapital zu kommen. „Doch in solchen Zeiten werden mit die besten Firmen gebaut. Wir sind sehr bullish“, sagt Christian Buchenau, Partner bei Square One.

Die Investmentfirma, die bislang Paua Ventures hieß, will unter neuem Namen und mit einem neuen 100 Millionen Euro schweren Fonds in der sehr frühen Phase vor allem in Jungfirmen aus den Bereichen Deeptech und Software investieren. Es werde in den kommenden Jahren insgesamt weniger Kapital im Markt sein, sagt Buchenau. Doch das habe auch positive Effekte. „Es diszipliniert Gründerteams dazu, kapitaleffizient zu arbeiten.“

Angesichts der globalen Verwerfungen werde sich auch das Preisniveau etwas normalisieren, ist Buchenau überzeugt. Zudem würden für Investoren neue Kennziffern wichtig. So werde heute vor Investitionsentscheidungen das Wachstum in Relation zum Kapitalverbrauch gesetzt. „Vor zwölf Monaten wäre man für so eine Denke ausgelacht worden.“

Square One setzt Fokus auf Software und Deeptech

Die geplanten Investitionen sollen nun unter dem Namen Square One getätigt werden. „Wir wollen das, was wir seit 13 Jahren tun, konkret in einer Marke abbilden, nämlich Early-Stage-Investments“, sagte Buchenau. Im Englischen spricht man von „back to square one“, wenn man ein Problem noch mal grundsätzlich neu angeht. Die Firma wolle quasi vom ersten Tag an als erster institutioneller Investor bei den Portfoliofirmen an Bord sein, erklärt Buchenau.

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    Die Investmentfirma will nun unter anderem Start-ups im Bereich von Firmensoftware und von „Software as a Service“ finden, wobei die Programme in einer Art Mietmodell vertrieben werden. Ein weiterer Schwerpunkt soll Deeptech werden. Damit sind Firmen gemeint, die oft im Verborgenen an sehr komplexer Soft- und Hardware basteln, um mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz, Photonik oder Quantencomputern substanzielle Fortschritte zu erzielen.

    „Wir wollen das, was wir seit 13 Jahren tun, konkret in einer Marke abbilden, nämlich Early-Stage-Investments.“ Square One

    Square-One-Partner Christian Buchenau

    „Wir wollen das, was wir seit 13 Jahren tun, konkret in einer Marke abbilden, nämlich Early-Stage-Investments.“

    Deeptech ist kapitalintensiv, signifikante Erlöse sind aber oft erst in ferner Zukunft zu erwarten. Für die Firmen ist es vor diesem Hintergrund schwer, Wagniskapital aus Deutschland zu bekommen. „Das ist ein struktureller Nachteil und sollte sich ändern. Sonst machen wir uns von ausländischem, insbesondere US-amerikanischem Kapital abhängig“, sagte Zoé Fabian, Geschäftsführerin im Wachstumsteam des französischen Beteiligungsunternehmens Eurazeo, in diesem Jahr.

    Auch der erfahrene Investor und eCapital-Gründer Paul-Josef Patt hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt kritisiert: „Wir sind gerade im Deeptech-Bereich noch immer Venture-Capital-Entwicklungsland und hinken den USA 20 Jahre hinterher.“

    Zum Teil gab es aber auch bei den Firmen selbst Nachholbedarf. In Deutschland seien früher viele Technologien von Wissenschaftlern etwa in Forschungszentren entwickelt worden, sagt Buchenau. „Die wussten aber nicht, wie man eine Firma aufbaut, die richtigen Leute anheuert und ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt.“

    Die Situation ändere sich aber gerade. „Wir hatten noch nie eine so hohe Qualität im Tech-Bereich wie heute.“ Inzwischen seien Unternehmer, die schon ein oder zwei Start-ups erfolgreich gegründet haben, verstärkt auch in Deepzech unterwegs. Square One, das als eines der ersten Unternehmen in Deutschland systematisch in das Segment investiert habe, wolle Netzwerke knüpfen und Gründer, Konzerne und Investoren zusammenbringen.

    „Wir müssen die Corporate Welt und die Start-up-Welt zusammenbringen“

    Traditionelle Konzerne könnten über Square One in Start-ups investieren. Man vermittle den Start-ups auf diesem Weg Kundenkontakte in die Industrie sowie Unterstützung von erfahrenen Unternehmern, im Gegenzug könnten die Firmen in neue Technologien hineinschnuppern. „Wir müssen die Corporate Welt und die Start-up-Welt zusammenbringen“, sagt Buchenau.

    Als Beispiel nennt er das gemeinsame Engagement mit den erfahrenen Managern und Aufsichtsräten Wolfgang Reitzle, Jim Hagemann Snabe und Jürgen Hambrecht beim Start-up Carbon One. Bei der Finanzierungsrunde im Frühjahr war Square One Co-Lead-Investor.

    Das Kapital für den neuen Fonds kam laut Buchenau vor allem von Family-Offices, aktiven und ehemaligen Unternehmern und Mittelständlern. In Sachen Rendite hat sich Square One ein klares Ziel gesetzt. „Wir erwarten bei unseren Investments einen Return von 25 bis 35 Prozent pro Jahr“, sagt Buchenau.

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