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09.05.2018

15:50 Uhr

Ärztetag

Mediziner fordern Trendwende bei Behandlung psychisch Kranker

Menschen mit psychischen Erkrankungen werden oft stigmatisiert und werden nicht ausreichend versorgt. Auf dem deutschen Ärztetag wird Kritik laut.

Fachliche Schwerpunkte des Ärztetages sind unter anderem Fernbehandlungen mit digitaler Kommunikationstechnik und die Versorgung psychisch Kranker. dpa

121. Deutscher Ärztetag

Fachliche Schwerpunkte des Ärztetages sind unter anderem Fernbehandlungen mit digitaler Kommunikationstechnik und die Versorgung psychisch Kranker.

ErfurtDie Versorgung psychisch Kranker ist einer der Schwerpunkte des diesjährigen Ärztetages. Die Delegierten verlangten eine bessere medizinische Versorgung von Menschen mit psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen. Dazu gehöre eine bessere Verzahnung ambulanter und stationärer Behandlungsangebote sowie eine Finanzierung, die den hohen zeitlichen Aufwand für Ärzte bei der Behandlung betroffener Patienten berücksichtige.

Die Mediziner plädieren außerdem für eine vorübergehende Teilzeitarbeit bei Berufstätigen mit psychischen Erkrankungen als Alternative zu langen Krankschreibungen. Speziell bei Depressionen sei eine lange Arbeitsunfähigkeit eher kontraproduktiv für die Heilung, weil sie die Symptome der Erkrankung verschärfe, heißt es in einem am Mittwoch vom Deutschen Ärztetag in Erfurt gefassten Beschluss. Bei vorübergehender Teilzeitarbeit fehlten die Erkrankten nicht am Arbeitsplatz, zudem blieben Tagesstruktur und soziale Kontakte erhalten. Der Ärztetag forderte den Gesetzgeber auf, die Möglichkeit für eine solche Arbeitsminderung zu schaffen.

Der Ärztetag wandte sich zudem gegen eine Stigmatisierung psychisch Kranker und gegen die gesonderte Speicherung von Daten dieser Patienten. Der Generalverdacht, dass in psychiatrischen Kliniken untergebrachte Patienten eine besondere Gefahr für die Allgemeinheit darstellten, entbehre einer wissenschaftlichen Grundlage, hieß es. Zuletzt hatten die Pläne Bayerns zur Einführung einer Zentraldatei für sämtliche in der Psychiatrie untergebrachten Patienten für scharfe Kritik gesorgt. Die bayerische Staatsregierung sieht davon inzwischen ab.

Von

dpa

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