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28.11.2019

18:02

Erfinder des Jahres

Wie die Innovationskraft von Siemens von der breiten Aufstellung profitiert

Von: Axel Höpner

Siemens zeichnet seine besten Tüftler aus. Eine Erfindung für die Bahntechnik zeigt, wie wichtig es ist, dass verschiedene Bereiche zusammenarbeiten.

Der Konzern muss vor allem dafür sorgen, dass er seine Innovationskraft auch nach der Aufspaltung im kommenden Jahr behalten und ausbauen kann. dpa

Siemens

Der Konzern muss vor allem dafür sorgen, dass er seine Innovationskraft auch nach der Aufspaltung im kommenden Jahr behalten und ausbauen kann.

München Auch nach 40 Jahren in der Bahnindustrie ist Axel Schmieder noch fasziniert: „Die elektrische Eisenbahn gibt es seit 140 Jahren – doch es lassen sich immer noch viele neue innovative Lösungen finden“, sagt der Siemens-Entwickler.

Zu der neuesten technologischen Weiterentwicklung hat er einen gehörigen Teil beigetragen. Gemeinsam mit Kollegen hat er eine Lösung gefunden, mit der Bahnstrecken deutlich günstiger nachträglich elektrifiziert werden können. Von Siemens wurde er nun zu einem der „Erfinder des Jahres“ gekürt.

Das Thema Innovationen spielt derzeit bei Siemens eine zentrale Rolle. In den vergangenen fünf Jahren seien die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 4,0 auf 5,7 Milliarden Euro gesteigert worden, sagte Vorstandschef Joe Kaeser kürzlich. Dies zeige, dass man große Ambitionen habe. „Wir wollen schneller wachsen und höhere Margen erwirtschaften.“

Der Konzern muss allerdings nun vor allem dafür sorgen, dass er seine Innovationskraft auch nach der Aufspaltung im kommenden Jahr behalten und ausbauen kann. Die Energietechnik, die für 40 Prozent der Umsätze steht, soll im kommenden Jahr an die Börse abgespalten werden.

Schmieders Erfindung zeigt, welche Vorteile es hat, wenn Entwickler aus verschiedenen Geschäftsbereichen zusammenarbeiten. Die Elektrifizierungslösung hat er gemeinsam mit Kollegen aus der Energietechnik entwickelt.

Die Herausforderung, die das Siemens-Team hatte: Noch gibt es in Europa viele Bahnstrecken, die nicht elektrifiziert sind und mit Dieselloks befahren werden. Im Zuge der Verkehrswende soll sich das ändern, doch das ist gar nicht so einfach.

Vor allem Brücken, Tunnel und Unterführungen sind ein Problem. Sie sind meist zu niedrig, um den sogenannten elektrischen Mindestabstand einzuhalten. Ist die Distanz zwischen elektrischer Fahrleitung und Bauwerk zu knapp, kann es bei Blitzeinschlägen zu einem Überschlag kommen. Brücken müssen daher oft angehoben oder neugebaut werden.

„Das aber kostet viel Geld und kann bis zu ein Drittel der Elektrifizierungskosten ausmachen“, sagt Schmieder. Manchmal ist ein Neubau auch gar nicht möglich – aus Denkmalschutzgründen oder weil die Strecke nicht so lange gesperrt werden kann.

Siemens verdrängt Huawei

Schmieder und seine Kollegen haben nun einen ganz neuen Ansatz gewählt. „Es macht Spaß, in einer bewährten Technologie auch einmal mit alten Lösungen zu brechen und neue Wege zu finden“, sagt der Entwickler. Mit dem Team entwickelte er einen Überspannungsableiter. „Es ist noch keiner auf die Idee gekommen, das auf diesem Weg zu lösen.“

An einer Brücke zwischen Esbjerg und Lunderskov konnte er sich vor wenigen Tagen die Technologie bereits bei dem Pilotkunden in Dänemark ansehen. Das Interesse in der Bahnindustrie ist groß. „Jetzt ist es die Herausforderung, die Lösung auch in anderen Hochspannungsbereichen einzusetzen“, sagt Entwickler Wolfgang Braun von Siemens Energy.

Schmieder hat bereits zehn Erfindungen bei Siemens gemeldet, bei Braun sind es sechs, bei ihrem Kollegen Thomas Koch sogar 14. Zudem haben die drei schon 60 Patente angemeldet. Siemens gehört seit jeher zu den größten Patentanmeldern. Im vergangenen Jahr meldete der Technologiekonzern knapp 2500 Patente beim Europäischen Patentamt an und eroberte sich damit vom chinesischen Herausforderer Huawei die Führungsposition zurück. Weltweit hält der Technologiekonzern 68.000 erteilte Patente.

Insgesamt wurden in diesem Jahr 19 Männer und vier Frauen im Alter von 34 bis 63 Jahren als „Erfinder des Jahres“ gekürt. Die Erfindung der Siemens-Entwickler um Schmieder, Braun und Koch zeigt, dass es viele Schnittmengen zwischen den Geschäften gibt. „So etwas ist nur in einem Systemhaus wie Siemens möglich“, sagt Braun. Die Zusammenarbeit von verschiedenen Bereichen sei eine der großen Stärken von Siemens.

Braun ist überzeugt: „Die Aufspaltung wird daran nichts ändern. Wir werden weiter zusammenarbeiten.“ Kaeser sprach bei der Bilanz-Pressekonferenz von einem Ökosystem, in dem die drei Siemens-Unternehmen künftig zusammenarbeiten sollen. Wie dieses ausgestaltet wird, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Für das Thema verantwortlich ist als Technologievorstand Kaesers Stellvertreter Roland Busch. Was in der neuen Struktur aus der Zentralen Forschung, der Corporate Technology, werden soll, ist noch nicht bekannt. Busch hatte aber bereits vor vier Jahren angekündigt, die Forschungsausgaben zielgerichteter und näher an den operativen Geschäften einzusetzen.

Er definierte 14 Innovationsfelder, auf denen Siemens zu den führenden Anbietern gehören soll. Diese reichen von der Autonomen Robotik über Cybersecurity bis hin zu Energiespeichern und Leistungselektronik. Hier sollen die CT-Entwickler eng mit den Forschern in den Geschäftsgebieten zusammenarbeiten.

Mehr: Eine Studie zeigt, welche Unternehmen die meisten wirtschaftlich relevanten Neuerungen hervorbringen. Was lässt sich von den Innovations-Champions lernen?

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