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17.05.2019

04:04

Der Gesundheitskonzern will im laufenden Jahr wieder wachsen, nachdem er 2018 keine größeren Akquisitionen tätigte. dpa

Fresenius

Der Gesundheitskonzern will im laufenden Jahr wieder wachsen, nachdem er 2018 keine größeren Akquisitionen tätigte.

Gesundheitskonzern

Fresenius im Bilanzcheck – gesund, aber weniger dynamisch

Von: Maike Telgheder

Fresenius kommt im Klinikgeschäft nicht mehr so gut voran wie bisher. Das Unternehmen ist aber weiterhin solide aufgestellt.

Frankfurt Eine missglückte Übernahme in den USA, Probleme im Klinikgeschäft und zurückgenommene Prognosen: Der Gesundheitskonzern Fresenius hat ein schwieriges Jahr 2018 hinter sich.

Das bekamen auch die Aktionäre zu spüren: Wie schon 2017 entwickelte sich der Kurs der Fresenius-Aktie im vergangenen Jahr deutlich schwächer als der Dax insgesamt: Mit einem Wertverlust von 35 Prozent auf 42,38 Euro pro Aktie erreichte Fresenius am Ende des insgesamt schwachen Börsenjahrs 2018 eine Bewertung wie zuletzt Ende 2014.

Als Trost können die Aktionäre auf der Hauptversammlung am kommenden Freitag immerhin über die 26. Dividendenerhöhung in Folge abstimmen: Der Zuwachs fällt indes mit fünf Cent beziehungsweise sieben Prozent auf 0,80 Euro nicht so üppig aus wie noch im vergangenen Jahr (plus 21 Prozent).

Der Rechtsstreit um die wegen Datenmanipulation aufgekündigte Übernahme des US-Generika-Unternehmens Akorn hatte in den ersten Monaten des vergangenen Jahres die Nachrichten um Fresenius bestimmt. Im Oktober gab das oberste Gericht in Delaware den Bad Homburgern aber recht, den Zukauf gekündigt zu haben.

Die Freude über dieses Urteil indes währte nicht lange: Mitte Oktober schockierte der Konzern die Anleger mit einer reduzierten Gewinnerwartung, im Dezember kassierte Konzernchef Stephan Sturm dann auch noch die Mittelfristziele.

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Geringere Wachstumsraten im Klinikgeschäft sowie diverse Sonderfaktoren hinterlassen in der Bilanz 2018 deutliche Spuren. Weil die größte Sparte, der Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC), ein Ärztenetzwerk verkauft hat, schrumpfte auch der Umsatz von Fresenius – und zwar um ein Prozent auf 33,5 Milliarden Euro.

Dabei hatten Währungseffekte einen negativen Einfluss von vier Prozent. Das Konzernergebnis wiederum stieg maßgeblich wegen des Veräußerungsgewinns aus dem Ärztenetzwerk um zwölf Prozent auf 2,03 Milliarden Euro. Vor Sondereinflüssen legte es aber nur um drei Prozent auf 1,87 Milliarden Euro zu.

Auf vergleichbarer Basis und ohne Währungseffekte gerechnet konnte der Gesundheitskonzern seinen langjährigen Wachstumskurs aber insgesamt fortsetzen: Der Umsatz stieg auf dieser Basis um sechs und der Konzerngewinn um sieben Prozent.

Fresenius profitierte dabei von seiner breiten Aufstellung im Gesundheitsmarkt: Zum Unternehmen gehört neben der ebenfalls im Dax notierten FMC der Klinikkonzern Helios, der rund 27 Prozent zum Umsatz beisteuert, die Ernährungs- und Arzneimittelsparte Kabi (20 Prozent Umsatzanteil) sowie der auf Krankenhausdienstleistungen spezialisierte Geschäftsbereich Vamed (fünf Prozent).

Gesundheitsbranche: Für Fresenius Medical Care wird Wachstum mühsamer

Gesundheitsbranche

Für Fresenius Medical Care wird Wachstum mühsamer

Ein Sonderertrag sorgt für einen Gewinnsprung bei FMC. Aber operativ kommt der Gesundheitskonzern nicht so gut voran wie von Analysten erwartet.

An FMC hält Fresenius nur rund 31 Prozent der Anteile, kontrolliert das Unternehmen aber über die Struktur einer Kommanditgesellschaft auf Aktien voll. Deswegen wird FMC, die knapp die Hälfte zum Konzernumsatz von Fresenius beiträgt, voll konsolidiert.

Weil Fresenius Medical Care unter anderem in den USA Dialysepatienten verlor und unter der Hyperinflation in Argentinien litt, wuchs die größte Konzerntochter 2018 nicht so schnell wie geplant. Organisch lag das Plus bei vier Prozent. Aber wegen des Sound-Verkaufs und negativer Währungseffekte schrumpfte der Umsatz um sieben Prozent auf 16,55 Milliarden Euro. Das bremste auch die Entwicklung von Fresenius.

Wachstumsstark zeigte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr dagegen einmal mehr die Infusions- und Ernährungssparte Kabi. In Nordamerika profitierte Fresenius von den anhaltenden Versorgungsengpässen im Bereich intravenös zu verabreichender Nachahmermedikamente, weil Konkurrenten Lieferschwierigkeiten hatten.

Außerdem konnte Kabi in Schwellen- und Entwicklungsländern deutlich zulegen. Der Umsatz der Sparte stieg um drei Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Währungseffekte herausgerechnet lag der Zuwachs sogar bei sieben Prozent.

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Die Ertragsentwicklung der Kabi-Sparte wurde dagegen durch Transaktionskosten von 34 Millionen Euro im Zusammenhang mit der gescheiterten Akorn-Übernahme sowie durch Vorleistungen für die Entwicklung von Biosimilars belastet. Die Nachfolgeprodukte von Biotechmedikamenten gelten zwar als milliardenschwerer Zukunftsmarkt.

Allerdings muss Fresenius noch in die Entwicklung der Substanzen investieren, wofür 2018 rund 166 Millionen Euro ausgegeben wurden, nach 60 Millionen im Jahr zuvor. Der operative Gewinn der Sparte Kabi schrumpfte daher um drei Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Ohne die Sonderbelastungen wäre er um fünf Prozent gestiegen.

In der Krankenhaussparte Helios zeigte sich die 2017 erworbene spanische Klinikkette Quironsalud erneut als Zugpferd des Klinikgeschäfts: Der Umsatz von Helios Spanien stieg um 17 Prozent auf 3,02 Milliarden Euro. Den Konsolidierungseffekt herausgerechnet lag das organische Wachstum noch bei sechs Prozent.

In Deutschland dagegen schrumpfte der Umsatz von Helios um zwei Prozent auf 5,97 Milliarden Euro. Das lag vor allem an der Ausgliederung des Geschäfts mit Reha und Pflege (Post-Akut-Bereich), das nunmehr in der Sparte Vamed angesiedelt ist. Klammert man dies aus, wuchs Helios Deutschland noch um zwei Prozent, damit aber langsamer als in den Vorjahren.

Wegen der hohen Fixkosten im Krankenhausbereich ging der operative Gewinn von Helios Deutschland überproportional um zehn Prozent zurück, inklusive der Ausgliederung des Post-Akut-Geschäfts schrumpfte das Ebit um 14 Prozent auf 625 Millionen Euro.

Der halb so große Klinikbereich in Spanien konnte mit seinem satten Wachstum des operativen Gewinns um 26 Prozent diesen Effekt gerade so ausgleichen: Insgesamt bliebt der operative Gewinn (Ebit) von Fresenius Helios mit 1,05 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau.

Der kleinste Geschäftsbereich von Fresenius, der Krankenhausdienstleister Vamed, profitierte im abgelaufenen Geschäftsjahr von einer dynamischen operativen Entwicklung sowie zusätzlich vom Transfer des Post-Akut-Geschäft von Helios. Der Umsatz stieg daher um 37 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro und das Ebit um 45 Prozent auf 110 Millionen Euro. Mit einer Ebit-Marge von 6,5 Prozent ist das Dienstleistungsgeschäft allerdings deutlich weniger lukrativ als die anderen Geschäftsbereiche von Fresenius. Es kann deren Schwächen nicht kompensieren.

Gesundheitskonzern: Großübernahmen bei Fresenius sind erst 2020 geplant

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Für 2019 will man sich auf das Kerngeschäft konzentrieren und eher nur kleine Übernahmen angehen. Für gute Gelegenheiten sei man jedoch bereit.

Für den erfolgsverwöhnten Fresenius-Konzern insgesamt summiert sich die gebremste Entwicklung bei FMC und Helios Deutschland daher in einem um 5,6 Prozent auf 4,56 Milliarden Euro geschrumpften operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen. Inklusive aller Sondereffekte, darunter auch der als operativer Ertrag verbuchte Veräußerungsgewinn von gut 800 Millionen Euro aus dem Verkauf von Sound, weist Fresenius dagegen einen Anstieg des operativen Gewinns (Ebit) um 14 Prozent auf 5,25 Milliarden Euro aus.

Der Mittelzufluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit sank um fünf Prozent auf 3,74 Millionen Euro, die Cashflow-Marge von 11,6 auf 11,2 Prozent. Abzüglich gestiegener Investitionen sank der Free Cashflow um 25 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro. Ausreichend Barmittel also für die Zahlung der Dividenden in Höhe von 904 Millionen Euro.

Akquisitionen im größeren Stil schlugen 2018 bei Fresenius nicht zu Buche. Aus dem mehr als vier Milliarden Euro schweren Akorn-Deal konnte Fresenius aussteigen. Die von FMC geplante zwei Milliarden Dollar schwere Übernahme des Heimdialysebetreibers NxStage wurde erst in diesem Jahr abgeschlossen.

Die Finanzverbindlichkeiten von Fresenius, die durch den Kauf der spanischen Klinikkette Quironsalud einen neuen Höhepunkt erreicht hatten, blieben mit 19 Milliarden Euro nahezu unverändert. Die Nettoverschuldung sank – vor allem wegen der Veräußerung des Ärztenetzwerks durch FMC – um sechs Prozent auf 16,27 Milliarden Euro. Damit konnte der Verschuldungsgrad gemessen am Verhältnis der Nettofinanzverbindlichkeiten zum Ebitda leicht von 2,8 auf 2,7 gesenkt werden.

Im laufenden Jahr will Fresenius beim Wachstum wieder an Fahrt gewinnen und quer über alle Geschäftsbereiche in den Ausbau des Portfolios, neue Märkte und Geschäftsfelder wie etwa die ambulante Versorgung investieren. Nach einem vergleichsweise starken ersten Quartal peilt Firmenchef Stephan Sturm für 2019 weiterhin einen währungsbereinigten Anstieg des Konzernumsatzes zwischen drei und sechs Prozent an. Das Konzernergebnis soll wegen höherer Investitionen in etwa auf Vorjahresniveau bleiben.

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