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07.06.2018

13:47 Uhr

Innovationen ausgezeichnet

Europäischer Erfinderpreis für deutschen MRT-Forscher

VonTanja Kuchenbecker

Der Europäische Erfinderpreis geht in diesem Jahr unter anderem nach Deutschland. Insgesamt sechs herausragende Erfindungen wurden in Paris ausgezeichnet.

Jens Frahm wurde in der Kategorie „Forschung“ ausgezeichnet. (Foto: Epa)

Europäischer Erfinderpreis

Jens Frahm wurde in der Kategorie „Forschung“ ausgezeichnet. (Foto: Epa)

ParisDer Europäische Erfinderpreis geht in diesem Jahr unter anderem nach Deutschland. Bei dem Festakt im Theater Alexandre Dumas in Saint-Germain-en-Laye bei Paris wurde am heutigen Donnerstag der Biophysiker Jens Frahm geehrt. Er hat eine Technik zur Verbesserung von MRT (Magnetresonanztomographie) entwickelt.

Insgesamt fünfzehn Erfinder standen im Rennen um einen Preis in einer der fünf Kategorien. Ihre Erfindungen decken so unterschiedliche Bereiche ab wie Kraftfahrzeugtechnik, Materialwissenschaften, medizinische Bildgebung, Medizintechnik und Laser. Der Preis für die besten Erfinder, die mit ihren Innovationen das Leben von Menschen auf der ganzen Welt verbessert haben, wird seit 2006 vom Europäischen Patentamt (EPA) verliehen.

Eine Jury hatte die Bewerber um den Preis aus insgesamt 500 Vorschlägen ausgewählt. „Die Kreativität und der Einfallsreichtum dieser herausragenden Frauen und Männer tragen dazu bei, unser tägliches Leben zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu stärken“, sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli bei dem Festakt.

Jens Frahm aus Deutschland gewann in der Kategorie Forschung für seine Erfindung einer schnelleren MRT (Magnetresonanztomographie) in Echtzeit. Der deutsche Biophysiker entwickelte die Flash-Technik, die die MRT Scans um den Faktor 100 beschleunigt. Seine Technologie bietet auch die Möglichkeit, bewegte Bilder von Organen und Gelenken in Echtzeit zu erfassen. Damit wird die Möglichkeit der Diagnose noch größer. Frahm: „Es wird nun eine Veränderung auf der klinischen Seite nötig.“

Für ihr sich selbst erneuerndes Reifenprofil wurden Agnes Poulbot und der verstorbene Jacques Barraud aus Frankreich in der Kategorie „Industrie“ ausgezeichnet. Die Reifentechnik beruht auf dem Aufeinanderschichten von Profilen, bei Verschleiß wird jeweils eine neue Schicht freigelegt. Reifen halten damit bis zu 20 Prozent länger und sparen pro 100 Kilometer einen Liter Sprit.

Jane ní Dhulchaointigh und ihr Team gewannen die Kategorie „Kleine und mittlere Unternehmen“. Die irische Produktdesignerin hat einen formbaren Multifunktionskleber entwickelt, mit dem Alltagsgegenstände repariert werden können. Der Klebstoff namens Sugru verhärtet sich zu einem festen Gummi und lässt sich leicht formen. Damit können kaputte Gegenstände repariert werden, was die Massen von Abfall reduzieren soll. „Erfindungen stehen für Optimismus und am Ende verändern sie Leben „, betonte die Gewinnerin.

Winzige Batterien mit langer Lebensdauer

Esther Sans Takeuchi aus den USA setzte sich in der Kategorie „Nicht-EU-Staaten“ durch. Die Chemieingenieurin hat Kompaktbatterien erfunden, die winzige implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICDs) mit Energie versorgen. Sie werden bei Millionen Patienten verwendet und verringern das Auftreten von Herzinfarkten. Die Schwierigkeit bei dieser Entwicklung lag darin, die Batterien winzig und doch mit langer Lebensdauer zu gestalten. „Batterien sind weit davon entfernt, einfach zu sein. Es werden heute immer mehr komplexere Techniken benötigt“, sagte die Siegerin.

Die Schweizer Erfinderin Ursula Keller wurde für die Entwicklungen der ultraschnellen Pulslasertechnologie mit dem Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Physikerin erfand den SESAM-Spiegel, die führende Technologie für kommerziell genutzte ultraschnelle Pulslaser, die in industriellen und medizinischen Verfahren verwendet werden. Im Laufe ihrer 30jährigen Karriere hat sie die Technik beständig weiter entwickelt. „Ich bin froh, dass wir so viele Frauen unter den Gewinnern haben“, sagte Keller. „Die Gesellschaft sorgt immer noch dafür, dass Frauen von der Wissenschaft abgestoßen werden.“ Tatsächlich waren noch nie so viele Frauen unter den Erfinderpreis-Gewinnern wie in diesem Jahr.

Neben den fünf von der Jury bestimmten Preisträgern wird traditionell auch ein Erfinder vom Publikum ausgewählt. In diesem Jahr ging der per Online-Abstimmung vergebene Publikumspreis an Erik Loopstra aus den Niederlanden und Vadim Banine (Niederlande/Russland). Sie waren in der Kategorie Industrie nominiert mit einer Methode zur Herstellung kleinerer und schnellerer Mikrochips. Um die winzigen Chips zu erzeugen, nutzen die Hersteller die extrem ultraviolette Lithographie (EUVL) – eine Technologie, die Loopstra und Banine beim niederländischen Anbieter für Lithographie-Anlagen ASML entwickelt haben. Die neuen Chips kommen in Bereichen wie Elektronik, Robotik und künstliche Intelligenz zum Einsatz.

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